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Uuno Saarnio (1897 - 1977)Der finnische Mathematiker, Logiker und Philosoph hat sich intensiv mit dem Zusammenhang von Philosophie, Logik und Mathematik beschäftigt und den Nominalismus kritisiert. Als Gegenstück entwickelte Saarnio ein auf der Typentheorie von Russell basierendes Konstitutionsprogramm der Begriffe und eine bezeichnungshierarchische Worttheorie. Eine logische Paradoxie entsteht nach Saarnio, wenn in einer transitiven Klasse reflexive Fälle vorkommen. Das Paradoxe tritt in seiner Worttheorie nicht auf. Seine Worttheorie verbindet auf konsequente Weise die Signifikationsrelation und die Î-Relation. Auf diese Weise überwindet Saarnio die Kennzeichnungstheorie von Russell und den logischen Formalismus von Carnap.
Eva Sachs (1882 - 1936)Eva Sachs wurde am 13. April 1882 in Berlin geboren. Sie wuchs auch in Berlin auf. Sie studierte in Berlin, u.a. bei Cassirer, Diels, Riehl, Simmel und v. Wilamowitz-Moellendorff. 1913 reichte Eva Sachs ihre Dissertation Theaeteto Atheniensi mathematico zur klassischen Phililogie ein. Thematisch eng verwandt mit dieser Arbeit ist ihre 1917 erschienene Arbeit Die fünf platonischen Körper: Zur Geschichte der Mathematik und der Elementarlehre Platons und der Pythagoreer. Angeregt zu diesem Thema wurde sue von Ulrich v. Wilamowitz-Moellendorff, der ihr die Aufgabe gestellt hatte, anhand des 1905 erschienen Theaitetos-Kommentars die Integrität des platonischen Dialogs zu untersuchen. Sie kommt zu dem Ergebnis, daß Platons Pythagoreertum von den Erklärern hineingedeutet wurde. Den Pythagoreern waren von den fünf platonischen Körpern (Dodekaeder, Ikosaeder, Kubus, Oktaeder, Tetraeder) nur Tetraeder, Kubus und Dodekaeder bekannt. Theaitetos hingegen hatte alle fünf regulären Körper konstruiert. Das belegt sie mit einem Scholion zum 13. Buch des Eukleides von Alexandreia. Damit hält sie für klar, daß Platons Elementenlehre nicht pythagoreischen Ursprungs sein könne. Die Interpretation kommt nur daher, daß Platon diese Lehre dem Pythagoreer Timaios in den Mund legt.
August Friedrich Wilhelm Sack (1703 - 1786)August Friedrich Wilhelm Sack ist ein Vertreter der Wolffschen Schule. Er vertrat den Standpunkt der Natur- und Vernunftreligion, hielt aber an dem Glauben der Offenbarung fest.
Claude-Henri Comte de Saint-Simon (1760 - 1825)Der französische Sozialreformer und Sozialphilosoph Claude-Henri Comte de Saint-Simon betont in seinen historischen Analysen die Bedeutung der Gegensätze zwischen den gesellschaftlich produktiven und den unproduktiven Klassen. Unproduktiv sind nach Saint-Simon Adel und Geistlichkeit, produktiv vor allem Handwerker, Arbeiter und Unternehmer. Saint-Simon vertrat einen utopischen Sozialismus und vertraut in seinem Gesellschaftsentwurf ganz auf Planung und Zentralisierung. Die Nationalökonomen und Soziologen werden aufgefordert, die Führung der Gesellschaft zu übernehmen. Saint-Simon hat zeitweise Comte stark beeinflußt.
Jan Salamucha (1903 - 1944)Pater Jan Salamucha studierte in Warschau Theologie und hörte dort auch bei Lukasiewicz und Lesniewski Logik. Er arbeitete außerdem mit Drewnowski auf dem Gebiet der Metaphilosophie. Er beschäftigte sich vor allem mit der Geschichte der Logik und gehörte sowohl zur Lwow-Warschau-Schule als auch zum Krakower Kreis. Jan Salamucha kam während des Warschauer Aufstandes ums Leben.
Jacob Salat (1761 - 1851)Jacob Salat war Professor der Theologie in Landshut und dann in München. Er ist von Kant und Jacobi beeinflußt. Salat war Gegner Schellings und Hegels sowie des Obskurantismus.
John von Salisbury (um 1120 - 1180)Der englische Theologe und Philosophie John von Salisbury studierte bei Abaelard in Paris. Er arbeitete als Sekretär für Thomas Becket und wurde 1176 zum Bischof von Chartres ernannt. John von Salisbury schrieb über Politik und Logik. Im Universalienstreit näherte er sich den Auffassungen von Aristoteles. Universalien haben keine selbständige Existenz, sondern sind mentale Vorstellungen von wirklichen Gattungen. Seine Position in diesem Streit ist der Konzeptualismus. John von Salisbury studierte auch die unbestimmten Urteile und die modalen Kategorien gründlich.
Sallustius (gest. 370 u. Z.)Sallustius (auch: Sallust) ist ein Neuplatoniker. Er war wie sein Freund Iulianus Apostata Mitglied der pergamenischen Schule. In seinem Werk über Götter und Welt bekämpft Sallustius das Christentum und befürwortet statt dessen den Polytheismus.
François Sanchez (vor 1552 - 1632)Der Mediziner und Philosoph François Sanchez ist von portugiesischer Herkunft, lebte aber von Jugend an in Frankreich. In seinem 1581 erschienenen Hauptwerk legte er seinen Skeptizismus dar. Dieser wendet sich sowohl gegen den scholastischen Aristotelismus als auch gegen die Naturphilosophie der Renaissance. Wissenschaft habe sich auf die Dinge zu richten, aber weder seien die Dinge noch das Erkenntnisvermögen so beschaffen, daß sie die Erkenntnis der Dinge ermöglichen. Ein gewisses Wissen ist nach Sanchez jedoch durch Beobachtung, Versuch und Urteil erreichbar.
George Santayana (1863 - 1952)Der Philosoph und Dichter George Santayana, in Spanien geboren, studierte in den USA an der Harvard University und wurde dort Professor für Philosophie. 1912 zog sich Santayana zurück und lebte als freier Schriftsteller. Die Aufgabe der Philosophie sieht Santayana in den frühen Werken in der psychologischen Beschreibung von Bewußtseinsfunktionen. Später will G. Santayana den Skeptizismus auf die Spitze treiben, um ihn zu überwinden, und versteht darunter die Leugnung (denying) der Realität aller Tatsachen. Daß dies falsch sei, lehre - so Santayana weiter - nicht die Philosophie, sondern der animal faith [1]. Der animal faith des Menschen ist stärker als sein theoretischer Skeptizismus, so daß sich die Gewißheit bezüglich einer Welt von Dingen und Ereignissen, die Eigenschaften oder Essenzen haben, durchhält. Santayana untersucht den ontologischen Status der Essenzen, ihr Sein, und glaubt, im Begriff der Selbstidentität das entscheidende Merkmal gefunden zu haben. Er analysiert vier verschiedene Weisen des Seins: Essenz, Stoff, Wahrheit und Geist.
[1] Santayana, G.: Scepticism and animal faith (1923), The works 13 (1937) 40
Jean-Paul Sartre (1905 - 1980)Der französische Dramatiker und Philosoph Jean-Paul Sartre studierte u. a. mit Merleau-Ponty an der École Normale Supérieure. An dieser Schule traf er 1929 seine zukünftige Lebensgefährtin Simone de Beauvoir. Sartre war 1931-1933 Gymnasiallehrer in Le Havre und 1933-1934 Stipendiat am Institut Français in Berlin. Dort beschäftigte er sich mit der Philosophie von Husserl, Heidegger, Jaspers und Scheler. 1934-1936 arbeitete er wieder als Gymnasiallehrer in Le Havre, 1936-37 in Laon, danach in Paris. 1936 erschien sein erstes Buch L'imagination. In seinem Werk L'être et le néant (1943), das an Heidegger und Hegel anknüpft, radikalisiert Sartre das Freiheitsproblem. Er geht von der These aus, daß nichts Gegebenes die Entscheidungen, die wir treffen, im voraus begründen kann, daß Entscheidungen sich weder durch religiöse Instanzen, Traditionen, gesellschaftliche Normen oder im Rückgang auf die biologische Natur begründen lassen. Der Mensch existiert nicht, um dann über seine bloße Existenz hinaus eine Freiheit zu besitzen. Er existiert als Freiheit. Das zeigt sich darin, daß Freiheit Voraussetzung dafür ist, um sich selbst die Freiheit abzusprechen.
Ferdinand de Saussure (1857 - 1913)Der Schweizer Sprachforscher Ferdinand de Saussure studierte von 1876 bis 1880 in Leipzig, dann in Paris. Er lehrte von 1881 bis 1891 in Paris an der Sorbonne, danach in Genf, zunächst als außerordentlicher, ab 1896 als ordentlicher Prof. für Sanskrit und indo-europäische Sprachen. Ab 1906 war Saussure Professor für allgemeine Linguistik. In den Jahren 1907 - 1911 hielt Saussure drei Vorlesungsreihen über allgemeine Linguistik. Nach seinem Tod rekonstruierten Charles Bally und Albert Sechehaye, zwei seiner Schüler, seine Theorie auf der Grundlage von Hörernachschriften in einer Gesamtdarstellung. Saussure gilt als Begründer der strukturellen Linguistik. Er untersuchte die Sprache als ein System von Zeichen. In diesem Zusammenhang entwirft er die Idee einer allgemeinen Wissenschaft von Zeichensystemen, die Semiologie, die er unter die Soziologie (Sozialpsychologie) einordnet. Auf Saussure geht die Unterscheidung von langue und Parole zurück.
Friedrich Carl von Savigny (1779 - 1861)Der deutsche Jurist und Politiker Friedrich Carl von Savigny wurde 1810 Professor in Berlin. 1812 wurde er dort Rektor. Ab 1817 war er Staatsrat, von 1841 bis 1848 Minister. Savigny ist der Begründer der Historischen Schule
Adam Schaff (geb. 1913)Der polnische Philosoph und Logiker Adam Schaff hat vor allem zur Erkenntnistheorie und zur Semiotik gearbeitet. Er bmüht sich um den Nachweis, daß die Bedeutung eines Sprachzeichens mit dem Begriff identisch ist. Besondere Aufmerksamkeit widmete Schaff der Problematik unscharfer Ausdrücke und ihrer Präzisierung. Gegen die Fehlerhaftigkeit der Sprache richte sich nach Schaff die semantische Analyse, die er als Analyse der Bedeutung des Ausdrucks versteht. Die semantische Analyse bezweckt, sachliche und logische Fehler zu verhindern, die menschliches Denken und Kommunizieren erschweren. Gegen die These von Russell und Black, daß alle sprachlichen Zeichen unbestimmt seien, wendet Schaff ein, daß man zwar zeigen könne, daß sprachliche Zeichen in gewisser Hinsicht immer ungenau sind, daß sie aber in anderer Hinsicht gewöhnlich exakt sind. Die sprachlichen Zeichen sind nicht ungenau, weil sie unvollkommen sind, sondern sondern weil zwischen den starren, die Erscheinungen der Wirklichkeit unter irgendeinem Gesichtspunkt klassifizierenden Einteilung und dieser Wirklichkeit eine Verhältnis der Inadäquatheit besteht. Die Wirklichkeit entzieht sich durch ihre Veränderlichkeit, ihre Übergänge von einem Zustand zum anderen, von einer Erscheinung zur anderen jeglicher starrer Klassifikation. Schaffs Auffassung, daß sich die Logik einzig und allein mit Aussagesätzen, nicht jedoch mit Befehls-, Frage- und Wunschsätzen befasse, ist heute überholt.
Max Scheler (1874 - 1928)Der deutsche Philosoph Max Scheler studierte in Jena Medizin und Philosophie (bei Eucken und Liebmann). 1899 vollendete er seine Dissertation, 1900 seine Habilitation. Scheler reiste 1907 nach München und ließ sich auf Empfehlung von Husserl bei T. Lipps umhabilitieren. 1911 wurde Scheler Privatlehrer in Göttingen. Er kehrte aber nach München zurück. 1917 bis 1918 lebte Scheler in Genf und in Haag. Ab 1919 war er Professor in Köln und ab 1928 in Frankfurt am Main. Scheler betrachtete sich seit 1901, als er Husserl begegnete, bis zum 1. Weltkrieg als Phänomenologe im weiteren Sinn des Wortes. Er verstand die Phänomenologie als eine Philosophie, die ihre Grundlage in einer Beschreibung des in der Erfahrung Gegebenen sucht. In seinen späteren Werken wendete Scheler sich jedoch vom phänomenologischen Programm hinaus und entwickelte eine religiös geprägte Philosophie, die ihn in die Nähe von Böhme, Baader, Schelling und Hegel führte. Unter dem Einfluß der Lebensphilosophie glaubt Scheler, daß die Grundlage des Lebens nicht der Geist sei, sondern vielmehr eine Schicht irrationaler Triebe und Gefühle. Er lehnt aber die lebensphilosophische These ab, daß die geistige Seite des Menschen ein bloßes Produkt von Trieben und Gefühlen ist. Der Geist hat seine eigene selbständige Seinsweise, die bewirkt, daß der Mensch Person sein kann und sich als solche vom Tier unterscheidet. Scheler weitet den Begriff Person auf überindividuelle Größen wie Gesellschaft und Staat aus, sofern diese überindividuellen Entitäten die Individuen benutzen, um zu einem Bewußtsein von sich selbst zu kommen und kollektive Handlungen auszuführen. Von großer Bedeutung ist Schelers Wirken für die Entwicklung der philosophischen Anthropologie und der Wertphilosophie. Das Werk Der Formalismus in der Ethik und die materiale Wertethik (2 Teile, 1913/1916) wendet sich auf der Grundlage der Wesensschau und des Wertfühlens apriorischer Gehalte gegen einen Wertrelativismus. Scheler materiale Wertethik ist damit eine Variant der Wertphänomenologie. Scheler unterscheidet in der Ranfolge der Werte:
Ihnen entsprechen als Wertpersontypen:
Scheler vertrat eine Evidenztheorie der Wahrheit.
