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Philosophenlexikon R von http://www.philosophenlexikon.de

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Alexander Nikolajewitsch Radischtschew (1749 - 1802)

Der russische Revolutionär und Philosoph A. N. Radischtschew ist mit Locke einer der ersten, die die Frage nach einer logischen Analyse von Relationen stellten, die sowohl in der aristotelischen Logik als auch in der mittelalterlichen Logik fehlte.

Das Urteil bezeichnete Radischtschew das Erkennen von Zusammenhängen, die zwischen den Dingen existieren.

Zwei Arten des unmittelbaren Schlusses von den drei Arten, die er akzeptierte, basieren auf dem Erkennen des Charakters der Zusammenhänge zwischen den Dingen, die er Ausgleich und Analogie nannte.

 

Siroman Raghunatha (ca. 1475 - 1550)

Der indische Logiker Siroman Raghunatha wandte in seinen Berechnungen bereits die de Morganschen Gesetze an. Er benutzte in seinen Schriften systematisch symbolische Bezeichnungen für bestimmte Wortkonstruktionen.

Für die Definition des Begriffes der Zahl verwendete er die Anzahlgleichheit.

 

Karl Rahner (geb. 1904)

Karl Rahner ist ein Vertreter des Katholischen Existentialismus.

 

Jakub Rajgrodzki (1900 - 1943)

Jakub Rajgrodzki ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.

 

Pierre de la Ramée (1515 - 1572)

Der französische Philosoph, Mathematiker und Sprac"philosormer Pierre de La Ramée (lat.: Petrus Ramus) war der erste Professor für Mathemaik am Collèe, dem späteren Collège de France.

Pierre de La Ramée stützte sich auf Platon, Cicero sowie Quintilian und wandte sich gegen die aristotelische Logik. Sie sollte - wie er in seinen Aristotelicae animadversiones (1543) festhät - durch eine natürliche Logik des gesunden Menschenverstandes ersetzt werden.

Als Aufgabe der Logik betrachtete Ramée das Finden der kürzesten Wege in die Kunst des Entdeckens. Im Erkenntnisprozeß ist nicht die Syllogistik die Hauptsache, sondern das Vermögen zur Beobachtung und zum Experimentieren. Daher soll die Logik der Natur untersucht werden.

Die Logik teilt er in zwei Teile:

  • die Lehre vom Begriff und von der Definition [De inventione] und
  • die Lehre vom Urteil, vom Schließen und von der Methode [De iudicio].
  • Wie Platon und Cicero strebte Pierre de la Ramée nach einer Vereinigung des Schönen mit dem Wahren, der Philosophie mit der Poesie (Dialecticae partiones, 1543).

    Ramée war Anhänger des Sprac"philosormers L. Meigret. Er orientierte sich aber mehr noch als dieser an der Sprache des Volkes als Quelle für die schriftsprachliche Norm. Seinen Vorschlag für eine radikale Rechtschreibreform (Gramere (1562), Neuauflage 1572 als Gramaire) konnte er nicht durchsetzen.

    Da er Anhänger der Reformation war, mußte er seinen Lehrstuhl 1563 aufgeben. Nach dem Frieden von Amboise 1576 erhielt er ihn zurück. Er wurde in der Bartholomäusnacht (26.8.1572) ermordet.

    Nach Pierre de la Ramée ist der Ramismus benant.

     

    Frank Plumpton Ramsey (1903 - 1930?)

    Der englische Philosoph und Logiker Frank Plumpton Ramsey, trug zur Vereinfachung des logischen Systems von Russells bei.

    Er wird dem logischen Positivismus zugezählt.

    Ramsey übte einen starken Einfluß auf die philosophische Diskussion der Grundlage der Mathematik aus. Ramsey arbeitete zudem über den Wahrheitsbegriff, zum Induktionsproblem und zum Identitätsbegriff.

    Auf Ramsey geht die Redundanztheorie der Wahrheit zurück.

     

    Leopold von Ranke (1795 - 1886)

    Leopold von Ranke ist ein Philosoph der Romantik und ein Vertreter der historischen Rechtsschule.

    Ranke hat 1830 in seiner Studie Geschichte und Philosophie und 1854 in den Vorträgen Über die Epochen der neueren Geschichte gegen die Auffassung Stellung genommen, daß sich die Gesellschaft in einem ununterbrochenen Fortschrittsprozeß befindet. Nach Ranke ist ein Fortschritt nur in allem anzunehmen, was sich auf Erkenntnis und Naturbeherrschung bezieht. Der Fortschrittsbegriff ist nicht auf das individuell moralische oder religiöse Dasein und auf die Produktion des Genius in Kunst, Poesie, Wissenschaft und Staat anzuwenden.

    Bei Ranke gibt es Ansätze einer Generationstheorie.

