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Philosophenlexikon D von http://www.philosophenlexikon.de Alle Links zu http://www.phillex.de und http://www.philosophenlexikon.de funktionieren, allerdings habe ich sie nicht auf ihre jetzige Aktualität überprüft. E. DacquéE. Dacqué ist ein Vertreter des methodischen Holismus. Anknüpfend an Lamarck vertritt er den Standpunkt, daß sowohl die niederen als auch die höheren Lebewesen im Grunde genommen verfehlte Versuche sind, die in der Idee des Menschen vollendete Ganzheit hervorzubringen. Die Entwicklung kann - so Dacqué - folglich nicht als Evolution von niederen zu höheren Formen betrachtet werden.
Damo (ca. 500 v. u. Z.)Damo war Tochter der Theano von Kroton und des Pythagoras sowie Schwester von Arignote, Myia, Telauges und Mnesarchos. Sie ist Mutter der Pythagoreerin Bitale. Einem Brief des Lysis zufolge vertraute Pythagoras seine Aufzeichnungen seiner Tochter Damo zur Aufbewahrung an, mit der Bitte, die Niederschriften "niemandem zu übergeben, der nicht zum Hause gehöre" (Diog. Laërtius, Leben und Meinungen berühmter Philosophen, VIII 42). Damo gabe die pythagoreischen Aufzeichnungen ihrer Tochter Bitale weiter.
Izydora Dambska (1904-1983)Die Logikerin Izydora Dambska ist eine Vertreterin der Lwow-Warschau-Schule.
Charles Darwin (1809 - 1882)Charles Darwin ist für die Philosophie durch seine Entwicklungslehre von Bedeutung. Darwin hat eine ganze Reihe von Evolutionisten zu Vorläufern. Dazu gehören u. a. Empedokles, Lamarck, Erasmus Darwin, Goethe, Owen und Spencer. Von Darwin stammt die Selektionstheorie. Die Arten sind nicht von Anfang an fertig geschaffen worden, sondern haben sich aus wenigen niedrigsten Formen von Lebewesen erst entwickelt. Sie sind durch Stabilisierung von Varietäten entstanden und viele Arten sind bereits untergegangen. In der Natur gibt es nicht nur Zweckursachen. Die Zweckmäßigkeit ist das notwendige Resultat natürlicher, rein kausal wirkender Faktoren. Die organische Entwicklung erfolgt meist durch allmähliche Anhäufung kleiner Variationen, die sich vererben. Wie Malthus setzt Darwin voraus, daß die Vermehrung der Lebewesen stets über das Maß erreichbarer Lebensmittel hinausgeht. Dies führt zu einem Kampf ums Dasein (struggle for life). Der Kampf ums Dasein ist ein Wettbewerb um die Existenzbedingungen, bei dem die relativ lebensfähigsten, Individuen und Arten sich erhalten (natürliche Auslese). Die Variationen, welche bei den Individuen auftreten, werden vererbt und indem die Selektion wiederholt die günstigen Variationen zum Weiterbestand gegenüber den mit ungünstig ausgestatteten Individuen bringt, entstehen, oft erst nach langen Zeiträumen, aus Varietäten neue Arten. Durch die Selektion erfolgt die Anpassung an die Lebensbedingungen. Diese Anpassung ist passiv und indirekt. Es gibt aber auch eine aktive und direkte Anpassung, denn Milieu und Funktion (Übung) spielen auch eine Rolle als Entwicklungsfaktoren. Neben der natürlichen gibt es auch eine sexuelle Auslese im Wettbewerb der Männchen um die Weibchen. Der Mensch hat sich aus affenartigen Vorfahren (nicht aus einer lebenden Affenart) entwickelt. Auch die psychischen und sittlichen Eigenschaften des Menschen sind das Produkt einer Entwicklung. Unter den auf vererbten Gewohnheiten beruhenden Instinkten der Tiere befinden sich auch schon soziale Triebe. Diese Triebe sind die Quelle der Sittlichkeit beim Menschen. Die sittlichen Gefühle sind durch Selektion aus sozialen Impulsen hervorgegangen. Ziel des sittlichen Handelns ist das allgemeine Wohl, das nicht in Lust, sondern in Lebenstüchtigkeit besteht.