Friedrich Wilhelm Joseph von Schelling (1775 - 1854)F. W. J. Schelling studierte 1790-1795 in Tübingen gemeinsam mit Hegel und Hölderlin Philosophie und Theologie. Nach einer Zeit als Hauslehrer wurde Schelling 1798 außerordentlicher Professor in Jena. In Jena kam Schelling in den Kreis um F. Schlegel (die "Jenaer Frühromantik") und gewann entscheidenden Einfluß auf die Philosophie der Romantik. Schelling gab mit Hegel zusammen 1802-1803 das Kritische Journal der Philosophie heraus. 1803 wurde Schelling ordentlicher Professor in Würzburg. Ab 1820 unterrichtete Schelling in Erlangen und kehrte 1827 als Professor nach München zurück. 1841 erhielt er einen Ruf nach Berlin. Doch wurden seine Vorlesungen ein Mißerfolg. Er zog sich daher 1846 endgültig zurück. Schelling führte romantische Elemente in die nach-kantische Philosophie ein. Im Gegensatz zum subjektiven Bewußtsein bei Fichte, legte er größeren Wert auf das objektive Bewußtsein und bereitete so die Philosophie Hegels vor.
Ferdinand Canning Scott Schiller (1864 - 1937)Der englische Philosoph Ferdinand Canning Scott Schiller war Universitätslehrer in Oxford und Professor in Los Angeles. Schillers Theorie zufolge müssen alle menschlichen Tätigkeiten, intellektuelle wie praktische, von den menschlichen Zwecken her verstanden werden. Begriffssysteme, logische Schlußformen, wissenschaftliche Methoden sind nur gerechtfertigt, wenn sie dem Menschen helfen, seine Ziele zu verwirklichen. Schillers Position, die er selber Humanismus oder Voluntarismus nennt, ist eng verwandt mit dem Pragmatismus von W. James.
Friedrich Schiller (1759 - 1805)Der deutsche Dichter und Philosoph Friedrich Schiller übernimmt Kants Freiheitsbegriff als Autonomie. Er wendet sich aber gegen dessen einseitige Bindung der Freiheit an die Vernunft und gegen die Aufspaltung des Menschen in Vernunft und Sinnlichkeit. Nach Schiller lassen sich Vernunft und Sinnlichkeit, Geist und Natur, Pflicht und Neigung durch die Schönheit als Freiheit in der Erscheinung, d. h. vor allem durch die Kunst vermitteln oder versöhnen. Die Kunst dient der der sittlichen und politischen Erziehung des Menschen. Schillers Ästhetik hat stark auf die philosophische Romantik und den deutschen Idealismus gewirkt.
August Wilhelm von Schlegel (1767 - 1845)Der deutsche Philosoph August Wilhelm von Schlegel, Sohn eines Generalsuperintendenten, studierte mit seinem Bruder Friedrich Schlegel in Göttingen Theologie und Philosophie. Er kam nach einem vierjährigen Aufenthalt als Hauslehrer in Amsterdam nach Jena, wo er 1798 Philosophieprofessor wurde. 1798 - 1800 gab er zusammen mit Friedrich Schlegel die Zeitschrift Athenaeum, die programmatische Zeitschrift der deutschen Romantik, heraus. Er wirkte auch an Schillers Horen und Musenalmanach mit. 1801 ging er nach Berlin, wo er eine Reihe von Vorlesungen hielt, die die Geschichte der klassischen und der romantischen Literatur behandelten. 1804 verließ er Berlin in der Gesellschaft Madame de Staëls und verbrachte die nächsten 14 Jahre auf deren Landsitz zu Coppet oder auf Reisen. Nach Madame de Staëls Tod folgte er 1818 einem Ruf auf den Lehrstuhl für Literatur und Kunstgeschichte in Bonn. August Wilhelm Schlegel spielte eine große Rolle bei der Begründung der Romanistik und der indischen Philologie in Deutschland. Er übersetzte zahlreiche Werke der englischen, italienischen, spanischen und portugiesischen Literatur.
Karl Wilhelm Friedrich von Schlegel (1772 - 1829)Der deutsche Dichter, Philosoph und Sprachforscher Friedrich Schlegel (ab 1815 von Schlegel), Sohn eines Generalsuperintendenten, verbrachte lange Jahre einer schwermütigen Jugend bei Verwandten. 1788 gab ihn sein Vater in eine Lehre bei einem Leipziger Bankhaus. Obwohl er die Gymnasialausbildung nicht abgeschlossen hatte, gelang es ihm, 1790 zusammen mit seinem Bruder August Wilhelm Schlegel in Göttingen ein Studium zu beginnen (Jura, Philologie, Geschichte, Philosophie). 1791 - 1793 setzte Friedrich Schlegel sein Studium in Leipzig ohne den Bruder fort. 1794 zog er aus Geldnot zu seiner Schwester Charlotte nach Dresden. Im Sommer 1796 folgte er seinem Bruder nach Jena und gab mit ihm 1798 - 1800 die Zeitschrift Athenaeum, die programmatische Zeitschrift der deutschen Romantik, heraus. 1800 habilitierte er sich; er konnte aber in Jena seine akademischen Pläne nicht verwirklichen und zog über Berlin, Dresden und Leipzig nach Paris. In Paris las er über deutsche Literatur und Philosophie. Er nahm auch Sanskritstudien auf. Zunächst sehr kritisch gegenüber den kirchlichen Autoritäten und Institutionen eingestellt, trat Friedrich Schlegel 1808 zum Katholizismus über. 1809 erhielt er eine feste Stelle als Hofsekretär in Wien, gleichzeitig war er Herausgeber einer Armeezeitung im Stab des Erzherzogs Karl. 1814 nahm er am Wiener Kongreß diplomatisch und publizistisch teil. Von 1815 bis 1818 arbeitete er als Österreichischer Legationsrat am Frankfurter Bundestag mit. 1819 begleitete er als Kunstsachverständiger den Kaiser und Metternich auf einer Italienreise. Nach der Abberufung aus den österreichischen Diensten arbeitete Friedrich Schlegel in Wien an der Gesamtausgabe seiner Werke.
Matthias Jakob Schleiden (1804 - 1881)Matthias Jakob Schleiden, geboren in Hamburg, war ab 1839 Professor in Jena. ab 1863 war er in Dorpat und ab 1864 in Dresden. Schleiden starb in Wiesbaden und ist Anhänger von Fries. Schleiden unterscheidet scharf zwischen der Natur, ihrer Gesetzlichkeit und der freien Geisteswelt. 1839 entdeckte er mit Schwann die organische Zelle als die Einheit, aus deren Vervielfältigigung und Differenzierung alle Organismen entstehen.
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768 - 1834)Der deutsche Theologe und Philosoph Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, in Herrnhuter Frömmigkeit erzogem, war ab 1796 Pfarrer in Berlin. Dort gehörte er dem Kreis der Romantiker um F. Schlegel an und war ein prominenter Gegner von Fichte und Hegel. 1804 wurde er außerordentlicher Professor in Halle und 1810 ordentlicher Professor für Theologie in Berlin. Schleiermacher ist von der Romantik geprägt, auf welche er seinerseits Einfluß ausübte. Im Zentrum steht für ihn die Individualität, der einzelne Mensch in seiner Besonderheit. Ausdruck dieser Einzigartigkeit sind die menschlichen Werke. Gleichzeitig behauptet Schleiermacher jedoch, daß sich die individuelle Besonderheit nur entfalten läßt, wenn der Mensch als Person an einer Gemeinschaft teilhat. Jedem Individuum kommt eigentümliche Bedeutung zu, so daß jedes Individuum berufen ist, sein eigentümliches Urbild zu verwirklichen. In der Verwirklichung der in ihr ideell angelegten Individualität besteht die Freiheit der Persönlichkeit. Entscheidend sei, daß die Individuen sich zum Ausdruck bringen, d. h. sich andern offenbaren oder mitteilen. Diese Gedanken stehen hinter Schleiermacher Umgestaltung der Hermeneutik. Da die menschlichen Hervorbringungen Ausdruck von etwas sind, lassen sie sich auch verstehen. Schleiermacher entwickelt die Idee einer Hermeneutik als allgemeine Lehre des Verstehens sprachlicher Ausdrücke. Da jedes Zeugnis sowohl individuelle Leistung ist als auch einem allgemeinen Sprachsystem angehört, ergeben sich für Schleiermacher zwei Weisen der Auslegung:
Außerdem unterscheidet Schleiermacher zwei hermeneutische Verfahren:
Das gegenseitige Sich-Ausdrücken der Individuen vollzieht sich im Gespräch (Dialog). Idealiter geht es nach Schleiermacher beim Gespräch darum, sich gemeinsam der Wahrheit anzunähern. Nach Schleiermacher müssen Logik und Metaphysik zur Dialektik vereinigt werden. Die Dialektik befaßt sich mit den Prinzipien der Gesprächsführung in bezug auf dieses gemeinsame Streben nach Wahrheit. Sie hat es mit der gemeinsamen Wahrheit als dem transzendenten Grund des Gesprächs zu tun. Die Ethik gliedert Schleiermacher in Güterlehre, Tugendlehre und Pflichtenlehre. Das allgemeinste Pflichtgesetz lautet nach Schleiermacher: handle in jedem Augenblick mit der ganzen sittlichen Kraft und die ganze sittliche Aufgabe anstrebend. Die Religion betrachtet Schleiermacher gegenüber Philosophie und Moral als einen selbständigen Bereich. Sie beruht auf dem Gefühl absoluter "schlechthinniger Abhängigkeit" von Gott. In der Gottidee wird die absolute Einheit des Idealen und Realen mit Ausschluß aller Gegensätze gedacht, in dem Begriff der Welt aber die relative Einheit des Idealen und Realen unter der Form des Gegensatzes. Gott ist daher weder als identisch mit der Welt, noch als von der Welt getrennt zu denken. Schleiermacher hebt auch hervor, daß die Religion als eine fundamentale menschliche Lebensäußerung zu verstehen sei: Je stärker das Selbstbewußtsein sich entwickelt, desto tiefer wird das religiöse Gottesbewußtsein.
Moritz Schlick (1862 - 1936)Der Philosoph und Physiker Moritz Schlick studierte Physik u. a. in Berlin (bei Max Planck), wo er 1904 promovierte. 1911 habilitierte er sich in Rostock mit einer Abhandlung über den Wahrheitsbegriff in der Logik. Schlick war Professor in Rostock (1917 - 1921), Kiel (1921 - 1922) und Wien (seit 1922) und außerdem zweimal als Gastprofessor in den USA (1929 und 1931-1932). Schlick ist einer der bekanntesten Vertreter des logischen Positivismus und des empirischen Realismus. Schlick war seit Anfang seiner philosophischen Laufbahn von Mach, Helmholtz und Poincaré beeinflußt. Später übten Carnap und ab ca. 1922 Wittgenstein entscheidenden Einfluß auf sein Denken aus. Von seinem Wiener Lehrstuhl aus, vollzog sich die Bildung des Wiener Kreises. In seinem Buch Allgemeine Erkenntnistheorie antizipierte Schlick die Lehre von der analytischen Natur der Logik und der Mathematik sowie das Prinzip der Verifizierbarkeit. Ausgehend von der These, nach der Philosophie nur eine Analyse der Sprache sein kann, in welcher Ergebnisse des sinnlich Gegebenen ausgedrückt werden, worunter Schlick das sinnliche Erleben des einzelnen Menschen versteht, entwickelte er die Idee, daß in der Sprache nur Struktrubeziehungen der Erfahrung fixiert. Nach Schlick ist die einzige Grundlage der Ethik das, was Menschen faktisch in ihren verschiedenen Handlungen erstreben. Schlick vertritt die Auffassung, daß das fundamentale moralische Ziel die Schaffung größtmöglichen menschlichen Glücks sei. 1936 wurde Schlick auf dem Weg zu einer Vorlesung von Nelböck niedergeschossen und starb kurz darauf.
Alfred Schmidt (geb. 1931)Der deutsche Philosoph Alfred Schmidt studierte Geschichte, Philosophie und Soziologie in Frankfurt a. M. Er wurde dort Professor für Sozialphilosophie. Als Schüler von Horkheimer und Adorno ist Alfred Schmidt stark von der Kritischen Theorie beeinflußt. Der Materialismus von Marx enthält - so Schmidt - nicht notwendigerweise die Behauptung, daß in der Wirklichkeit alles auf unabwendbaren Naturvorgängen beruhe. Der Marxismus kann auch als Utopie verstanden werden, daß der Mensch sich von dem Naturzwang befreien kann, der die Gesellschaft bestimmt.