     

    Helena Rasiowa (1917 - 1994)

    Die polnische Logikerin und Mathematikerin Helena Rasiowa wurde am 20. Juni 1917 in Wien geboren. Als Polen 1918 unabhängig wurden gingen ihre Eltern nach Warschau. 1938 ging Helena Rasiowa an die Warschauer Universität. Nach der deutschen Besetzung von Polen 1939 wurde die Universität geschlossen. Helena Rasiowa ging mit ihren Eltern nach Lvov, das aber unter sowjetische Kontrolle geriet. Da die deutsche Herrschaft das kleinere Übel zu sein schien, ging die Familie zurück nach Warschau.

    Bedeutende Mathematiker und Logiker wie Borsuk, Lukasiewicz, Mazurkiewicz, Sierpinski, Mostowski und andere wirkten an der Untergrunduniversität von Warschau. Lukasiewicz betreute Helena Rasiowa.

    Nach dem Krieg wurde Helena Rasiowa Lehrerin an einer Sekundarschule, da ihr Betreuer Lukasiewicz Polen verlassen hat. Mostowski, der sich an sie erinnerte holte sie zurück an die Universität um ihr Studium unter seiner Betreuung zu vollenden. Nach dem Studium wurde sie Doktorandin unter Mostowskis Betreuung.

    Ihre Dissertation verteidigte sie 1950. Es war ein Thema zu Algebra und Logik: Algebraic treatment of the functional calculus of Lewis and Heyting.

    1957 wurde sie außerordentliche Professorin, 1967 ordentliche Professorin. Sie arbeitete vor allem zur algebraischen Logik und zu den mathematischen Grundlagen der Computerwissenschaft.

    In der algebraischen Logik knüpfte sie an Post, Stone, Tarski und Lukasiewicz an.

    1984 führte Rasiowa den wichtigen Begriff der Inferenz ein. Dieser Begriff fürte zum approximativen Schließen und zur approximativen Logik. Helena Rasiowa starb am 9. August 1994 in Warschau.

     

    Gustav Ratzenhofer (1842 - 1904)

    Gustav Ratzenhofer wurde vor allem als Soziologe bekannt. Er vertritt einen positiven Monismus, der die Einheit der Weltgesetzlichkeit betont.

    Überall, im Physischen wie im Psychischen besteht Selbsterhaltung, Anziehung und Abstoßung. Die Dinge sind Teile und Manifestationen der göttlichen Urkraft, die ein Allbewußtsein besitzt.

    Die Materie ist Produkt der Kraft.

    Die Soziologie erforscht die Gesetzmäßigkeit des gesellschaftlichen Lebens. Die Gesellschaft geht dem Individuum voran, indem das inhärente Interesse soziale Verbände stiftet, welche als Gruppen miteinander kämpfen.

     

    Félix Ravaisson-Mollieu (1813 - 1900)

    Félix Ravaisson-Mollieu ist u. a. von Aristoteles, Plotin, Leibniz, Kant, Schelling und Maine de Biran beeinflußt. Ravaisson-Mollieu lehrt einen spiritualistischen Realismus. Er ist ein Gegner von Sensualismus und Positivismus.

    In der Assoziation der Vorstellungen wirkt die Vernunft als Einheitsprinzip. Das oberste A priori unseres Geistes ist das Bedürfnis nach Abgeschlossenheit und Vollendung. Diesem Bedürfnis entspringen die Kategorien (Ursache, Ziel usw.).

     

    Pierre Sylvain Régis (1632 - 1707)

    Der Cartesianer Pierre Sylvain Régis ist Schüler von Jacques Rohault.

    Er ist insbesondere durch sein Werben für die Philosophie von Descartes in Südfrankreich bekannt geworden.

     

    Henricus Regius (1598 - 1679)

    Der holländische Arzt Henricus Regius (Hendrik van Roy) ist Cartesianer. Er versuchte die Seele als besondere Eigenschaft der Materie zu erklären.

     

    Johannes Rehmke (1848 - 1930)

    Johannes Rehmke war Professor in in Greifswald.

    Er ist ein Vertreter der Immanenzphilosophie und ein Gegner des Phänomenalismus im Sinne einer die Außendinge zu Erscheinungen unbekannter Wesen herabsetzenden Lehre.

    Es gibt vielmehr nur eine Welt des Gegebenen. Das Gegebene existiert, unabhängig von jedem Einzelsubjekt, als Inhalt eines allumfassenden, universalen, güttlichen Bewußtseins.

    Außen- und Innenwelt gehören untrennbar zusammen. Sie sind Abstraktionen aus einer einzigen Welt und beide mit gleicher Unmittelbarkeit und Gewißheit gegeben.

    Die Wahrnehmungsinhalte sind nicht Bilder der Dinge, sondern selbst die Außendinge, das Andere des Ich.

    Das Bewußtsein ist weder eine Eigenschaft der Vorstellungen, noch eine Tätigkeit des Geistes, noch das Gemeinsame der psychischen Erlebnisse.

    Urteilen heißt, über Gegebenes zu entscheiden. Begriffe gibt es nur im Urteil, als Allgemeines, wodurch ein konkretes Gegebenes bestimmt wird.