Erasmus Darwin (1731 - 1802)Der Arzt Erasmus Darwin ist ein Großvater von Charles Darwin. Die veränderten Lebensbedingungen bewirken eine Anpassung der Organismen. Erasmus Darwin geht von Hartley aus und leitet die Materialität des Psychischen aus der Tatsache gemeinsamer körperlicher Eigenschaften ab. Erasmus Darwin betont die Bedeutung der Assoziation für das Seelenleben.
David der Armenier (5. - 6. Jh.)Der armenische Philosoph und Logiker David der Armenier (auch: David Anacht oder David der Unbesiegbare) studierte in Konstantinopel, Athen und Alexandria. Er übersetzte mit seinen Schülern die Kategorien und De interpratione von Aristoteles ins Armenische und kommentierte diese Schriften. Er übersetzte und kommentierte auch die Einführung in die Kategorien des Aristoteles von Porphyrios. David der Armenier übersetzte u. a. auch Werke von Platon. David der Armenier befaßte sich intensiv mit Definitionen, wobei er insbesondere die Wechselbeziehung zwischen Bezeichnung und Definition, die Genese der Definitionen, ihre Arten, besonders die genetische Definition - und die Grundlagen untersucht, auf denen sie beruhen. David der Armenier fordert die Vollständigkeit einer Definition, betont ihre gnoseologische Bedeutung und betrachtet die Beziehung zwischen Definition und Verfahren, die sie ersetzen können. David der Armenier behandelt die Beziehungen zwischen den Regeln des deduktiven Schließens und induktiven Schließens sowie die Analogieschlüsse. Die Erkenntnis selbst unterteilte David der Armenier in fünf Stufen: Empfindung, empirisches Wissen, Kunst, wissenschaftliches Wissen und Philosophie. Die Philosophie ist die höchste Erkenntnisstufe. Sie operiert mit ewigen und unbestreitbaren Wahrheiten.
David von Dinant (gest. um 1200)David von Dinant, ein Vertreter der Schule von Chartres vertritt unter dem Einfluß von Avencebrol und Johannes Scotus Eriugena einen Pantheismus. Gott, Geist, Materie sind dem Wesen nach eins. Die Körper bestehen aus der Materie (Hyle), die Seelen aus dem Geist (nous, Noys). In den ewigen Substanzen ist das primum indivisibile Gott. Die Formen sind nur sinnliche Erscheinungen der einen, materiellen und zugleich geistigen und göttlichen Substanz.
Tullia d'Aragona (1508/10 - 1556)Tullia d'Aragona wurde in Rom geboren. Sie stammte aus einem adligen Haus. Ihr Vater war vermutlich Pietro Tagliavia von Aragon, Erzbischof und Kardinal, der Geliebte ihrer Mutter Giulia Ferrarese, die mit Constanzo Palmieri verheiratet war. Bekannte Dichter und Wissenschaftler gehörten zu ihrem Freundeskreis (Guilio Camillo, Francesco Maria Molza, Kardinal Hypolitos von Medici, Ercole Bentivolglio, Filippo Strozzi, Lattanzio Benucci, Benedetto Varchi, Girolamo Muzio, Pietro Manelli). Sie gilt als eine der berühmtesten Kurtisanen der Renaissance. Die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte sie in Ferrara und Rom, wo sie bis zum Tod ihres Mannes wohnte. Als Witwe begab sie sich unter den Schutz der Herzogin von Toledo, mit deren Unterstützung sie ein Buch mit Versen und Gedichten herausbrachte, die von ihr und ihren Verehrern verfaßt worden waren. Außerdem schrieb sie den Dialog Über die Unendlichkeit der Liebe, der 1547 in Florenz erschien und Casimo I. de Medici gewidmet war. Die Form der dialoghi geht auf Pietro Bembo zurück. Benedetto Varchi, der wichtigste Gesprächspartner von Tullia d'Aragona in dem Dialog, hatte den