Max Stirner (1806 - 1856)Der deutsche Theologe und Philosoph Max Stirner (eigentlich: Johann Caspar Schmidt) studierte 1826 - 1828 in Berlin, u. a. bei Marheineke, Hegel und Schleiermacher. Danach studierte er in Erlangen und Königsberg. Max Stirner lebte als Lehrer und Journalist in Berlin. Er ist vom Linkshegelianismus beeinflußt, besonders von Feuerbach und B. Bauer. Max Stirner wirft diesen jedoch vor, die Konsequenzen, die aus dem Bruch mit dem hegelianischen spekulativen Idealismus folgten, seien nicht radikal genug gezogen worden. In seinem Werk Der Einzige und sein Eigentum (1845) betrachtet Max Stirner die Philosophie im Lichte einer von Hegel geprägten Geschichtskonstruktion, führt sie aber zu einem anderen Ergebnis. Die Antike identifizierte die Welt - so Stirner - mit der wahrnehmbaren, natürlichen Welt der Dinge und sah im Geist nur ein Mittel, um die Dinge zu beherrschen. Mit dem Christentum entstand zwischen Welt und Geist eine scharfe Trennung. Dabei galt allein der Geist als Wahrheit und die Welt als ein Nichts. Diese Aufspaltung der Wirklichkeit prägt auch das neuere Denken. Nach Stirner ist das einzig Existierende das individuelle Ich, das alles zu seinem Eigentum machen will. Daraus folgt für die Ethik, daß jedes Ich nur um seiner selbst willen handelt. Es herrscht der Egoismus, der Kampf aller gegen alle. Weder Gesetz, Staat oder sonstige Institutionen noch die Liebe zu anderen können das Ich binden. Die erkenntnistheoretische Konsequenz dieser Auffassung ist, daß Allgemeinbegriffe bloße Sammelbezeichnungen sind und das Ich sich keiner Wahrheit zu verpflichten braucht. Stirner hat den theoretischen Anarchismus maßgeblich beeinflußt.
Zygmunt Schmierer (gest. 1943)Zygmunt Schmierer ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.
Arthur Schopenhauer (1788 - 1860)Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer wurde in Danzig als Sohn einer Schriftstellerin und eines Großkaufmanns geboren. Der Vater, der ein Studium für Zeitvergeudung hielt, schickte Schopenhauer in eine Kaufmannslehre. Nach dem Tod des Vaters brach Schopenhauer diese Ausbildung ab und zog mit der Mutter nach Weimar. In ihrem literarischen Salon begegnete er u. a. Goethe, Wieland, A. W. Schlegel und F. Schlegel. Schopenhauer studierte von 1809 bis 1811 in Göttingen; und hörte dort u. a. Metaphysik und Psychologie bei G. E. Schultze. Von 1811 bis 1813 studierte er in Berlin u. a. bei Fichte und Schleiermacher. Seine Dissertation von 1813 war eine Abhandlung Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde. 1816 erschien die an Goethes Farbenlehre orientierte Schrift Über das Sehn und die Farben und 1819 Die Welt als Wille und Vorstellung. 1820 habilitierte sich Schopenhauer in Berlin und hielt ein Semester lang Vorlesungen als Privatdozent, jedoch ohne große Resonanz. Um Hegel zu provozieren, setzte er seine Vorlesungen zur selben Zeit an wie dieser. Von 1833 bis zu seinem Tod lebte Schopenhauer als Privatgelehrter in Frankfurt am Main. Durch das väterliche Erbe war er zeitlebens ökonomisch unabhängig.
Ernst Schröder (1841 - 1902)Der Mathematiker und Logiker Ernst Schröder systematisierte die Resultate der Booleschen Algebra. Im Unterschied zu Boole, der seinen Kalkül maßgeblich auf der Identität von Klassen aufbaute, geht Schröder von der Inklusion der Klassen aus. Schröder entwickelte außerdem die Relationenalgebra, er führte den Begriff der Normalform ein und entdeckte das Dualitätsprinzip in der Klassenlogik. Außerdem löste Schröder einige Spezialfälle des Entscheidungsproblems durch Elimination der Quantoren.
Richard von Schubert-Soldern (1852 - 1935)Richard von Schubert-Soldern, geboren in Prag, war außerordentlicher Professor in Leipzig und dann Gymnasialprofessor in Görz. Er ist ein Vertreter der Immanenzphilosophie. Er formuliert sie als erkenntnistheoretischen Solipsismus. Der Solipsismus ist theoretisch unwiderlegbar, da auch jedes fremdes Ich nur als mein Bewußtseinsinhalt gegeben ist. Das Ich ist der Zusammenhang aller Bewußtseinsinhalte, aus dessen Gesamtzusammhang wir nicht heraus können. Die Objekte sind Teile des vorstellenden Ichs. Das Ding besteht nicht außerhalb aller Denkbeziehungen, sondern nur aus Wahrnehmungs- und Vorstellungsbeziehungen, die in einem empirischen Subjekt zur Einheit verbunden sind. Nach Schubert-Soldern beruht die Evidenz der mathematischen Axiome auf der Undenkbarkeit des Gegenteils. Das Allgemeine kann nicht nur durch Induktion gefunden werden. Die formelle Logik ist eine Logik der Sprachformen. Altruistisches Verhalten ist sittlich.
Wilhelm Schuppe (1836 - 1913)Der Philosoph Wilhelm Schuppe ist Haupt der Immanenzschule sowie Anhänger der erkenntnistheoretischen Logik. In seinem Buch Erkenntnistheoretische Logik (1878) begründete Schuppe die Einheit von Logik und Erkenntnistheorie damit, daß beide sich mit der Bestimmung von wahr und falsch befassen. Schuppe fordert, die reinen Gedankenelemente von der sprachlichen Einkleidung zu unterscheiden. Das Denken muß in seiner Arbeit belauscht werden. Die Logik lehrt keine subjektive Verfahrungsweise des bloßen Denkens (ohne Objekte), sondern gibt inhaltliche Erkenntnisse allgemeinster Art vom Seienden überhaupt und seinen obersten Arten. Die Logik ist die Wissenschaft von dem objektiv gültigen Denken. Begriff und Schluß sind nach Schuppe Gesamtheiten von Urteilen. Schuppe verhielt sich skeptisch zur Induktion. Er erkannte ihr keinen selbständigen Wert als Form des Schließens zu. Die Induktion ist formal ein Syllogismus mit disjunktivem Obersatz. Dabei wird der Begriff der Kausalität oder des Zusammengehörens vorausgesetzt. Er sieht den Grund der Evidenz der mathematischen Axiome in deren Anschaulichkeit. Schuppe schloß das Sein in das Bewußsein als etwas dem Bewußsein innerlich Eigenes ein.
Hermann Schwarz (geb. 1864)Hermann Schwarz wirkte in Greifswald. Er vertritt einen kritischen Realismus und ist teilweise von Uphues beeinflußt. Dinge können so sein, wie wir sie erkennen. Die Seele ist immateriell und steht mit dem Leib in Wechselwirkung. Nach Schwarz ist die Logik "die Lehre von den Bedingungen, unter denen wir unsere Denkinhalte für wahr oder falsch halten, sowie von den Mitteln, zu wahren Denkinhalten zu gelangen". Die Ethik von Schwarz beruht auf der Psychologie des Willens. Dabei unterscheidet Schweiz das Begehren und den eigentlichen Willen. Dem voluntaristischen Apriorismus von Schwarz gemäß walten im Willensgebiet nicht die apriorischen Regeln der Vernunft, sondern eigene apriorische Normen, die Normen des analytischen und synthetischen Vorziehens. Das Vorziehen (Lieberwollen, Wählen) ist ein Urphänomen mit eigener Gesetzlichkeit. Analytisch ist das Vorziehen, wenn es sich nach dem Verhältnis von solchem Bessern und Schlechtem richtet, das schon vorher anderweitig geprägt ist. Synthetisch ist dasjenige Vorziehen, das erst durch einen eigenen Akt anzeigt, wo in einem gegebenen Falle das Bessere liegt. Gefallen und Mißfallen sind von den Lust- und Unlustgefühlen verschiedene, ursprüngliche Willensregungen, welche Unterschiede der Sättigung zulassen. Gefallen ist die Reaktion der wollenden Seele, wenn die Gegenstände, von denen sie bewegt wird, genossen, besessen bzw. verwirklicht sind. Nach dem Zentrierungsgesetz wirken alle Regungen des ungesättigten Gefallens und des Mißfallens zentrierend auf das Vorstellen. Sie haben die Tendenz Vorstellungen um sich zu scharen, durch deren Inhalt das Gefallen mehr und mehr gesättigt wird. Gewissen und Pflichttrieb sind im Menschen ursprünglich angelegt, entwickeln sich aber psychologisch. Die sittlichen Gefühle sind Sympathie mit selbstlosen und Antipathie gegen egoistische Handlungen.
John Rogers Searle (geb. 1932)Der amerikanische Philosoph John R. Searle studierte in Oxford bei Austin und Strawson. Searle arbeitet vor allem zur Sprachphilosophie und zur Philosophie des Geistes. Er arbeitete außerdem über Ethik, zur Handlungstheorie, Epistemologie und zur Philosophiegeschichte. Er ist neben J. L. Austin der bedeutendste Sprechakttheoretiker. Searle baut Austins Sprechakttheorie zu einer allgemeinen Sinntheorie aus, entfernt sich dabei aber dabei von einer empirischen Erfüllbarkeit der Theorie und nährt sich einer normativen Sprechakttheorie. Daran ändert auch nicht, daß er seine Regeln als konstitutiv und nicht als regulativ betrachtet. Searles verbindet Austins Grundbegriffe mit der Beschreibung des Sprachgebrauchs als einer Regeln unterworfenen Praxis, mit einer Kritik an der Analyse des Begriffs der Kommunikationsabsicht von Grice sowie mit der Bestimmung sprachlichen Verstehens (sprachlicher Kompetenz) als einer unbewußten Kenntnis eines komplizierten Systems rekursiver Regeln und Transformationsregeln. Seine Hauptthese ist, daß der Gebrauch der Sprache regelgeleitetgeleitet ist und daß das Studium der Semantik einer Sprache identisch mit der Untersuchung der verschiedenen Typen von Sprechakten ist. Searle untermauert diese These durch detaillierte Darstellungen von Regeln, die besonderen Sprechakten - Versprechen, Referenz und Prädikation - zugrunde liegen.
Wilfrid Sellars (1912 - 1989)Der amerikanische Philosoph Wilfrid Sellars entwickelte eine funktionalistische Beschreibung menschlichen Verhaltens.
Lucius Annaeus Seneca (4 v. u. Z. - 65 u. Z.)Der römische Staatsmann, Schriftsteller und Philosoph Lucius Annaeus Seneca d. J. war ein Stoiker. Allerdings hielt er seine Philosophie auch für nicht-stoische Einflüsse offen (Pythagoras, Epikur, Kynismus). Seneca ist der Lehrer und Erzieher Neros. Er war 54 bis 62 in hohen politischen Ämtern. Er mußte sich auf Neros Befehl das Leben nehmen. Senecas Werk umfaßt neun Tragödien und eine Vielzahl moralphilosophier Abhandlungen und Essays. Seneca trug wesentlich zur Ausbildung stärker religiöser Akzente im Stoizismus bei (Betonung der Gottesidee, der Gottesverwandtschaft des menschlichen Geistes und der Weltvernunft, Vorsehungsglaube, Schicksalsidee). Zu den Grundzügen seiner Ethik gehört die Frage der Todesbereitschaft, die Forderung nach Menschenfreundlichkeit, sozialem Verständnis und menschlicher Vervollkommnung und das Lob der Armut und Bedürfnislosigkeit. Der Zorn gilt in Senecas Moralpsychologie als einer der Affekte, welche die Gemütsruhe stören. Zorn ist die Lust, eine erlittene Kränkung zu rächen. Doch wenn man von der Annahme ausgeht, daß ein Unrecht geschehen ist, ist man bereits nachdenklich geworden. Genau deshalb kann der Zorn auch beherrscht werden: indem man sich nicht kränken läßt. Handelte es sich beim Zorn um ein unabhängiges Gefühl, wäre er nicht zu zügeln. Aber der Mensch ist ein Vernunftwesen und nicht wie ein Tier der Gewalt seiner Instinkte und Impulse unterworfen. Daher besteht seine moralische Aufgabe in der Verwirklichung der menschlichen Natur und der Beherrschung seiner Affekte.
Louis-Anastasia Serment (1642 - 1692)Die Philosophin Louise-Anastasia Serment wurde in Grenoble geboren. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte sie in Paris, wo sie auch verstarb. Sie hatte ein leidenschaftliches Interesse an den zeitgenössischen Ideen der Naturphilosophie, vor allem an René Descartes. Sie wird daher wie auch Marie Dupré, Anne de Lavigne und Elisabeth von der Pfalz zu den Cartesienne gerechnet. Die Philosophin verfaßte auch eigene lateinische und französische Poesie, die zum Teil von Guyonnet de Vertron veröffentlicht wurde
Iwan Michailowitsch Setschenow (1829 - 1905)Der russische Philosoph und Physiologe Iwan Michailowitsch Setschenow ist Begründer der russischen Physiologenschule. Die Erkenntnisporzesse definierte er als Reflexe, die unter der Einwirkung äußerer und innerer Reize auf die Sinnesorgane des Menschen entstehen. Als Urteil bezeichnete er die Gegenüberstellung denkbarer Objekte, die in irgendeiner Beziehung zueinander stehen.
Heinrich Seuse (1300 - 1365)Der Dominikanermönch und Wanderprediger Heinrich Seuse ist ein von Eckhart beeinflußter Mystiker. Gott ist das alle Dinge wirkende, ewige, unveränderliche Wesen, das in allen Dingen und zugleich außer ihnen ist. Gott ist dreifaltig. Aus Gottes Sprechen und Gebären entspringen alle Dinge. Das Höchste ist die Vereinigung der Seele mit der Gottheit, in der sie ruht und selig ist.