     

    Hans Reichenbach (1891 - 1953)

    Der deutsche Philosoph und Logiker Hans Reichenbach war von 1926 bis 1933 Professor in Berlin, von 1933 bis 1938 in Istanbul und von 1938 bis 1953 in Los Angeles.

    Reichenbach stand in engem Kontakt zum Wiener Kreis dessen Zeitschrift Erkenntnis er mit anderen redigierte. Außerdem war er am Aufbau der Berliner Gruppe beteiligt. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten mußte Reichenbach emigrieren.

    Reichenbach beschäftigte sich in seiner Philosophie hauptsächlich mit den Grundlagenproblemen der Naturwissenschaften. Nach Reichenbach beruht alle unsere Erkenntnis auf Wahrscheinlichkeitsschlüssen. Man kann nicht durch Beobachtungen feststellen, ob die Behauptung eines Wissenschaftlers wahr ist, sondern nur sagen, daß sie mehr oder weniger wahrscheinlich ist.

    Davon ausgehend modifiziert Reichenbach die Sinntheorie des logischen Positivismus, indem er behauptet, daß ein Satz nur dann kognitiven Sinn hat, wenn Beobachtungen ermöglichen, ihm eine Wahrscheinlichkeit zuzusprechen.

    Wissenschaftliche Gesetze (immer in einer wenn-dann-Form ausgedrückt) nennt Reichenbach nomologische Implikation.

    Ausgehend vom Begriff der elementaren nomologischen Aussage oder Basisaussage definierte er die abgeleitete nomologische Aussage als eine Ausssage, die deduktiv aus einer Menge von Basisaussagen erhalten werden kann.

    Eine Basisaussage muß nachweisbar wahr sein. Sie muß universal in dem Sinne sein, daß sie keine wesentlichen Referenzen zu speziellen Raum-Zeit-Regionen enthält. Eine Basisaussage muß eine Allaussage sein. Außerdem muß daß Antezedenz der Wenn-dann-Aussage falsch sein können.

    Ein System von Basisaussagen kann nach Reichenbach dazu verwendet werden, die Modaloperatoren notwendig, möglich und unmöglich zu definieren.

    P ist notwendig, genau dann, wenn P eine nomologische Aussage ist. P ist unmöglich, genau dann wenn die Negation von P eine nomologische Aussage und P ist möglich, genau dann, wenn weder P noch die Negation von P eine nomologische Aussage ist.

    Großen Einfluß hatten seine Arbeiten über die philosophischen Grundlagen der Relativitäts- und Quantentheorie, wobei es ihm vor allem um eine Formulierung der Prinzipien der aus den Ergebnissen der Physik neu entstandenen Sicht von Raum und Zeit ging.

    Zur logischen Beschreibung der Quantenmechanik konstruierte Reichenbach eine dreiwertige Logik mit den Wahrheitswerten wahr, falsch und unbestimmt, die drei Arten der Negation (ausschließende, diametrale und vollständige Negation) und drei Arten der Implikation (Standardimplikation, Alternativimplikation, Quasiimplikation) hat.

    Reichenbach kritisierte Kants Theorie eines Raum- und Zeit-Apriori, weil Messungen gezeigt hätten, daß der wirkliche Raum gekrümmt und der euklidische Raum nur als Spezialfall angesehen werden könne.

     

    Thomas Reid (1710 - 1796)

    Der schottische Philosoph Thomas Reid ist der Begründer der Schottischen Schule.

    Reid war Gegner der Lehre von der empirischen Herkunft menschlichen Wissens. Nach seiner Ansicht hat die Seele letzte Urteilsprinzipien, die Axiome, die durch Intuition bewußt gemacht werden können.

    Diese Prinzipien, die Prinzipien des gesunden Menschenverstandes [principles of common sense], entsprechen den natürlichen Empfindungen für das Gute und das Schöne und sind wie diese selbstevidente Wahrheiten [self-evident truth]. Reid ist damit Begründer der Common-Sense-Philosophie.

    Nach Reid fußt alle Induktion auf dem Satz, daß gleiche Wirkungen gleiche Ursachen haben müssen.

    Aus diesen ursprünglichen Urteilen versucht Reid Gott abzuleiten.

    Bekannt wurde Reid auch durch seine Kritik am Skeptizismus von Hume.

     

    Herman Samuel Reimarus (1694 - 1768)

    Der Philosoph und Theologe Hermann Samuel Reimarus ist als Vertreter des Deismus und insbesondere als Vertreter einer Vernunftreligion bekannt.

     

    Ernst Reinhold (1793 - 1855)

    Der Philosoph Ernst Reinhold ist Sohn von K. L. Reinholds.

    Er ist vor allem von Kant beeinflußt.

    Die Philosophie bestimmt er als "die wissenschaftliche Entwicklung des organisch verbundenen Ganzen der wesentlichen, zufolge des Wesens der Menschheit streng notwendigen und allgemeinen Erkenntnisbegriffe der menschlichen Intelligenz". Diese Begriffe erfassen das objektiv Notwendige sowie die Einheit des Weltganzen und des Weltgrundes. Sie sind Universalbegriffe.