Dialog durchgesehen. Ein weiterer Gesprächspartner ist Muzio Lattanzio Benucci. Tullia d'aragona schreibt sich die Rolle der Schülerin zu, die Fragen stellt, die dann von Varchi beantwortet werden. Allerdings wird diese Rolle nicht starr durchgehalten. Inhaltlich bezieht sich der Dialog auf Platons Symposion und den Phaidros, sowie auf die zeitgenössischen Autoren Marsillio Ficino, Sperone und Pietro Bembo. Der Dialog diskutiert u.a. Fragen zum Verhältnis von Rhetorik und Logik, zur Verbindung zwischen platonischen und aristotelischem Denken, die Begriffe Unendlichkeit und Unsterblichkeit sowie das Liebesideal Petrarcas. Ansatzpunkt ist die Frage, ob Liebe unendlich sein müsse, oder ob es möglich sei, mit Maß und Grenze zu lieben. Den Beweis, daß Liebe kein Ende kenne, führt Varchi, indem er auf den Unterschied zwischen dem Substantiv Liebe und dem Verb lieben reflektiert. Anhand grammatikalisch-logischer Überlegungen kommt die Philosophin zu dem Schluß, daß Liebe als Substantiv, dem Verb lieben gegenüber eine höhere Stellung zukomme. Damit stimmt sie mit Varchi der aristotelischen Theorie von der Überlegenheit der Substantive (Nomen) über das Akzidenz (Verb) zu. Tullia d'Aragona räumt dem Geliebten den höheren Wert ein und belegt dies am Beispiel Gottes, der Liebender und Geliebter zugleich ist. Verschiedene Exkurse führen das Gespräch zu den Fragen, ob die Seele allein oder zusammen mit dem Körper als edler einzustufen sei und wie man die Liebe definieren solle. Varchi stellt fest, daß die Liebe kein Ende und Ziel hätte, daß Liebe und Lieben nur der Zeit, nicht der Substanz nach unterschiedlich seien und daß die Liebe die Ursache des Liebens sei. Tullia d'Aragona rät ein, daß es Liebende gäbe, die lieben, um ein Ziel zu erreichen, und wenn sie dies geschafft haben, aufhören zu lieben. Nach Varchi liegt in diesem Fall keine Liebe vor, sind es in diesem Fall keine Liebenden. Tullia d'Aragona unterscheidet dementsprechend zwei Arten von Liebe. Die eine nennt sie "gemein und ehrenhaft", die andere "aller Ehre würdig oder tugendhaft". Letztere wird nicht durch Leidenschaften hervorgerufen, sondern durch Vernunft. Das Ziel der Liebenden besteht darin, sich in den Gegenstand der Liebe verwandeln, um zu einer Vereinigung zu gelangen. Die Vereinigung findet nicht auf körperlicher, sondern auf geistiger Ebene statt. Anders als Platon betont Tullia d'Aragona (und darin stimmt sie Varchi zu), daß auch Frauen zu einer solchen unendlichen Form der Liebe fähig sind. Zeitweise war die Philosophin mit ihren Gedichten, Rime, und ihrem Dialog recht erfolgreich, starb aber 1556 verarmt als Prostituierte.
Augustus de Morgan (1806 - 1871)Der schottische Mathematiker und Logiker Augustus de Morgan ist der Begründer der logischen Theorie der Relationen. Er befaßte sich sowohl mit einfachen, der einstelligen Subjekt-Prädikat-Verbindung der Urteile der traditionellen Logik, als auch mit mehrstelligen Relationen. De Morgan formulierte wichtige Zusammenhänge der Aussagen- und der Klassenlogik. Er arbeitete die Relationenalgebra aus, in der er vor allem die Summe, das Produkt und die Komposition von Relationen untersuchte und sich zudem intensiver mit der Transitivität von Relationen beschäftigte. Nach de Morgan sind die de Morganschen Regeln benannt worden, die allerdings schon im 16. Jahrhundert vom indischen Logiker Siroman Raghunatha angewendet wurden.