Sextus Empiricus (Ende des 2. Jh.)Der griechische Arzt und Philosoph lebte in Alexandreia und Athen. Er ist Vertreter der empirischen Ärzteschule und der skeptischen Philosophie. Sextus Empiricus bestritt die Möglichkeit des Wissens, die Beweisbarkeit der Existenz Gottes und der Seele. Er bekämpfte den medizinischen und philosophischen Dogmatismus. Während seine medizinischen Schriften nicht erhalten sind, wird seinen philosophischen Werken Grundzügen der Lehren Pyrrhons und den Skeptischen Schriften (Skeptiker) mit den Hauptteilen Gegen die Mathematiker und Gegen die Dogmatiker die Kenntnis des antiker Skeptizismus im wesentlichen verdankt. Nach Sextus Empiricus beruhen alle Wissenschaften auf anfechtbaren Schlußfolgerungsregeln und ebenso anfechtbaren Prämissen. Jede Einsicht stammt von den Sinnen, die uns keine objektive Erkenntnis der Wirklichkeit vermitteln können, sondern uns nur über unsere privaten Erlebnisse unterrichten. Diese Behauptungen werden durch verschiedene Argumente untermauert, die davon handeln, daß wir keinen Anlaß haben, unseren Wahrnehmungen zu trauen. Die Dinge werden von verschiedenen Menschen unterschiedlich aufgefaßt. Deren Meinungen können nicht alle wahr sein, da einige von ihnen miteinander unvereinbar sind. Wir bedürfen deshalb eines Wahrheitskriteriums, um entscheiden zu können, welche Auffassungen oder Sinneseindrücke wir als wahr akzeptieren können. Da es aber verschiedene Wahrheitskriterien gibt, müssen wir wählen und unsere Wahl begründen, wenn es eine vernünftige und keine willkürliche Wahl sein soll. Diese Begründung führt entweder zu einem unendlichen Regreß oder zu einem logischen Zirkel, so daß wir letztlich kein Kriterium erhalten. Wir müssen daher auf wahre Erkenntnis der Wirklichkeit verzichten. Wenn wir das tun, erlangen wir Gelassenheit. Wenn wir uns des Urteils enthalten, werden wir glücklich.
Anthony Ashley-Cooper of Shaftesbury (1671 - 1713)Der englische Schriftsteller und Philosoph Anthony Ashley-Cooper of Shaftesbury wurde u. a. von Locke unterrichtet. Er verteidigt er die Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung und behauptet, daß die Moral unabhängig von der Religion ist, weil die Menschen von Natur aus moralisch sind. Shaftesbury kritisiert die Rolle des Egoismus bei Hobbes und hält dagegen, der Mensch besitze ein natürliches, soziales Gefühl, das unser Zusammenleben ermögliche. Wir finden das Glück, so Shaftesbury, indem wir nach gemeinsamen Zielen streben. Die soziale Harmonie ist ein Reflex der individuellen Harmonie. Shaftesbury war maßgeblich an der Ausarbeitung der Theorie des moral sense beteiligt und ist daher dem Empirismus zuzurechnen.
Iwan Iwanowitsch Shegalkin (1869 - 1947)Der Logiker und Mathematiker war Professor an der Moskauer Universität und einer der Begründer der russischen Schule der mathematischen Logik. Gemeinsam mit Nowikow und Janowskaja leitete er in den 30er Jahren und 40er Jahren das Seminar für mathematische Logik an der Moskauer Universität. Ausgehend von der Analogie von binärer Arithmetik und Logik konstruierte Shegalkin ein System eines logischen Kalküls, in welchem die Wahrheitswerte wahr und falsch ausgedrü:ckt werden. Er konnte so die Technik der Umformung von Ausdrücken bei der Lösung einiger logischer Aufgaben vereinfachen.
Percy Bysshe Shelley (1792 - 1822)Percy Bysshe Shelley ist ein Philosoph der Romantik. Er verließ wie Byron England, um nach Italien zu gehen.
William Shyreswood (1190 - 1249)Der französische Philosoph und Logiker William Shyreswood ist Lehrer des Petrus Hispanus und gilt wie dieser als Vertreter des Averoismus. Er schrieb ein Handbuch der Logik, das erst im 19. Jahrhundert aufgefunden und 1937 veröffentlicht wurde. Er unterteilte die Urteile in einfache und zusammengesetzte und die zusammengesetzten wieder in kopulative, disjunktive und implikative. Shyreswood untersuchte auch die Wechselbeziehung zwischen den Quantoren und widmete seine besodnere Aufmerksamkeit den Problemen der modalen Logik. Er sprach von sechs Wahrheisbedeutungen (wahr, falsch, möglich, unmöglich, zufällig und notwendig). Bekannt ist auch seine Beschäftigung mit der Ausarbeitung von graphischen Darstellungen für Relationen zwischen logischen Klassen.
Henry Sidgwick (1838 - 1900)Der englische Philosoph Henry Sidgwick war aber 1883 Professor in Cambridge. In seinem Hauptwerk The Methods of Ethics (1874) untersucht er den ethischen Intuitionismus, den Utilitarismus und den egoistischen Hedonismus. Er versucht, eine Synthese zwischen ethischem Intuitionismus und Utilitarismus herzustellen und nennt sich selbst einen Utilitarier auf intuitionaler Basis. Er akzeptiert einerseits, daß jeder Mensch seine eigene Glückseligkeit sucht und anderseits das intuitiv erkannte ethische Axiom, daß jeder die allgemeine Glückseligkeit fördern sollte. Die eigentliche ethische Aufgabe erblickte Sidgwick in der Überwindung des so gut wie unüberbrückaren Gegensatzes zwischen Altruismus und Egoismus. Am Utilitarismus von Bentham und Mill nimmt Sidgwick einige Veränderungen vor. Er hält vom Standpunkt einer empirischen Psychologie aus die Freude nicht für das einzige Ziel menschlichen Strebens und sieht auch einige Schwierigkeiten, mit denen der hedonistische Kalkül beim empirischen Vergleich von Freude und Leid verbunden ist. Darüber hinaus bemerkt er, daß zur moralischen Verpflichtung nicht nur das Wohlergehen aller Betroffenen, sondern auch eine gerechte Verteilung gehört.
Emmanuel Joseph Sieyès (1748 - 1836)Emmanuel Joseph Sieyès war Abbé. Bei ihm findet sich eine Begründung der Menschenrechte und des Staatsrechts.
Siger von Brabant (gest. ca. 1282)Siger von Brabant lehrte in Paris. Er vertritt die Grundsätze des Averroismus, weswegen er 1277 angeklagt wurde. Siger von Brabant vertritt die Theorie der doppelten Wahrheit. Nach Siger von Brabant sind die bewegte Materie und die Intelligenzen ewig. Der Wille ist determiniert. Er vertritt außerdem die These von der Identität der vernünftigen Seele in allen Menschen (Monopsychismus).
Christoph Sigwart (1830 - 1904)Der Logiker und Philosoph Christoph Sigwart vertrat die psychologische Richtung der Logik. Als Gegenstand der Logik betrachtete Sigwart die Untersuchung der Technik des Denkens, die, wie er sagt, Hinweise gibt, wie man zu unbestreitbaren und allgemeingültigen Thesen kommt. Sigwart beschreibt die Logik als eine Kunstlehre des Denkens, die die Kriterien des wahren Denkens untersucht. Als Neukantianer definierte er das Denken als rein innere Lebendigkeit des Vorstellungsaktes, die eben deshalb eine spontane aus der Kraft des Subjektes selbst sich ergebende Tätigkeit ist. Die Menschen sind nach Sigwart für immer der Möglichkeit beraubt, die Erkenntnis mit den Dingen zu vergleichen, wie sie unabhängig von ihrer Erkenntnis existieren. Die Befolgung der Regeln der Logik garantiert nicht unbedingt materiale Wahrheit, sondern nur formale Korrektheit. Deshalb bezeichnete Sigwart die technische Lehre vom Denken als formale Logik. Sigwart begründete seine formale Logik auf den formal-logischen Gesetzen der traditionellen Logik. Sigwart bestimmt die Axiome als Sätze, deren Wahrheit und Gewißheit unmittelbar einleuchtet und deren Gegenteil nicht gedacht werden kann. Das Prinzip der Identität drückt nach Sigwart eine notwendige Voraussetzung jeden Denkens und jedes Urteilsaktes aus. Denken ist nur möglich, wenn die einzelnen Vorstellungsobjekte festgehalten, reproduziert und erneut als dieselben erkannt werden können. Der Satz vom Widerspruch betrifft nach Sigwart, die Beziehung eines bejahenden Urteils zu seiner Verneinung und drückt Wesen und Bedeutung der Verneinung aus. Das Wesen dieses Gesetzes formuliert Sigwart wie folgt: Beide Urteile A ist B und A ist nicht B können nicht zu ein und derselben Zeit wahr sein. Der Satz vom Widerspruch wird bei ihm durch das Gesetz der doppelten Verneinung ergänzt, nach dem die Negation der Negation Bejahung ergibt. Aus dem Satz vom Widerspruch und dem Gesetz der doppelten Verneinung leitet Sigwart den Satz vom ausgeschlossenen Dritten ab. Er viertes Gesetz bezeichnet Sigwart als Satz des Grundes. Nach Sigwart ist die Induktion eine Umkehrung des Syllogismus. Die Ethik von Sigwart wird dem Eudämonismus zugerechnet.
Georg Simmel (1858 - 1918)Georg Simmel verbindet die psychologisch-genetische, evolutionistische mit einer idealistischen, an Kant und Hegel orientierten, Auffassung. Das a priori hat bei Simmel eine psychologische Bedeutung. Er deutet Kants transzendentale Prinzipien als psychologische Gesetzmäßigkeiten, die nur für das menschliche Bewußtseinsleben Gültigkeit haben. Die Kategorien stammen aus der dem Geiste eigenen Fähigkeit zu vereinheitlichen. Sie können als historische Gebilde die Totalität der Weltinhalte nie völlig adäquat aufnehmen. Die ideellen Inhalte sind nicht, sie gelten. Sie sind nicht mit den psychologischen Vorgängen zu verwechseln. Die Wahrheit hat auch eine evolutionistische Seite. Durch Selektion haben sich Vorstellungen als wahr erhalten, die sich als Motive des zweckmäßigen, lebenfördernden Handelns erwiesen haben. Die Soziologie ist die Wissenschaft vom Gesellschaftlichen als solchen, von den Formen der Vergesellschaftung, von den Beziehungsformen der Menschen zueinander. Die Soziologie ist keine Universalwissenschaft vom Menschen, sondern eine besondere Methode. Sie abstrahiert vom Inhalt des Gesellschaftlichen.
Gertrud Simmel (1864 - 1938)Gertrud Simmel wurde 1864 geboren, katholisch getauft und protestantisch erzogen. Ihre philosophischen Arbeiten erschienen unter dem Pseudonym Marie Luise Enckendorff. Die deutsche Philosophin genoß eine Ausbildung zur Lehrerin und verbrachte außerdem einige Zeit mit ihrer Freundin Sabine Graef als Zeichenstudentin in Paris. 1890 heiratete sie Georg Simmel. Ein Jahr später wurde der Sohn Hans geboren. Sie hörte die Vorlesungen ihres Mannes und las seine Schriften. Interessiert verfolgte sie die aktuelle philosophische Diskussion und war unter anderem von Spenglers Untergang des Abendlandes sehr beeindruckt. 1906 veröffentlichte sie ihr erstes Buch Vom Sein und Haben der Seele. 1910 beschäftigte sie sich in dem Abhandlung Realität und Gesetzlichkeit im Geschlechtsleben mit dem Verhältnis von Mann und Frau in der Ehe. Die Zeit des Ersten Weltkrieges verbrachte das Ehepaar Simmel in Strßburg, wo Georg Simmel eine Professur erhalten hatte. 1918 starb Georg Simmel und Gertrud Simmel mußte kurze Zeit später aus Strßburg flüchten. Nach Aufenthalten in Heidelberg und Berlin kam sie mit ihrem Sohn nach Jena. 1919 veröffentlichte sie das Buch Über das Religiöse und 1927 das Werk Kindschaft zur Welt. Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, lebte die Familie in Gera. Gertrud Simmel war von Anfang an gegen die Nazis eingestellt. Da ihre Schwiegertochter Jüdin war, wurde Gertrud Simmel kurz inhaftiert. Die Simmels siedelten anschließend nach Stuttgart über. Immer Sommer 1938 starb Gertrud Simmel. Ihre Familie konnte sich, nach einer erneuten Inhaftierung von Hans in einem Konzentrationslager, über England in die USA retten.
Simplikios (5./6. Jh. u. Z.)Simplikios war Schüler der Neuplatoniker Ammonios Sakkas in Alexandria und Damaskios in Athen. Er wird der athenischen Schule des Neuplatonismus zugerechnet. Er versuchte deren widerstreitende Lehren zu versöhnen. Als die Akademie in Athen 529 von Justinian geschlossen wurde, wanderte Simplikios zusammen mit der übrigen Schule nach Persien aus. Er kehrte aber 533 wieder zurück. Simplikios ist vor allem wegen seiner Kommentare zu Schriften des Aristoteles bekannt (Über die Seele, Kategorien, Physik).