    Das Philosophieren ist das Streben nach einer wissenschaftlichen, systematischen Ausbildung der Erkenntnis aller für das menschliche Bewußtsein als solches notwendigen und allgemeingültigen Wahrheiten.

    Die formale Logik ist E. Reinhold zufolge die Lehre von den subjektiven Formen unseres Denkens. Sie schöpft ihren Inhalt aus rationaler Betrachtung und empirischer Beobachtung.

     

    Karl Leonhard Reinhold (1758 - 1823)

    Der österreichische Philosoph Karl Leonhard Reinhold war Professor in Jena und Kiel.

    Reinhold an einer Begründung der Kantischen Philosophie und bemühte sich um den Nachweis einer einheitlichen Wurzel von Sinnlichkeit und Verstand.

    Reinhold entwarf eine Elementarphilosophie, die auf einem einzigen Prinzip beruhen sollte, dem Satz des Bewußtseins. Dieser besagt, daß im Bewußtsein jede Vorstellung von dem Vorstellenden (Subjekt) und dem Vorgestellten (Objekt) unterschieden und zueinander in ein Verhältnis gebracht wird.

    Die Beziehung der Vorstellung zum Subjekt ist durch die Form a priori bestimmt, die Beziehung zum Objekt durch den Stoff a posteriori.

     

    Nicholas Rescher (geb. 1928)

    Nicholas Rescher, der 1938 mit seiner Familie von Deutschland in die USA emigrierte, studierte dort Mathematik und Philosophie.

    Rescher geht von der Erkenntnis des Idealismus aus, dass Wahrheit Wahrheit nur als System begriffen werden kann. Er verknüpft eine Korrespondenztheorie der Wahrheit mit einer Kohärenztheorie der Rechtfertigung.

    Kohärenz ist nach Rescher das Wahrheitskriterium, aber keinesfalls eine Definition der Wahrheit. Die Kohärenztheorie hat damit zu studieren, wie wir wahre von falschen Aussagen unterscheiden können. Bestandteile der Kohärenz sind nach Rescher Umfassung (comprehensiveness) und Konsistenz.

    Kohärenz ist eine Relation zwischen einer wahrheitsfähigen empirischen Aussage A und einer nichtleeren Aussagenmenge M, die bereits als kohärent erwiesen ist. Die Relation besteht genau dann, wenn

  • die um die Aussage A erweiterte Menge M logisch wiserspruchsfrei ist,
  • es eine Teilmenge M gibt, die alle (und nur die) Aussagen enthält, aus denen sich die Aussage A ableiten läßt.
  • Jede Teilmenge von M erweitert um die Aussage A aus kontextual zusammengehörigen Aussagen besteht.
  • Rescher verweist darauf, dass dieses Kriterium nicht kohärenztheoretisch belegt werden kann, sondern durch den praktischen Erfolg gerechtfertigt wird (methodischer Pragmatismus).

    In der Ethik interessiert Rescher vor allem die Frage, wie die kulturelle Vielfalt von Werten und Normen ohne ethischen Relativismus erklärt werden kann. Rescher zufolge gibt es eine absolute Moral, die absolute Gültigkeit besitzt, aber unter Bedingungen bestimmter sozialer und kultureller Kontexte zu einer Vielfalt von moralischen Regeln wird. Moral kann sich nach Rescher nicht nur an den Interessen des einzelnen orientieren, sondern muß die Interessen von anderen berücksichtigen.

     

    Johannes Reuchlin (1455 - 1522)

    Der deutsche Philosoph und Humanist Johannes Reuchlin studierte ab 1470 in Freiburg i. Br., Basel, Paris, Poitiers und Orléans. 1481 erhielt er das Lizentia des römischen Rechtes in Tübingen, von 1496 bis 1499 war er Professor an der Universität Heidelberg. Ab 1499 arbeitete Reuchlin u. a. in Stuttgart als Rechtsanwalt. 1502/1503 war er schäbiuscher Bunsesrichter, aber 1519 Professor für Griechisch und Hebräisch in Heidelberg und dann in Tübingen.

    Bekannt wurde Reuchlin durch seinen öffentlich ausgetragenen Streit mit dem Juden Johannes Pfefferkorn, dessen von den Kölnr Dominkanern unterstützte Forderung nach Verbrennung der nichtbiblischen jüdischen Schriften Reuchlin entschieden ablehnte.

    Reuchlin ist beeinflußt von der Akademie in Florenz, von der Kabbala und von Nicolaus Cusanus.

     

    Richard von St. Victor (gest. 1173)

    Richard von St. Victor ist Schüler und Nachfolger des Hugo von St. Victor. Er war Prior und Lehrer im Kloster St. Victor in Paris.

    Er unterscheidet drei Arten der Erkenntnis:

    • Denken bzw. Vorstellen (cogitatio),
    • Nachdenken (meditatio) bzw. begriffliches Verstandesdenken,
    • Kontemplation (contemplatio), d.h. geistige Schauung durch den Intellekt, der das Übersinnliche unmittelbar und einheitlich erfaßt.

    Es gibt sechs Stufen der Kontemplation:

    • Die erste beruht auf der bildlichen Einbildungskraft (imaginatio), vermöge der wir die göttliche Kraft und Güte bewundern.
    • Die zweite wendet sich dem Grunde und Zweck der Welt zu.
    • Die dritte erhebt sich schon zum Himmlischen, aber noch vermittelst der Einbildungskraft.
    • Die vierte Stufe erfaßt die Vernunft rein durch sich selbst, das Übersinnliche und Göttliche.
    • Die fünfte Stufe übersteigt schon die Vernunft.
    • Die sechste, welche außer der Vernunft liegt, erfaßt die göttlichen Mysterien.

     

    Heinrich Rickert (1863 - 1936)

    Der deutsche Philosoph Heinrich Rickert ist ein Hauptvertreter der Südwestdeutschen Schule. Er war von 1894 bis 1916 Professor in Freiburg und ab 1916 in Heidelberg .

    Rickert befaßte sich vor allem mit den Problemen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung und der Begriffsbildung in der Geschichtswissenschaft.

    Die Geschichtswissenschaft ist nach Rickert eine individualisierende Wissenschaft. Sie kann historische Personen und Ereignisse nur im Zusammenhang mit den Werten dieser Personen oder den Werten jener Zeit verstehen.

    Ob bestimmte Werte für eine bestimmte Kultur von Bedeutung sind oder nicht, läßt sich - so Rickert - empirisch feststellen. Aus diesem Grund ist das, was der Historiker als bedeutungsvoll auswählt, nicht von seiner besonderen Privatmeinung her bestimmt.

    Rickert bestreitet, daß alle kulturellen Werte an einen historischen Ort gebunden seien. Wie den Naturwissenschaften absolute Voraussetzungen zugrunde liegen, so setzen die Kulturwissenschaften, zu denen die Geschichtswissenschaft zählt, unbedingte, allgemeingültige und formale Werte voraus, von denen her sich alle Kulturen beurteilen lassen.

     

    Alois Riehl (1844 - 1924)

    Der österreichische Philosoph Alois Riehl ist Neukantianer und wird dem Neokritizismus zugerechnet.

    Alois Riehl verfaßte ein umfangreiches historisches und systematisches Werk über den Kritizismus, das den Schwerpunkt auf die Kantische Erkenntnistheorie legt. Dabei versucht Riehl diese Kants Erkenntnistheorie zu entfalten, z. B. indem er sie zur Entwicklungslehre Darwins in Beziehung setzte.

    Außerdem überdies entwarf Riehl eine realistische Metaphysik.

    Nach Riehl ist die Logik die Theorie der allgemeinen, widerspruchslosen Relationen zwischen Objekten überhaupt.

    Bei Riehl haben u. a. Hans Driesch, Eva Sachs und Richard Hönigswald gehört.

     

    Robert von Melun (gest. Ende 12. Jh.)

    Robert von Melun ist ein Vertreter des Begriffsrealismus.

     

    Jean Baptiste Robinet (1735 - 1820)

    Jean Baptiste Robinet verließ bald den Jesuitenorden, in den er eingetreten war, und war schriftstellerisch tätig. In Amsterdam gab er sein Hauptwerk De la nature zunächst anonym heraus (1761). 1778 kehrte er nach Paris zurück und wurde königlicher Zensor. Zu Beginn der Revolution ging Robinet nach Rennes.

    Robinet ist u. a. von Locke, Condillac, Leibniz und Buffon beeinflußt.

    Er vertritt eine organische, hylozoistische Weltanschauung. In erkenntnistheoretischer Beziehung ist er Sensualist. Alle Erkenntnis geht aus der Sinnesempfindung hervor.

    Das Sein, die Existenz bestimmt er als bloße Position, als Gegensetzung zum Nichts. Das innerste Wesen der Dinge ist unbekannt, wir erkennen nur die Erscheinungen der Dinge. Auch von unserer Seele kennen wir nicht die Substanz, sondern nur ihre Fähigkeiten.

    Die Kausalität des Geschehens können wir nicht wahrnehmen.

    Das Wesen Gottes ist unerkennbar, wenn wir auch wissen, daß Gott der Schöpfer der Welt ist, die er ewig erhält, während er selbst zeitlos ist.

    Die Welt besteht aus organischen Keimen, die eine Entwicklungskraft haben, vermöge der sich alles einheitlich und stetig entfaltet hat. Das Leben ist etwas Ursprüngliches und Allgemeines (Panvitalismus).

    Alle Wesen sind Variationen eines Urtypus (prototype), deren Endziel die Bildung des Menschen sind. Es besteht in der Natur eine Progression, wonach zuerst die einfacheren, dann erst die komplizierteren Formen entstehen.

    Die psychischen Vorgänge erklärt Robinet aus ihrer Abhängigkeit von den Funktionen der sensitiven, intellektuellen und volitiven Hirnfibern und deren Schwingungen.