Albert Thoralf Skolem (1887 - 1963)Der norwegische Mathematiker und Logiker Albert Thoralf Skolem hat zu vielen Gebieten der mathematischen Grundlagen gearbeitet. So z. B. zur Prädikatenlogik, Klassenlogik, Rekursionstheorie, Mengenlehre und zu den Grundlagen der Arithmetik. Mittels der nach ihm benannten prädikatenlogischen Normalformen hat er für den Satz von Löwenheim, daß jeder erfüllbare Ausdruck des Prädikatenkalküls schon in einem höchstens abzählbaren Bereich erfüllbar ist, einen schönen Beweis gegeben. Daher heißt der Satz heute auch Satz von Löwenheim und Skolem.
Halina Sloniewska (1904 - 1982)Halina Sloniewska ist eine Vertreterin der Lwow-Warschau-Schule.
Jerzy Slupecki (1904 - 1987)Jerzy Slupecki ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule. Von ihm stammt u. a. die Ergänzung des dreiwertigen Lukasiewiczschen Systems L3 zu einem funktional vollständigen System L3S sowie dessen Axiomatisierung [1]. Dieses Ergebnis ist eine der zentralen Resultate der mehrwertigen Logik.
[1] Slupecki, J.: Der volle dreiwertige Aussagenkalkül, Comptes Rendus Séances Société des Sciences et Lettrres Varsovie, cl. III, 29 (1936), 9 - 11
Marcin SlmigleckiDer polnische Theologe, Philosoph und Logiker Marcin Smiglecki (lat.: Martinus Smiglesius) studierte ab 1585 in Rom und lebte dann 14 Jahre in Vilnius. Er war ein erbitterter Gegner der Arianer und vefaßte Schriften gegen Fausto Sozzini. Smiglecki schrieb ein Lehrbuch über Logik Logic selectis disputationisbus et quaetionibus illustrata (1618).
Adam Smith (1723 - 1790)Der schottische Philosoph, Logiker und Ökonom studierte in Glasgow (bei Hutcheson) und in Oxford. Smith wirkte von 1751 bis 1764 zunächst als Professor für Logik, dann als Professor für Moralphilosophie an der Universität Glasgow. Smith erweiterte in seiner Theory of Moral Sentiments (1759) die "moral sense"-Theorie von Hutcheson. Alle Handlungen entspringen nach Smith Gefühlen. Die die Moral ist die Fähigkeit des Menschen, sich an die Stelle des anderen zu setzen und zu beurteilen, wie er selbst als von den Handlungen Betroffener fühlen würde. Diese Fähigkeit nennt Smith Sympathie. Die Menschen beurteilen ihre eigenen und die Handlungen anderer danach, ob ein unparteiischer Betrachter die Gefühle billigen würde, denen sie entspringen. Von 1764 bis 1767 arbeitete er als Privatlehrer und zog sich dann in seine Geburtsstadt Kirkcaldy zurück. Dort vollendete er sein ökonomisches Hauptwerk The Wealth of Nations (1776). Von 1778 bis zu seinem Tod bekleidete er ein öffentliches Amt als Zollkommissar für Schottland.
Franciszek Smolka (1883 - 1947)Franciszek Smolka ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.
Jan Christiaan Smuts (1870 - 1950)Jan Christiaan Smuts systematisierte den von Haldane begründeten methodischen Holismus.
Boleslaw Sobocinski (1906 - 1980)Boleslaw Sobocinski gehörte sowohl zur Lwow-Warschau-Schule als auch zum Krakower Kreis.
Alfred Sohn-Rethel (1899 - 1990)Der deutsche Philosoph Alfred Sohn-Rethel kam in den 20er und 30er Jahren in Kontakt mit Adorno, Benjamin und Bloch. 1936 emigrierte Alfred Sohn-Bethel nach England. Später wurde er Professor in Bremen. In dem Buch Geistige und körperliche Arbeit (1970) versucht Sohn-Rethel den Ursprung der Kategorien auf eine sogenannte Realabstraktion zurückzuführen. Diese Abstraktion geschieht in und mit den Transaktionen des Marktes in einer Warengesellschaft. Da der Markt hierin den Platz einnimmt, den das Subjekt in der Philosophie Kants innehat, meint Alfred Sohn-Rethel, die Transzendentalphilosophie mit der These von Marx vereinen zu können, daß das Denken jederzeit den materiellen Lebensbedingungen der Menschen entspringt und mit diesen harmoniert.
Sokrates (ca. 470 - 399 v. u. Z.)Der griechische Philosoph Sokrates lebte in Athen. Unter der Anklage neue Götter eingeführt und die Jugend gefährdet zu haben, wurde Sokrates zum Tode verurteilt. Unsere Kenntnis seiner Philosophie verdanken wir den Dialogen von Platon und den Überlieferungen des Xenophon. Insbesondere aus Platons frühen Dialogen können wir einigermaßen glaubwürdige Informationen über Sokrates ableiten. Sokrates befaßte sich vorrangig mit der Erforschung des Menschen und der Möglichkeit seiner Selbsterkenntnis. Die Inschrift des Apollotempels in Delphi Erkenne Dich selbst diente dem Sokrates als Ausgangspunkt seiner Philosophie. Die Philosophie soll die Menschen vervollkommnen, und sie kann es, weil richtiges Handlung aus richtigem Wissen entspringt und die Tugend lehrbar ist. Der Naturphilosophie maß er keine Bedeutung bei, sondern nur der ethischen Erziehung seiner Mitbürger. Die Ethik des Sokrates wird dem Eudämonismus zugerechnet. Sokrates unterschied zwischen Wissen und Wissen überhaupt. Er meinte, man könne auf einem Gebiet weise sein ohne daß man über die Weisheit selbst etwas wisse. Der wahre Weise müsse den Begriff des Wissens besitzen. Voraussetzung, um zum richtigen Wissen zu gelangen, ist die Selbsterkenntnis, besonders das Wissen um das eigene Nichtwissen. Bekannt ist in diesem Zusammenhang sein Ausspruch Ich weiß, daß ich nichts weiß. Typisch für die Philosophie des Sokrates ist das Gespräch. Sokrates stellte sich unwissend und überführte durch Fragen den Wissenden der Unwissenheit. Dabei brachte er oft nicht nur den Befragten selbst, sondern auch die Zuhörer zum Lachen. Diesen Effekt nennt man auch die Ironie des Sokrates. Sokrates faßte wahrscheinlich bereits begriffliches Denken als Einheit des Vielen in der Form des Begriffs und entwickelte erstmals Prinzipien der logischen Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine. Die sokratische Methode der Wahrheitsfindung heißt Mäeutik (Hebammenkunst). Sokrates soll gesagt haben, er übe die Kunst seines Vaters eines Bildhauers aus, indem er den Menschen Form zu geben versucht, und er lasse sie wie seine Mutter, eine Hebamme, Erkenntnisse gebären.
Wladimir Sergiewitsch Solowjew (1853 - 1900)Wladimir Sergiewitsch Solowjew wurde 1875 Privatdozent in Moskau und war dann als Schriftsteller tätig. Solowjew ist ein Mystiker, nach welchem das Absolute dasjenige ist, was der Außenwelt und dem Denken zugrunde liegt.
Sophie Charlotte von Preußen (1668 - 1705)Sophie von Charlotte von Preußen wurde am 30. Oktober 1668 in Iburg, im Hochstift Osnabrück geboren. Sie war die Tochter des Prinzen Ernst August von Hannover (damals Fürstbischof von Osnabrück) und der Sophie von Hannover. 1684 wurde die Sechszehnjährige mit dem verwitweten Kurfürsten Friedrich von Brandenburg, später König Friedrich I. von Preußen, vermählt. Sophie Charlotte war bekannt als persönliche Vertraute und Gönnerin von Gottfried Wilhelm Leibniz, an den sie mehrere Briefe richtete. Außerdem korrespondierte sie auch mit anderen berühmten Freidenkern, wie Pierre Bayle und John Toland. Sie nutzte die Neigung ihres Mannes zum Luxus aus, um 1696 in der Nähe von Berlin, in Lützenburg (später ihr zum Andenken Charlottenburg), ein Schloß bauen zu lassen. Im Lützenburger Schloß fanden Gespräche mit Toland, Leibniz, Isaac Jaquelot, Thomas Burnett of Kemney, Andrew Fountaine, Jacques Lenfant, Isaac de Beausobre, Carlo Mauritio Vota, Bischof Ursinus und Daniel Ernst Jablonski statt. Leibniz nannte sie auch die "philosophische Königin". Leibniz' Werke Théodicée und Nouveaux Essais verdanken ihr Entstehen den Lützenburger Gesprächen. Auf ihre Intiative hin wurde auch die Brandenburgische Sozietät der Wissenschaften in Berlin gegründet.
Georges Sorel (1847 - 1922)Der französische Philosoph Georges Sorel knüpfte an die marxistische Philosophie an. Er legte groß Gewicht auf das revolutionäre Handeln. Die Zukunft ist nicht Gegenstand einer wissenschaftlichen Theorie, sondern eine Frage innovativen Handelns. Von Vico beeinflußt, sieht Sorel die Geschichte als einen Wechsel zwischen heroisch schöpferischen Perioden und Verfallsperioden. Nach Sorel kann Gewalt ein legitimer Ausdruck revolutionärer schöpferischer Kraft sein (Réflexions sur la violence, 1908).
Sosipatra (4. Jh.)Sosipatra stammte aus der Umgebung von Ephesos. Sie war mit dem kappadokischen Philosophen Eustathios verheiratet und Mutter dreier Kinder. Nach dem Tod ihres Mannes ging sie nach Kleinasien zurück und gründete mit dem Neuplatoniker Aidesios eine Schule in Pergamon. Über ihr Leben berichtet Eunapios aus Sardes in seinem Werk Vitae Sophistrarum. Demnach kam sie aus einem wohlhabenden Elternhaus, war gebildet und besaß prophetische Fähigkeiten. Die drei Söhne wurden von ihr erzogen und unterrichtet, wobei ihr Sohn Antonius ebenfalls als Philosoph und Seher bekannt wurde. Eunapios gibt keinen Hinweis auf ihre philosophische Ausrichtung, da aber sowohl Eustathios als auch Aidesios Schüler des Iamblichos waren, ist zu vermuten, daß auch Sosipatra sich der neuplatonischen Philosophie in der Ausprügung des Iamblichos widmete.
Kazimierz Sosnicki (1883 - 1971)Kazimierz Sosnicki ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.
Johann Joachim Spalding (1714 - 1804)Johann Joachim Spalding ist ein Vertreter der Wolffschen Schule. Er vertrat den Standpunkt der Natur- und Vernunftreligion, hielt aber an dem Glauben der Offenbarung fest.
Othmar Spann (geb. 1878)Othmar Spann ist ein Vertreter des deutsch Neuhegelianismus. Er wirkte als Professor an der Technischen Hochschule in Brünn (heute: Brno). Die Soziologie ist von der Psychologie abzugrenzen. Die Soziologie ist die allgemeine Theorie des Sozialen, die Wissenschaft vom Wesen des sozialen Ganzen als solchen. Sie befaßt sich mit Werttatsachen und Zwecksetzungen. Sie fragt immer nur nach der kausalen Wirksamkeit der Mittel für Zwecke, nach der Funktion der Objektivationssysteme, nicht nach ethischer Wertung und Normierung.
Herbert Spencer (1820 - 1903)Der englische Philosoph Herbert Spencer arbeitete von 1837 bis 1846 als Eisenbahningenieur und ab 1848 als Schriftsteller. Spencer pflegte engere Kontakte u. a. mit Fraser und S. Mill, dem Historiker Grote, dem Physiologen Huxley, dem Botaniker Hooker und dem Physiker Tyndall. Spencer versuchte die Evolutionstheorie von Darwin zu verallgemeinern und auf Wissen, Moral und Gesellschaft zu übertragen. Während die Fachwissenschaften die speziellen Gesetze untersuchen, die für bestimmte Bereiche des Daseins gelten, besteht nach Spencer die Aufgabe der Philosophie darin, allgemeine Gesetze aufzustellen, die für alle Ebenen der Wirklichkeit gelten. Spencer geht von gewissen Entwicklungsgesetzen aus, die von allgemeiner Gültigkeit sind. Die endgültige Version dieser Gesetze faßt er in einer Formel zusammen: Entwicklung (evolution) besteht aus einer Anhäufung (integration) von Materie (matter) und gleichzeitiger Zerstreuung von Bewegung (concomitant dissipation of motion). Hierdurch geht die Materie aus unbestimmter, unzusammenhängender Homogenität (indefinite, incoherent homogeneity) in eine bestimmte, zusammenhängende Inhomogenität (definite, coherent heterogeneity) über, während die rückläufige Entwicklung als Auflösung der Materie und Aufnahme von Bewegung gedacht wird (First Principles, 41893, 396). Diese Entwicklungsformel hat seiner Meinung nach Relevanz für die Beschreibung der Entwicklung innerhalb des Sternensystems, der Geologie, der Biologie, des individuellen Menschen, der Gesellschaft, der Sprache, der Kunst, der Malerei, der Skulptur, der Poesie, der Musik und des Tanzes. Das Wesen der Dinge ist nach Spencer nicht erkennbar. Die Wissenschaften können nur das Äußere, das Oberflächliche in den Erscheinungen beschreiben. Seine Ethik wird dem Eudämonismus zugerechnet.