    Wie Hutcheson nimmt Robinet einen moralischen Sinn (moral sense) an, der das Gute und Böse unmittelbar empfindet. Gut ist jede Handlung, die das allgemeine Wohl fördert. Die Übel in der Welt sind notwendig, weil die Dinge endlich sind. Zwischen den Gütern und Übeln besteht Gleichtgewicht im Ganzen. Über das Dasein des Bösen muß man sich durch den Genuß des Guten trösten.

     

    Abraham Robinson (1900 - 1974)

    Der amerikanische Mathematiker und Logiker Abraham Robinson ist einer der Begründer der Modelltheorie.

    Ausgehend von speziellen Problemen der Metamathematik der Algebra, z. B. der Anwendung des Kompaktheitstheorems der mathematischen Logik und anderer Theoreme der Metamathematik, baute er in den 50er und 60er Jahren des 20. Jh. eine algebraische Modelltheorie auf.

     

    Jacques Rohault (1620 - 1672)

    Der Cartesianer Jacques Rohault verfaßte eine noch für das 18. Jahrhundert als Lehrbuch der cartesianischen Mechanik geltene Physik (1671). Er gründete eine Art Descartes-Gesellschaft mit Vorträgen und physikalischen Darbietungen.

    Pierre Sylvain Régis ist sein Schüler.

     

    Karl Rosenkranz(1805 - 1879)

    Der deutsche Philosoph Karl Rosenkranz studierte in Berlin, Halle und Heidelberg. 1831 wurde er außerordentlicher Professor für Philosophie in Halle, 1833 ordentlicher Professor in Königsberg. 1848 stand Rosenkranz für kurze Zeit im Dienst des preußischen Kultusministeriums.

    Rosenkranz betrachtete sich selbst als Hegelianer. Er bewahrte jedoch Hegel gegenüber seine Selbständigkeit.

    Er schließt sich den Rechtshegelianern in der Auffassung an, der Gedanke einer individuellen Unsterblichkeit sei mit dem Hegelschen System vereinbar.

    Rosenkranz unterscheidet die subjektive Logik von der (objektiven) Ideologie.

    Sein Werk Psychologie oder die Wissenschaft vom subjectiven Geist (1837) übte u. a. auf Kierkegaards Abhandlung über den Begriff Angst (1844) großen Einfluß aus.

     

    William David Ross (1877 - 1973)

    Der englische Philosoph William David Ross war von 1928 bis 1947 Professor in Oxford.

    In den Werken The Right and the Good (1930) und Foundations of Ethics (1939) legt Ross eine intuitionistische Beschreibung der ethischen Erkenntnis vor. Wie Moore und Prichard betrachtet Ross das moralisch Gute als eine undefinierbare, nichtnatürliche Eigenschaft von Handlungen.

    Große Verdienste kommen Ross als Übersetzer, Herausgeber und Kommentator der Werke des Aristoteles zu.

     

    Erich Rothacker (geb. 1888)

    Erich Rothacker ist ein Vertreter der philosophischen Anthropologie. Er hat auch eine gewisse Nähe zur Lebensphilosophie.

     

    Jean-Jacques Rousseau (1712 - 1778)

    Der Schweizer Philosoph, Schriftsteller und Musiker Jean-Jacques Rousseau ist einer der ideellen Wegbereiter der Französischen Revolution.

    In Genf geboren und als Halbwaise dort aufgewachsen, brach Rousseau seine Lehre als Kupferstecher ab und verließ sechzehnjährig seine Vaterstadt. Es folgten vier Wanderjahre. 1732 ließ er sich bei seiner Gönnerin und Geliebten Mme de Warens in Chambéry nieder und zehn Jahre vor allem mit autodidaktischen Studien zur Philosophie, Theologie, Naturwissenschaften und Musik.

    Danach wohnte Rousseau teils in Venedig, teils in Paris. Ab 1745 lebte Rousseau in Paris. Hier verkehrte Rousseau im Kreis der Enzyklopädisten.

    1755-1762 entstanden Rousseau große und berühmte Schriften. 1762 wurden diese verboten. Rousseau sollte verhaftet werden und floh in die Schweiz. 1766 folgte er einer Einladung von D. Humes nach England. Rousseau kehrte 1767 nach Frankreich zurück.

    1750 beantwortete Rousseau die Preisfrage, ob der Fortschritt von Wissenschaft und Kunst zur Läuterung von Sitten und Moral beigetragen habe (Discours sur les sciences et les arts) in fortschrittspessimistischer Weise.

    Rousseau entwickelt die Vorstellung einer Frühzeit der menschlichen Gesellschaft, eines Naturzustands, der noch nicht durch Arbeitsteilung, soziale Differenzierung und Privateigentum sowie die mit diesen Phänomenen einhergehende Entfremdung bestimmt ist. Rousseaus Discours wurde ausgezeichnet.

    Im Discours sur l'origine et les fondements de l'inégalité parmi les hommes (1755) werden die sozial- und zivilisationskritischen Gedankengänge weiterentwickelt.

    Im Naturzustand ist der einzelne ein autarkes, durch Selbstliebe geprägtes Individuum, welches sich selbst erhalten will, ohne andere zu schädigen. Wird die Selbstliebe von der Selbstsucht verdrängt, entsteht eine Gesellschaft, in der der Mensch durch den Menschen versklavt wird. Recht und Staat sowie das von ihnen garantierte Eigentum sind die Folgen. Eine Rückkehr zum Naturzustand ist unmöglich. Deshalb denkt Rousseau im folgenden über die Verbesserung der Menschen und über eine legitime politische Ordnung nach.

    In Du contrat social ou principes du droit politique (1762) entwickelt Rousseau eine in der Vertragstheorie fundierte Staatsphilosophie, die auf die Französische Revolution und auf die Rechtsphilosien von Kant, Fichte, Hegel und Marx großen Einfluß hatte.

    Sein Erziehungsroman Émile ou de l'éducation (1762) hatte einen großen Einfluß auf die entwicklung der Pädagogik. Ziel der gelungenen Erziehung ist Emiles Liebes- und Toleranzfähigkeit sowie seine soziale und familiäre Bindung in kritischer Loyalität. Der Erzieher hat die Aufgabe, die Anlagen und Fähigkeiten des Individuums den verschiedenen Kindes- und Jugendaltern gemäß zu wecken und sich entwickeln zu lassen.

     

    Henricus Regius (1598 - 1679)

    Der holländische Arzt Henricus Regius (Hendrik van Roy) ist Cartesianer. Er versuchte die Seele als besondere Eigenschaft der Materie zu erklären.

     

    Josiah Royce (1855 - 1916)

    Der amerikanische Philosoph Josiah Royce war Professor an der Harvard University.

    Er ist Schüler von Lotze und gehört zur Schule des absoluten Idealismus. Die Individuen und ihre Erfahrungen sind - so Royce - als Manifestationen eines absoluten Prinzips oder eines absoluten Willens aufzufassen.

    Royce hat den Pragmatismus kritisiert.

     

    Wladimir Alexandrwitsch Rudnew (1874 - 1939)

    Der russische Philosoph und Ökonom Wladimir Alexandrwitsch Rudnew (Pseudonym: W. Bazarow) nahm ab 1896 an der sozialdemokratischen Bewegung teil. In den Jahren 1905 - 1907 arbeitete er an verschiedenen bolschewistischen Publikationen und übersetzte zusammen mit I. I. Skworzow-Stepanow das Kapital von Marx ins Russische.

    Rudnew verband den Marxismus mit dem Posititionen von Mach.

     

    Jan van Ruysbroeck (gest. 1381)

    Der Weltpriester Jan van Ruysbroeck (Johannes Rusbroek) war Prior im Kloster Grünthai bei Brüssel. Er ist ein Mystiker aus der Schule von Eckhart.

    Er unterscheidet emanierende und hineinziehende Eigenschaften Gottes, der Einheit von Vater, Sohn (Wahrheit) und Liebe. In der Kontemplation wendet sich unser Geist dem göttlichen Licht zu, mit dem er sich vereinigt.

     

    Bertrand Russell (1872 - 1970)

    Der Philosoph, Logiker, Mathematiker und Sozialkritiker Bertrand Russell studierte Mathematik und Philosophie am Trinity College in Cambridge, wo er 1895-1901 als Fellow und 1910-1916 als Dozent für Logik und Mathematik arbeitete.

    In dieser Zeit lernte er Ludwig Wittgenstein kennen, der ihn eine Zeit lang maßgeblich beeinflußte.

    Aufgrund seines aktiven Pazifismus verlor Russell seine Dozentur. 1918 mußte er eine halbjährige Gefängnisstrafe absitzen. Zwischen den Weltkriegen bereiste Russell China, Sowjet-Rußland und die Vereinigten Staaten.

    Von 1927-1934 leitete er mit seiner zweiten Frau das Schulprojekt Beacon Hill. Erst 1939 konnte Russell die regelmäßige akademische Tätigkeit wiederaufnehmen, zunächst an verschiedenen amerikikanischen Universitäten. Ab 1944 war er wieder am Trinity College.

    Russell war beeindruckt von der Gewißheit der mathematischen Erkenntnis, der Sinneserfahrung und der Naturwissenschaft. Dieser Gewißheit glaubte er am ehesten durch den Nachweis gerecht zu werden, daß die Mathematik ein Teil der Logik ist. Daher schloß er sich Freges Programm des Logizismus an, durch welches alle mathematischen Begriffe definitorisch auf Begriffe der Logik zurückgeführt werden und alle mathematischen Theoreme auf der Basis solcher Definitionen unter ausschließlicher Benutzung logischer Prinzipien bewiesen werden sollten.

    In On Denoting (1905) entwickelte Russell eine Kennzeichnungstheorie, die noch heute in der analytischen Philosophie umstritten ist.