Oswald Spengler (1880 - 1936)Der deutsche Philosoph Oswald Spengler studierte Mathematik, Geschichte, Kunst und Philosophie in München und Berlin. Er schrieb eine Dissertation über Heraklit und arbeitet dann zunächst als Mathematiklehrer, dann als freier Schriftsteller. In seinem Hauptwerk Der Untergang des Abendlandes kritisiert Spengler die traditionelle Auffassung der Geschichte als eines zusammenhängenden, in Perioden einteilbaren Prozesses. Vielmehr besteht die Weltgeschichte aus voneinander unabhängigen Kulturen, die jeweils einen zyklischen Verlauf nehmen. Spengler beschreibt acht Kulturstufen. Eine Kultur läßt sich in Analogie zu einem Organismus betrachten: Sie entsteht, durchläuft Jugend- und Reifezeit, verfällt und stirbt. Eine eigenständige Natur gibt es nicht. Alles Leben in einer Kultur, auch das geistige, ist ausschließlich von der geschichtlichen Entwicklungsstufe dieser Kultur bestimmt. Durch Einfühlung (Intuition) läßt sich die Grundstruktur aller kulturellen Entwicklung erfassen. Die jeweils letzte Entwicklungsstufe, die Verfallszeit, nennt Spengler Zivilisation. Ihre Kennzeichen sind Dekadenz und Eklektizismus im künstlerischen Ausdruck, Nüchternheit und Skeptizismus. Sie zeigt sie sich in der Existenz von Großstädten. Aufgrund dieser Analyse glaubt Spengler, daß die abendländische westliche Kultur bereits in der Zivilisationsphase steht und daher dem baldigen Untergang geweiht ist.
Speroni (1500 - 1588)Der italienische Gelehrte und Jurist Speroni (auch: Sperone) bekleidete in Padua wichtige Ämter. Unter mehreren Dialogen gilt der Dialogo delle lingue (ca. 1530) als sein wichtigstes Werk. Für Speroni ist für die Sprache die geeignete für Philosophie und Wissenschaft, die den Gedanken klar auszudrücken vermag. Nicht alle Sprache eignen sich gleichermaßen für Poesie und Rhetorik. Er vertritt damit eine ähnliche Position wie P. Bembo.
Speusippos (gest. ca. 339 u. Z.)Der griechische Philosoph, Neffe und Schüler Platons, leitete nach Platons Tod von 347 bis 339 v.u.Z. die von Platon gegründete Akademie. Speusippos versuchte Platons Philosophie mit Elementen der pythagoreischen Philosophie zu verbinden. Statt der platonischen Ideen setzte er die Zahlen als Urbilder der Dinge. Als Urgrund der Welt faßte er das Eins und die Vielheit. Speusippos soll auch als Mathematiker hervorgetreten sein, ferner untersuchte er in einem in wenigen Fragmenten erhaltenen Werk Homoia im Tier- und Pflanzenreich vorkommende gleichartige Erscheinungen.
Benedictus de (Baruch) Spinoza (1632 - 1677)Der holländische Philosoph Baruch Spinoza wurde im Getto von Amsterdam als Sohn eines wohlhabenden jüd. Kaufmanns geboren. Er bekam eine Ausbildung in einer jüdischen Schule. Dort wurde er u. a. in den Talmud und die Philosophie von Maimonides eingeführt. Er lernte als angehender Rabbiner das Handwerk des Schleifens optischer Gläser, studierte Naturwissenschaften und las u. a. Descartes und Hobbes. Spinoza entfernte sich vom jüdischen Glauben und wurde 1657 aus der Synagoge ausgeschlossen. Spinoza veröffentlichte nur eine Schrift unter eigenem Namen, die Renati des Cartes principiorum philosophiae (Die Prinzipien der cartesischen Philosophie, 1663). Sein Tractatus theologico politicus erschien 1670 anonym. Die Ethica, ordine geometrico demonstrata war 1675 vollendet, wurde wegen des religiösen Fanatismus und der Intoleranz seines sozialen Umfelds jedoch nicht publiziert. Erst nach seinem Tod gaben einige Freunde die Opera posthuma heraus, die u.a. die Ethica, den Tractatus politicus und den Tractatus de intellectus emendatione enthielten. Spinoza schuf, nachdem er Gott als Schöpfer der Welt abgelehnt hatte, ein monistisches System, in dem Denken und Ausdehnung Attribute, d. h. unabdingbare Eigenschaften einer einheitlichen Substanz sind, der Natur, die Ursache ihrer selbst ist. In der Erkenntnistheorie war Spinoza Rationalist. Er identifizierte logische Zusammenhänge und kausale Zusammenhänge und meinte, daß das Wesen einer Sache aus ihrer Definition ableitbar ist. Intuition bzw. die unmittelbare Wahrheitsentscheidung hielt er für die höchste Form des Wissens, Klarheit und Anschaulichkeit für die Kriterien der Wahrheit. In seinen Werken Tractatus de intellectus emendatione und Ethica finden sich Äußerungen Spinozas zur Logik. Er forderte eine strenge Einhaltung des Satzes vom Widerspruch und anderer logischer Zusammenhänge. Spinoza unterscheidet zwischen verschiedenen Graden oder Gattungen der Erkenntnis. Die erste und unterste Gattung bildet die Erkenntnis aus vager Erfahrung. Sie besteht in verworrenen Vorstellungen oder Meinungen und ist von zufälligen, ungeordneten Assoziationen abhängig. Diese Gattung umfaßt auch die Begriffe der Umgangssprache. Das Wissen von den grundlegendsten Eigenschaften der ausgedehnten Körper, gehört zur zweiten Gattung, der adäquaten Erkenntnis. Adäquate Vorstellungen (Ideen) oder selbstevidente Urteile handeln von den logisch notwendigen Beziehungen zwischen den Eigenschaften eines Gegenstands. Wer eine wahre oder adäquate Vorstellung besitzt, weiß zugleich unmittelbar von ihrer Wahrheit. Dazu bedarf es keines Wahrheitskriteriums, da die Wahrheit die Norm für sich selber und für Falschheit ist. Die dritte und höchste Gattung der Erkenntnis schließlich liegt in dem intuitiven Wissen von Gott, d. h. in der Einsicht, daß die Welt "unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit" (lat. sub specie aeternitatis) rational geordnet ist. Seine Ethik wird dem Eudämonismus zugerechnet. Lust heißt, daß die individuelle Macht der Selbsterhaltung oder die Energie vergrößert wird, während Unlust das Gegenteil besagt. Lust und Unlust gehören zu den primären Affekten, d. h. den grundlegenden Gefühlen. Ebenso die Begierde (oder der Trieb). Die Begierde wird als Drang definiert, sich bewußt auf ein spezifisches Objekt zu richten. Nach Spinoza lassen sich aus Lust, Unlust und alle anderen menschlichen Affekte erklären.
Jean de Sponde (1557 - 1595)Der französische Humanist und Dichter Jean de Sponde stand im Dienste Heinrich IV. Er trat mit diesem zum Katholizismus über und verteidigte diesen Schritt mit der Schrift Déclaration des principaux motifs. Jean de Sponde gab Homer, Hesiod und die aristotelischen Logik heraus.
Eduard Spranger (1882 - 1963)Eduard Spranger wird der Lebensphilosophie zugerechnet. Er vertritt eine idealistische Geschichtsauffassung.
Anne Louise Germaine Necker Staël-Holstein (1766 - 1817)Die französische Schriftstellerin und Philosophin war die wichtigste Quelle für Informationen über Rousseau, Kant und Fichte. 1804 verließ sie mit A. W. Schlegel Berlin verbrachte mit ihm die nächsten 14 Jahre auf ihrem Landsitz zu Coppet oder auf Reisen.
Rudolf Stammler (1856 - 1936)Rudolf Stammler war Professor der Rechtswissenschaft in Halle. Stammler ist dem Neukantianismus zuzurechnen. Er entwickelt seine Rechtsphilosophie auf Kantscher Grundlage. Die Methode der Rechtsphilosophie ist die teleologisch-kritische. Sie stellt das Empirische als ein objektives Richtmaß auf und bestimmt die grundlegende Gesetzmäßigkeit des Rechtslebens. Die Sozialphilosophie untersucht, unter welcher grundlegenden formalen Gesetzmäßigkeit das soziale Leben der Menschheit steht.
Franz Staudinger (geb. 1849)Franz Staudinger war Gymnasialprofessor in Darmstadt. Er wird dem Neukantianismus zugerechnet und verbindet Kant's Kritizismus mit einem (von Marx beeinflußten) ethischen Sozialismus. Oberstes Sittengesetz ist die Vernunftforderung des durchgängigen Zusammenhangs aller Zwecke. Das oberste Ideal ist ein vollkommenes Gemeinschaftsleben. Was zu höherer Gemeinschaft führt, ist sittlich, so daß ein Zielwille die oberste Instanz bildet. Gesellschaft und Gemeinschaft sind zu unterscheiden. Die Gemeinschaft besteht da, wo Menschen zu einem gemeinsamen Ziele instinktiv oder bewußt zusammenwirken. Freiheit ist die Bestimmung des Willens durch das Sittengesetz.
Lizzie Susan Stebbing (1885 - 1943)Die englische Philosophin und Logikerin wurde am 2. Dezember 1885 als jüngste Tochter des Anwalts Alfred Charles Stebbing und von Elizabeth Elstobs geboren. Sie blieb unverheiratet. Ihre Ausbildung erhielt sie am Girton College, an der University of London. Sie beendete das Studium 1912 mit der Arbeit Prgmatism and French Voluntarism. Von 1913-1915 arbeitete sie am Kings College, ab 1920 am Bedford College und bis 1924 an der University of London. Von 1933-1943 war sie dort Professorin für Philosophie. Ihr Fachgebiet ist die Logik und die Verbindung von Naturwissenschaften und Philosophie. Lizzie Susan Stebbing war mit Ludwig Wittgenstein befreundet und übernahm ebenso wie die Cambridge Analytical School viele seiner Lehrsätze. 1930 erschien ihr Textbuch A Modern Introduction to Logic, das in erster Linie für den Unterricht gedacht war. In diesem Buch verbindet sie die traditionelle Logik mit den Grundlagen der modernen logischen oder metaphysischen Ansätzen. Während des Krieges entstand ihr Hauptwerk Ideals and Illusions, in dem sie die Grundzüge der modernen Gesellschaft unter Anwendung logischer Paradigmen diskutiert. In ihrem Werk untersucht sie konfligierende Ideale in Philosophie, Literatur und Politik. Den Konflikt der Ideale sieht sie als Chance für den Menschen, der durch das Angebot unterschiedlicher Ideale die Möglichkeit der Wahl hat. Sie definiert auch moralische Prämissen als Ideale, die zwar eine spezielle Problematik darstellen, aber durchaus verwirklicht werden können. In Logical Positivsm and Analysis diskutiert sie Wittgenstein, Carnap, Schlick und Waismann und stellt diese dem Ansatz von Moore gegenüber. In Philosophy and the Physicists untersucht sie die philosophischen Implikationen der vorherrschenden naturwissenschaftlichen Theorien und analysiert die Arbeiten von Eddington und Jeans.
Henrik Steffens (1773 - 1845)Der norwegische Mineraloge, Philosoph und Schriftsteller Henrik Steffens studierte in Dänemark, Norwegen und Deutschland. 1798 besuchte er in Jena Vorlesungen von Fichte, Schelling. Er lernte F. Schlegel, A. W. Schlegel, Tieck und Novalis kennen. Von 1804 bis 1806 und von 1808 bis 1811 war er Professor für Philosophie, Mineralogie, Physiologie und Naturgeschichte in Halle. Er hatte u. a. Kontakte zu Schleiermacher. 1811 bis 1832 war er Professor in Breslau, dann in Berlin. In seinem Werk Beiträge zur inneren Naturgeschichte der Erde (1801) und in den Kopenhagener Vorlesungen (1802/03) zeigt sich Steffens als Anhänger der romantischen Philosophie Schellings. Auf allen Ebenen des Daseins findet ein Kampf zwischen dem egoistischen Individuationstrieb, der das Universum in eine unendliche Mannigfaltigkeit zersplittern will, und einem einheitsstiftenden Totalitätstrieb, der alle Individualität aufzuheben trachtet, statt. Er will in seiner Philosophie zeigen, wie diese beiden Prinzipien miteinander versöhnt werden können. Weder die empirischen Wissenschaften noch eine nur rationalistische Philosophie - so Steffens - können dieses Problem lösen. Die romantische Philosophie vermag jedoch zumindest eine Ahnung von der ursprünglichen Einheit zu vermitteln, aus der die Spaltung in Natur und Geschichte hervorging.
Wolfgang Stegmüller (geb. 1923)Der österreichische Philosoph Wolfgang Stegmüller habilitierte sich 1949 an der Universität Innsbruck in Philosophie. Ab 1958 arbeitete er als Professor in München. Er arbeitete vor allem zur analytischen Philosophie und zur Wissenschaftstheorie.
Edith Stein (1891 - 1942)Die deutsche Phänomenologin wurde als eines von 11 Kindern einer jüdischen Familie geboren. Sie studierte ab 1911 Psychologie in Breslau, wechselte dann nach Göttingen und studierte bei Husserl, dem sie auch nach Freiburg folgte. Husserls deskriptive Methode, wandte sie in ihrer Dissertation Zum Problem der Einfühlung an und beschreibt die Empathie als eine spezifische Form des Wissens. Während ihres Studiums lernte Edith Stein in der Philosophischen Gesellschaft, einem von Husserl ins Leben gerufenen Gesprächskreis andere Schüler Husserls kennen. Während dieser Zeit lernte sie auch den Husserl-Schüler Roman Ingarden kennen. Im Anschluß an die Dissertation schrieb sie eine Einführung in die Philosophie, die erst posthum veröffentlicht wurde. Aufgabe der Naturphilosophie ist es nach dieser Studie Fragen und Begründungen zu erörtern, die die Naturwissenschaften unhinterfragt voraussetzen. Diese können nicht durch Experimente, sondern nur durch Denken geklärt werden. Dazu gehören Begriffe wie Natur, Ding, Raum, Zeit, Bewegung. Diese sind nur wesensmäß erfaßbar. Das Thema Bewußtsein analysiert Edith Stein im Stile Husserls. Bewußtsein, reines Ich oder Leiblichkeit sind Begriffe, die auf ihren philosophischen Lehrer verweisen. Edith Stein wendet sich aber stärker dem Individuellen zu. Sie geht auf charakterliche Eigenarten, psychologische und religiöse Seelenbegriffe ein und befaßt sich ausführlich mit der Eigen- und der Fremderfahrung. Obwohl Husserl sie mit einem Empfehlungsschreiben unterstützte wurde ihr Antrag auf Habilitation abgelehnt. Sie kehrte nach Breslau zurück. 1920 lernte sie ihre Kollegin Hedwig Conrad-Martius kennen, mit der sie fortan eine tiefe Freundschaft verband. Sie verbrachte einige Monate auf deren Obstplantage in Bergzabern, die inzwischen ein Phänomenologen-Treffpunkt mit einer gut ausgestatteten Bibliothek war. Nach dem Lesen der Autobiographie von Theresa von Avila 1921 entschied sie sich zum Beitritt in die katholische Kirche. Sie ging 1922 als Lehrerin in die Mädchenbildungsanstalt der Dominikanerinnen nach Speyer, wo sie acht Jahre als Lehrerin arbeitete. Dort arbeitete sie zu Pädagogik und Frauenthemen. 1934 ging sie dann das Karmelitinnenkloster Köner Karmel. Dort nahm sie den Namen Theresa Benedicta a Cruce an. Sie arbeitet dort an einer Akt-Potenz-Lehre, die auf dem Ansatz von Thomas von Aquin basiert. Sie wollte die thomistische Philosophie mit Ideen von Husserl, Reinach, Pfänder, Scheler, Conrad-Martius und Heidegger verbinden. Zu diesem Thema wollte sie unter dem Titel Endliches und Ewiges Sein veröffentlichen. Die Veröffentlichung wurde jedoch von den Nazis verboten. Als katholische Jüdin floh sie 1938/9 in das holländische Karmelitinnenkloster Echt, wurde aber von dort am 2. August 1942 nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich am 9. August ermordet.
Rudolf Steiner (1861 - 1925)Der österreichische philosophierende Schriftsteller Rudolf Steiner war von 1890 bis 1897 Mitarbeiter an der Weimarer Goethe-Ausgabe. 1891 veröffentlichte er eine philosophische Dissertation in Rostock. Sein Habilitationsversuch 1894 scheiterte. Nach dem Ausschluß aus der Theosophischen Gesellschaft, er wear ab 1902 Generalsekretär der deutschen Sektion, gründete er die Anthroposophischen Gesellschaft (seit 1923: Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft) mit Sitz in Dornach/Schweiz. Der Mensch besteht nach Rudolf Steiner aus dem Geist (als Inbegriff für Denken, Fühlen und Wollen), der Seele (dem Triebhaften, Tierischen) und dem Leib. Nach dem Tod des Individuums vereinigt sich die Seele mit dem Geist. Durch den Hang der Seele zum Physischen erhält sie erneut körperliche Gestalt. Dieser Wechsel setzt sich fort, bis die Seele ihren Hang überwunden hat. Die gewöhnliche menschliche Erkenntnis ist an die Sinneserfahrung gebunden, welche die Seele empfängt. Durch bestimmte (meditative) Übungen läßt sich die Einsicht erlangen, daß es hinter dem Physischen eine höhere geistige Wirklichkeit gibt, die über Natur und Mensch waltet. In dieser Einsicht wird deutlich, daß der Geist sich durch Freiheit auszeichnet und daß der Mensch als geistig-erkennendes Wesen selbst frei ist. Die Ansichten Steiners sind Grundlage der Waldorf-Pädagogik, was dazu führt, daß seine philosophischen Ansichten auch heute noch reproduziert werden.
Charles Leslie Stevenson (geb. 1908)Der amerikanische Philosoph Charles Leslie Stevenson wirkte an der Michigan University. Sein Hauptwerk Ethics and Language (1944) stellt den Höhepunkt der emotiven Werttheorie dar. Stevenson behauptet, daß die moralische Beurteilung von Außerungen und Handlungen als gut oder richtig darin besteht, daß ein Sprecher mit seiner Äußerung seine persönliche Billigung oder Mißbilligung zum Ausdruck bringt und sich darum bemüht, dieselbe Haltung bei seinem Zuhörer hervorzurufen. Moralische Ausdrücke sind durch ihren emotiven Sinns als Mittel zur Beeinflussung anderer besonders geeignet.
Dugald Stewart (1753 - 1828)Dugald Stewart ist ein Vertreter der Schottischen Schule. Er bezeichnet die selbstgewissen Grundsätze des common sense als Grundgesetze der menschlichen Überzeugung (fundamental laws of human belief). Die Existenz des Ich ist keine Empfindungstatsache, sondern eine Eingebung (Suggestion) des Verstandes. Das Dasein der Objekte der Außenwelt ergibt sich aus der von unserem Willen unabhängigen wiederholten Wahrnehmung desselben Dinges und aus der Voraussetzung einer einheitlichen und festen Naturordnung. Die Gewohnheit erklärt Stewart aus der Vorstellungsassoziation. Die sittlichen Begriffe sind ursprünglich durch die Vernunft gegeben und unabhängig vom Willen Gottes und unabhängig von menschlichen Institutionen. Sittlich handeln, heißt gemäß der Pflicht handeln, wie die Vernunft und das Gewissen sie darstellt.
Stilpon von Megara (ca. 370 - 290 v. u. Z.)Stilpon war Leiter der Philosophenschule von Megara. Wie Diogenes Laërtios berichtet (Leben und Meinungen berühmter Philosophen, II 113-120), war Stilpon ein außerordentlich erfolgreicher Philosoph, der seinen Kollegen die Studenten abspenstig machte. Diese Anziehungskraft verdankte er seiner sophistischen Argumentationstechnik. Er war ein Meister im Erfinden von Argumenten und in der philosophischen Diskussion gefürchtet. Stilpon bestritt die Geltung von Allgemeinbegriffen. Stilpon leugnete die Möglichkeit, daß etwas von einem anderen ausgesagt werden könne, daß ein Prädikat mit einem Subjekt verbunden verbunden könne. Wenn wir den allgemeinen Terminus Mensch gebrauchen, so beziehen wir uns damit auf nichts in der Wirklichkeit. Wir beziehen uns weder auf diesen noch auf jenen einzelnen Menschen, denn warum sollte dieser ein Mensch sein, jener aber nicht? Wenn wir uns mit Mensch aber nicht auf einen einzelnen Menschen beziehen, dann beziehen wir uns damit auf nichts, d. h. wir haben es mit einem leeren Wort zu tun. Höchstes Ziel des sittlichen Strebens ist die Apatheia, die Unempfindlichkeit bzw. Gelassenheit gegenüber Schicksalschlägen. Der Weise ist über den Schmerz erhaben. Stilpon zeigt durch sein Leben, daß die wahren Güter dem Menschen nicht genommen werden können. Nach der Eroberung seiner Heimatstadt fragte ihn der Makedonenkönig Demetrios, was er von seinem Eigentum verloren habe. Stilpon antwortete, nichts, denn niemand habe seine Bildung, seinen Verstand oder sein Wissen fortgeschleppt. Der Begründer der Stoa Zenon von Kition war Schüler des Stilpon.
Max Stirner (1806 - 1856)Der deutsche Theologe und Philosoph Max Stirner (eigentlich: Johann Caspar Schmidt) studierte 1826 - 1828 in Berlin, u. a. bei Marheineke, Hegel und Schleiermacher. Danach studierte er in Erlangen und Königsberg. Max Stirner lebte als Lehrer und Journalist in Berlin. Er ist vom Linkshegelianismus beeinflußt, besonders von Feuerbach und B. Bauer. Max Stirner wirft diesen jedoch vor, die Konsequenzen, die aus dem Bruch mit dem hegelianischen spekulativen Idealismus folgten, seien nicht radikal genug gezogen worden. In seinem Werk Der Einzige und sein Eigentum (1845) betrachtet Max Stirner die Philosophie im Lichte einer von Hegel geprägten Geschichtskonstruktion, führt sie aber zu einem anderen Ergebnis. Die Antike identifizierte die Welt - so Stirner - mit der wahrnehmbaren, natürlichen Welt der Dinge und sah im Geist nur ein Mittel, um die Dinge zu beherrschen. Mit dem Christentum entstand zwischen Welt und Geist eine scharfe Trennung. Dabei galt allein der Geist als Wahrheit und die Welt als ein Nichts. Diese Aufspaltung der Wirklichkeit prägt auch das neuere Denken. Nach Stirner ist das einzig Existierende das individuelle Ich, das alles zu seinem Eigentum machen will. Daraus folgt für die Ethik, daß jedes Ich nur um seiner selbst willen handelt. Es herrscht der Egoismus, der Kampf aller gegen alle. Weder Gesetz, Staat oder sonstige Institutionen noch die Liebe zu anderen können das Ich binden. Die erkenntnistheoretische Konsequenz dieser Auffassung ist, daß Allgemeinbegriffe bloße Sammelbezeichnungen sind und das Ich sich keiner Wahrheit zu verpflichten braucht. Stirner hat den theoretischen Anarchismus maßgeblich beeinflußt.
Adolf Stöhr (1855 - 1921)Adolf Stöhr war Professor in Wien. Er gründet die Logik auf die Psychologie. Die Denkgrundgesetze drücken die Tatsache der Unterdrückung der Reproduktion einer Vorstellung durch die Apposition von A zu Nicht-A, die einen Unsinn ergibt, aus. Der Begriff entsteht nicht durch Abstraktion, sondern durch Kontraktion von Vorstellungen. Das sprachliche Zeichen für einen Begriff ist der Name. Der Name ist vom Wort zu unterscheiden. Ein Wort kann zugleich ein Name sein und ein Name kann aus einem einzigen Worte bestehen. Dann haften die Namen nicht direkt am Begriffszentrum, sondern an je einem Exemplare des Umfangs. Die Hypothese ist nach Stöhr eine Vorstellung, verbunden mit einem Glauben, einem gewissen Wahrheitsgrade, daß das Vorgestellte auch wirklich sei. Neben der exakten Forschung ist eine Hypothetik zulässig und nützlich. Es gibt induzierte und konstruierte Hypothesen. Atome gibt es in der gemeinsamen Außenwelt. Sie sind Erscheinung der absoluten Wirklichkeit. Die Uratome sind weder elastisch, noch hart, noch plastisch, noch schwer, noch undurch- dringlich. Sie kommen durch die Lage ihrer Bahnen zur gegenseitigen Durchdringung. Nach dem Urstoßgesetz findet ein Tausch der Bewegungsgrößen und Richtungen statt, so daß es nicht zur Probe der Durchdringbarkeit kommt.
Friedrich Wilhelm Stosch (1646 - 1704)Friedrich Wilhelm Stosch ist Anhänger von Spinoza. Er faßt Spinoza naturalistisch-materialistisch auf.
Straton von LampsakosDer griechische Philosoph Straton von Lampsakos war eine Zeitlang Lehrer des Ptolemaios Philadelphos. Er schloß sich in Athen der peripatetischen Schule an und stand dieser nach dem Tode des Theophrastos im Jahre 288 v. u. Z. 18 Jahre lang vor. Straton ebenete die Unterscheidung des Aristoteles von Stoff und Form weitgehend ein und versucht die wirkende Kraft der Form in die Materie zu legen. Dieser Gedanke hatte auf die Entwicklung der arabischen Philosophie (einschließlich auf Ibn Sina) einen großen Einfluß. Unter Verwendung von Gedanken der Philosophie Demokrits faßte Straton die Weltentstehung als Produkt der Wirkung physikalischer Naturkräfte. Die letzten Gründen für die Erscheinungen der Welt sind Wärme und Kälte. Seine naturwissenschaftlichen Studien trugen ihm den Beinamen Physikos ein. Straton faßte Wahrnehmung und Denken als zwei Momente eines einheitlichen Erkenntnisprozesses auf und bestimmte den Sitz des Denkens im menschlichen Kopf zwischen den Augenbrauen. Straton entwarf eine Theorie der Erinnerung, die er mit der Speichereigenschaft des Denkens begründete. Den menschlichen Geist wollte er nicht von der animalischen Seele getrennt wissen. Er bestritt deshalb auch die Unsterblichkeit der Seele.
David Friedrich Strauß (1808 - 1874)Der deutsche Theologe und Philosoph David Friedrich Strauß wurde unter dem Einfluß der Romantik und der Schleiermacherschen Glaubenslehre zum Anhänger der Hegelschen Religionsphilosophie. In seinem Werk über Das Leben Jesu (1835/36) behauptet Strauß, daß sich Christentum und Philosophie darin einig seien, daß das Göttliche (die unendliche Idee) mit der menschlichen Natur eins werden muß. Es widerstreitet aber jeder Vernunft, daß sich diese Einheit in nur einem Menschen verwirklicht haben soll. Solche Vorstellung ist nach Strauß bloßer Mythos. Die Menschwerdung Gottes erfolgt in der ganzen menschlichen Gattung und ihrer Geschichte, nicht in einem einzigen Exemplar dieser Gattung. Alle Eigenschaften, welche die Kirche Christus beimißt, gehören zur Menschheit als ganzer. Gott ist keine ferne (transzendente) Macht, welche die scharfe Trennung zwischen sich und dem Menschen ein einziges Mal aufgehoben hat, sondern die Grundlage der Existenz von Welt und Mensch. Gott kann allein durch die Menschheit Selbstbewußtsein und Persönlichkeit gewinnen. In der Relligion geschieht dies in nur unvollkommener Weise. Die Philosophie bringt jedoch einen angemessenen Ausdruck hervor, da sie die absolute Immanenz Gottes lehrt, d. h. seine innere Einheit mit Welt und Mensch.