    Nach Russell sind Kennzeichnungen keine Terme, sondern unvollständige Symbole, die nur im Zusammenhang eines Satzes Bedeutung haben. In der logischen Tiefenanalyse verschwinden Kennzeichnungen zugunsten von Prädikaten und Quantoren. So wird Dieses F ist G analysiert als Mindestens ein Ding ist F, und höchstens ein Ding ist F und Was immer F ist, ist G.

    Sätze der Form Dieses F existiert werden umschrieben als Mindestens ein Ding ist F, und höchstens ein Ding ist F.

    Bei seinen Bemühungen um die logische Grundlegung der Mathematik stieß Russell auf eine Paradoxie, die man heute Russell's Paradoxie nennt.

    Aus dem Bestreben, das logizistische Programm unter Vermeidung der mengentheoretischen und verwandten Paradoxien für die gesamte Mathematik anzuwenden, erwuchsen die gemeinsam mit A. N. Whitehead verfaßten Principia Mathematica (1910-1913).

    Die dort gegebene Analyse der Antinomien beruht auf dem Grundgedanken, sie kämen durch fehlerhafte Zirkel im Definieren zustande.

    Russell und Whitehead entwickeln die Typentheorie, die davon ausgeht, daß die logisch-mathematischen Gegenstände eine Hierarchie von Typen bilden.

     

    Leonid Wassiljewitsch Rutkowski (1859 - 1920)

    Der russische Logiker und Logikhistoriker L. W. Rutkowski, Nachfolger von Karinski, untersuchte vor allem mittelbare Schlüsse.

    Alles Wissen teilte er in empirisches, durch unmittelbare Beobachtung zu erwerbendes, und abgeleitetes, mit Hilfe des Schließens zu erwerbendes, Wissen.

    Schließen nannte er den Denkakt, in dem neue Kenntnisse unabhängig von der unmittelbaren Wahrnehmung, aufgrund bereits vorhandener Kenntnisse erhalten werden.

    Rutkowski versuchte die Klassifikation der mittelbaren Schlüsse zu verbessern und fand folgende Grundtypen:

    Wahrscheinlichkeitsschlüsse zählte Rutkowski zu den eduktiven Schlüssen.

    Rutkowski kritisierte die Überbewertung der Induktion bei Mill.

     

    Jan Rutski (1900 - 1939)

    Jan Rutski ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.

     

    Jan van Ruysbroeck (gest. 1381)

    Der Weltpriester Jan van Ruysbroeck (Johannes Rusbroek) war Prior im Kloster Grünthai bei Brüssel. Er ist ein Mystiker aus der Schule von Eckhart.

    Er unterscheidet emanierende und hineinziehende Eigenschaften Gottes, der Einheit von Vater, Sohn (Wahrheit) und Liebe. In der Kontemplation wendet sich unser Geist dem göttlichen Licht zu, mit dem er sich vereinigt.

     

    Gilbert Ryle (1900 - 1976)

    Der englische Philosoph Gilbert Ryle war von 1945 bis 1968 Professor in Oxford. Er ist eine zentrale Figur der Oxford Philosophy.

    Abgesehen von der Beschäftigung mit der Phänomenologie und mit philosophiegeschichtlichen Themen, besondersan Platon, widmet sich Ryle. in seinen Arbeiten in erster Linie Fragen nach der Aufgabe und Methode der Philosophie.

    Die Philosophie - so Ryle - hat eine negative und eine positive Aufgabe. Die negative Aufgabe besteht darin, die Begriffsverwirrungen zu klären, die aus der Verwechslung der grammatischen mit der logischen Form eines Satzes erwachsen.

    Die positive Aufgabe der Philosophie besteht darin, die logische Geographie oder informelle Logik unserer Begriffssysteme aufzudecken. Die Methode besteht darin, systematisch zu ergründen, was im alltäglichen Sprachgebrauch ohne Absurdität gesagt werden kann und welche informellen Beziehungen bestimmte Aussagen zu anderen Aussagen haben, etwa ob sie sie voraussetzen oder implizieren.

    Diese Theorie wird als logischer (oder hypothetischer) Behaviorismus bezeichnet.

    In späteren Arbeiten hat Ryle die Bedeutungstheorie ausgebaut, die hinter seiner philosophischen Methode steht. Er versteht die Beschreibung des Sinns von Wörtern als Beschreibung ihres Gebrauchs, d. h. ihrer Funktion im allgemeinen Sprachgebrauch. Dabei kritisiert er die Anwendung von formalen Methoden in der philosophischen Semantik, u. a. bei Carnap und Quine, in der er eine verfehlte Sprachauffassung sieht, die den Sinn sprachlicher Ausdrücke letztlich auf deren bestimmte Zuordnung zu Gegenständen der Wirklichkeit zurückführt, d. h. sie als Namen für die Gegenstände versteht.

    Ryle nennt diese Auffassung Fido-Fido-Theorie. Er sieht in ihr den Grund für viele philosophische Begriffsverwirrungen.

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