Peter Frederick Strawson (geb. 1919)Der englische Philosoph Peter Frederick Strawson war ab 1968 Professor in Oxford. Strawson früher Aufsatz On Referring (1950) fand mit seiner Kritik an Russells Theorie bestimmter Beschreibungen viel Beachtung. Strawson behauptet dort, daß die Probleme, die Russells Theorie zugrunde liegen, sich vollständig auflösen, wenn die semantische Satzanalyse aus der Perspektive des Sprachgebrauchs vorgenommen wird, d. h. wenn zwischen Sätzen und Sprechakten unterschieden wird. In seiner Introduction to Logical Theory (1952) behandelt Strawson das Verhältnis zwischen den formalen logisch-semantischen Systemen und dem allgemeinen Sprachgebrauch, wobei Strawson zu zeigen versucht, daß der Abstand zwischen alltäglichem Sprachgebrauch und formalisiertem Sprachsystem größer ist als gemeinhin angenommen. In Individuals Strawson traditionelle metaphysische, insbesondere bewußtseinsphilosophische Probleme. Er entwickelt eine Theorie der Identifikation individueller Dinge mittels Sprache. Seine zentrale These lautet, daß der Begriff materieller Körper für die Definition von Einzeldingen grundlegend sei. Diese Körper stellen das einheitliche System der wahrnehmbaren, raum-zeitlich sich ausdehnenden Größen dar und sind Bedingung der Möglichkeit einzelne Typen von Einzeldingen zu benennen und zu identifizieren. Strawson erörtert die Bedingungen des sinnvollen Redens von Bewußtseinsphänomenen und kommt zu dem Ergebnis, daß man von Bewußtsein nur reden kann, wenn man einen noch grundlegenderen Begriff voraussetzt, nämlich den der Person. Personen sind zwar Einzeldinge, zugleich aber Subjekte, denen sowohl Bewußtseinszustände als auch körperliche Zustände eigen sind. Zur späteren Arbeit Strawsons gehören Abhandlungen zu logisch-semantischen Themen, zur Handlungstheorie und zur tranzendentalanalytischen Rekonstruktion der theoretischen Philosophie von Kants. Strawson vertritt eine performative Theorie der Wahrheit.
Victorinus Strigelius (1524 - 1569)Der deutsche Philosoph, Philologe und Theologe Victorinus Strigelius (eigentlich Victorin Strigel) studierte in Freiburg und Wittenberg und promovierte 1544 als Schüler von Ph. Melanchthin zum Magister. Er kam nach kurzer Tätigkeit als Lehrer in Magdeburg und an der Universität Erfurt 1548 nach Jena. In Jena erhielt er mit J. Stigel an der Hohen Schuel (dem Vorläufer der 1558 eröffneten Universität eine Professur. Wegen Streitigkeiten mit Vertretern des orthodoxen Luthertums, vor allem mit M. Flacius, wurde Strigelius verhaftet und auf dem Gothaer Grimmenstein eingekerkert. Im September 1559 wurde er wieder entlassen, aber unter Hausarrest gestellt und mit Lehrverbot belget. 1562 wurde er rehabilitiert und nahm einen Ruf an die Universität Leipzig an. Strigelius wurde 1564 Rektor der Leipziger Universität. 1566 wurde er als Kalvinist verdächtigt und aus dem Lehramt entlassen. Er ging zunächst nach Wittenberg, bevor er 1567 als Professor für Ethik an die Universität in Heidelberg ging.
Radulpus Strodus (ca. 1370)Der englische Logiker und Pädagoge Strodus ist durch seine Untersuchungen zur formalen Implikation und zur modalen Logik bekannt. Neben den Wahrheitswerten "wahr" und "falsch" verwendete er den Wahrheitswert "zweifelhaft" (dubium). Von Interesse sind die folgenden Regeln von Strodus für die formale Implikation:
Petr Bernardowitsch Struwe (1870 - 1944)Petr Bernardowitsch Struwe ist ein Vertreter des legalen Marxismus. Er versucht den Marxismus mit Thesen von Malthus zu verbinden.
Carl Stumpf (1848 - 1936)Der deutsche Philosoph und Psychologe Carl Stumpf ist - wie Twardowski, Meinong, Husserl, T. Masaryk, Ehrenfels, F. Hillebrand und Anton Marty - ein Schüler von Franz Brentano. Sein bekanntester Schüler ist Husserl, der 1887 bei ihm in Halle habilitierte. In seiner Abhandlung Zur Einteilung der Wissenschaften (1906) entwickelt Stumpf den Unterschied von Natur- und Geisteswissenschaften auf der Grundlage der Unterscheidung von Physischem und Psychischem. Brentano hatte eine rein systematische deskriptive Psychologie und eine naturwissenschaftliche genetische Psychologie unterschieden. Stumpf fragt nun wie die ungeteilte deskriptive Psychologie zu Natur- und Geisteswissenschaft in Bezug gesetzt werden soll. Er betrachten die Psychologie als eine Neutrale Wissenschaft, also eine die sich weder der Natur- noch der Geisteswissenschaft zuordnen läßt. Zu den neutralen Wissenschaften zählt Stumpf auch die Phänomenologie, Eidologie, Allgemeine Verhältnislehre und die Metaphysik. Die Psychologie ist für nach Stumpf die Erkenntnistheorie unentbehrlich, auch wenn sie nicht deren Grundlage bildet. Wahrheit wird als das Evidente bestimmt, da das wirklich Gegebene nach Stumpf in erster Linie aus unserem eigenen Seelenleben besteht und erst in zweiter Linie aus den äußeren Dingen, deren Einwirkung auf unsere Psyche wir beobachten. Eine Wissenschaft der äußeren Dinge, die das Physische als "sinnliche Erscheinung" untersucht, nennt Stumpf (ab 1905) Phänomenologie. Diese steht - so Stumpf - zwischen Pychologie und traditioneller Physik.
Francisco Suárez (1548 - 1617)Der spanische Theologe, Philosoph und Rechtsgelehrte Francisco Suárez lehrte zunächst Philosophie in Segovia. Ab 1576 war er Professor für Theologie in Valladolid. Er lehrte 1580 - 1585 am Collegium Romanum in Rom. 1585 - 1593 hatte er einen Theologielehrstuhl in Alcalá de Henares inne. 1594/95 hielt er Vorlesungen in Salamanca. 1597 wurde Suárez nach Coimbra berufen. Hauptinhalt seiner Werke sind Kommentare und Disputationen zur Summa des Thomas von Aquino und Überlegungen zur Souveränitätslehre. Anders als Thomas bestreitet Suárez den Realunterschied von Wesen und dasein. Suárez betont, daß der Unterschie nur rationalen Ursprungs ist. Eine Folge dieser Auffassung ist, daß jedes Einzelne bei Suárez ganz durch sich selbst ist. Nach Suárez hat die materia prima aus sich selbst und ohne den bestimmenden Akt der Form seine eigene Existenz. Der nächste Gegenstand der Erkenntnis ist ist das einzelne sinnliche Objekt. Der Intellekt hat die Fähigkeit, von disenen Objekten als solche Begriffe zu bilden. Von diesen Begriff wird durch Abstraktion von den Indiidualmerkmalen zu den Allgemeinbegriffen übergegangen. Suá bestritt, daß die Staatsgewalt unmittelbar von Gott sei. Er stützte sich dabei auf die Staatsvertragslehre. Danach ist der Staat auf der Grundlage eines eines Vertrages entstanden. Dieser Vertrag ist durch das Naturrecht bestimmt. Die Staatsgewalt ist durch Vertrag auf einen oder mehrere Herrscher übertragen worden.
Johann Georg Sulzer (1720 - 1779)Johann Georg Sulzer war Professor in Berlin. Er ist ein Anhänger von Wolff. Empfindungen sind die lust- und unlustbetonten verworrenen Vorstellungen, die sich auf unseren eigenen Zustand beziehen. Sie zeigen die Förderung oder Schwächung unseres Zustandes an. Sulzer stellt die Gefühle zwischen die eigentlichen, klaren Vorstellungen und die Begehrungen. Der Zweck des Handelns ist Glückseligkeit. Die Seele des Menschen ist unsterblich.
Konrad Summenhart (1465 - 1502)Der deutsche Philosoph und Theologe Konrad Summenhart wurde nach Studien in Paris 1487 Professor der Artistenfakultät und der Theologie in Tübingen. Dort vertrat er das System von Albertus Magnus, die Sentenzen von Petrus Lombardus und kritische Positionen zum kanonischen Recht.
Margarete Susman/von Bendemann (1872 - 1966)Margarete Susman wurde am 14. Oktober 1872 als Tochter einer bürgerlich-liberalen jüdischen Familie in Hamburg geboren. Ihre Kindheit und Jugend verbrachte sie in Zürich. Ein Philosophiestudium verbot ihr der Vater. Nach dem Tod des Vaters 1894 setzte sie ihr Malstudien in Düsseldorf, Paris und München fort. In München besuchte sie zudem Philosophievorlesungen bei Theodor Lipps. Ab 1900 besuchte sie Vorlesungen bei Georg Simmel, dessen Philosophieren sie stark beeindruckte und beeinflußte. Sie nahm an den wöchentlichen Privatkolloquien bei Simmel teil und lernte dort u. a. Ernst Bloch, Martin Buber und Bernhard Groethuysen kennen. 1906 heiratete sie den Maler und Kunsthistoriker Eduard von Bendemann. Ein Jahr später wurde ihr Sohn Erwin geboren. Ab 1907 arbeitete sie bei der Frankfurter Zeitung und schrieb u.a. Rezensionen und Essays zu Lukacs, Bloch, Buber, zu Fragen der Ästhetik, zu Schopenhauer und Spinoza, zu dem Verhältnis von Juden und Deutschen. Während des 1. Weltkrieges wurde sie zunehmend politischer. 1918 zog sie in das ländliche Säckingen, wo ihr Mann einen Bauernhof gekauft hatte. 1928 trennten sie und ihr Mann sich. 1933/4 emigrierte sie über Holland und England in die Schweiz, wo sie in Zürich an den Neuen Wegen mitarbeitete und in den vierziger Jahren Das Buch Hiob und das Schicksal des jüdischen Volkes schrieb.
Emanuel Swedenborg (1688 - 1772)Der schwedische Schriftsteller, Naturforscher und Theosoph Emanuel Swedenborg studierte Physik und Mathematik. Er stand u. a. in Briefwechsel mit Wolff. Ab 1743 wuchsen Zweifel an der Möglichkeit, grundlegende Probleme mit Hilfe von Wissenschaft und rationaler Philosophie zu lösen. Der Mensch ist nach Swedenborg im wesentlichen ein Geist, der unter anderen Geistern lebt. Diese anderen Geister (Engel oder Teufel) erfährt er trotz der Bindung an den Körper schon im jetzigen Leben. Welche Stellung der Mensch nach seinem Tod im Geisterreich einnehmen wird, hängt u. a. von seinem moralischen Verhalten ab. Kant setzte sich in seiner Arbeit Träume eines Geistersehers (1766). mit Swedenborg kritisch auseinander.
Alexander Jemeljanowitsch Swetlin (1842 - 1887)Der russische Logiker war Professor an der Petersburger geistlichen Akademie. Sein Lehrbuch der Logik erlebte zahlreiche Auflagen. Swetlin definierte die Logik als Wissenschaft von den korrekten Verfahren zur Verknüpfung von Gedanken und den allgemeinen Regeln, die es gestatten, eine richtige These von einer falschen zu unterscheiden. Die Erkenntistätigkeit reduzierte Swetlin auf Unterscheidung und Gleichsetzung bzw. Differenzieren und Identifizieren.
Stefan Swiezawski (geb. 1907)Stefan Swiezawski ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.
Gerbert von Aurillac (Sylvester II.) (gest. 1003)Gerbert von Aurillac, später Papst Sylvester II., unterscheidet von dem zur Natur der rein intelligiblen Wesen gehörigen den nur akzidentiellen Vernunftgebrauch sinnlicher Vernunftwesen.
Syrianos aus Alexandreia (gest. um 450 u. Z.)Syrianos aus Alexandreia ist ein Vertreter der athenischen Schule des Neuplatonismus. Er ist Schüler von Plutarchos und ab 431 u. Z. dessen Nachfolger. Syrianos ist Lehrer des Proklos. Syrianos betrachtet die Aristotelische Philosophie als eine Vorbereitung für die neupythagoreisch-neuplatonische Philosophie. Er unterscheidet vom Einen das Intelligible, den Geist, der die Ideen einschließt, an deren Spitze der Demiurg steht. Die Ideen sind intellektuelle Zahlen.
Wilhelm Szilasi (geb. 1889)Wilhelm Szilasi ist ein Vertreter des Existentialismus.
Wladyslaw Szomowski (1875 - 1954)Wladyslaw Szomowski ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.
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