Giorgio Del Beccio (geb. 1878)Giorgio Del Beccio wurde 1904 ordentlicher Professor in Ferrara, 1906 in Sassari, 1909 in Messina, 1911 in Bologna und 1929 in Rom. Del Beccio wollte die Philosophie des Rechts auf kritischer Grundlage erneuern. Del Beccio arbeitete an der Lösung der Fragen des Verhältnisses zwischen Staat und Moral und zwischen Staat und Recht.
Gilles Deleuze (geb. 1925)Der französische Philosoph Gilles Deleuze (geb. 1925) ist insbesondere von Bergson beeinflußt. Er kritisiert die dialektische Philosophie, weil sie die Unterschiede (speziell die in der Zeit) in einer höheren Identität vereint sieht. Dadurch unterdrückt sie nach Deleuze den Unterschied als solchen. Nach dem Mai 1968 versuchte Deleuze die Begierde (das Unbewußte) im Zusammenhang mit dem Problem der Macht (dem Politischen) zu analysieren. Diese Analyse, knüpft vor allem an Nietzsche an.
DemetriusDer kynische Philosoph stand mit seinen Theorien den Stoikern, insbesondere Epiktetos, nahe. Er betonte den Begriff der Anstrengung und diskutierte über das Wesen der Seele und ihre Trennung vom Körper. Seneca, der von ihm beeinflußt wurde, bezeichnet ihn als einen der besten Männer seiner Zeit.
Demokritos von Abdera (460 - 371 v. u. Z.)Abdera war zur Zeit des griechischen Philosophen Demokritos (auch Demokrit) als wichtiger Warenumschlagspunkt - es lag am Handelsweg zwischen Thrakien und Persien - auch ein kulturelles Zentrum. Hier wirkte auch Protagoras, Hippokrates. Von den Alten wird berichtet, daß Demokrit ausgedehnte Bildungsreisen unternahm, die ihn nach Ägypten, Babylon, Persien und Indien gewführt haben sollen. Diese Reisen verschlangen das vom Vater ererbte Vermögen. Die Verschleuderung ererbter Vermögen war strafbar. Demokrit wurde deswegen vor Gericht gestellt. Er sagte nichts zu seiner Verteidigung, sondern las nur aus seinen Werken vor. Das überzeugte die Richter davon, daß er sein Erbe wohl angelegt hätte. Die Ausgangsfrage Demokrits ist traditionell: Was ist das in Wahrheit Seiende? Demokrits Antwort: "in Wirklichkeit gibt es nur die Atome und das Leere" [119 fr. 125]. Nach Aristoteles können wir die Zeit hinzufügen: "... die Zeit sei unentstanden, und hierdurch beweist Demokrit die Unmöglichkeit, daß alles auf der Welt entstanden sei." [Aristoteles, Physik VIII 1251 b 16]. Zenons Analyse der unendlichen Teilbarkeit hatte zu paradoxen Resultaten geführt. Deshalb stellte Demokrit die Antithese auf: Es existieren letzte, unteilbare Teilchen, eben Atome, Bausteine aller Dinge. Den Atomen kommen Eigenschaften zu, die auch Parmenides dem Sein zugedacht hatte: Ewigkeit, Unveränderlichkeit, Unteilbarkeit, Kompaktheit, das heißt keine Leere kennend. Demokrit nimmt im Gegensatz zur Eleatik jedoch kein unbewegliches Sein, sondern unendlich viele, im Raum sich bewegende Atome als das wahrhaft Seiende an. Im Unterschied zur Auffassung des Empedokles über die Elemente Teilchen und zu Anaxagors' Spermata sind die Merkmale, duch die sich die Atome voneinander unterscheiden, quantitativer Natur: Sie unterscheiden sich durch Gestalt, die mit der Größe verbunden ist, durch die Lage und durch die Anordnung. Aristoteles hat das am Buchstaben-Modell illustriert. Die Atome unterscheiden sich:
Die Verkettung der Atome bewirkt das Entstehen, die Auflösung der Verkettung das Vergehen. Es bedarf keiner Kraft, die von außen Entstehen und Vergehen bewirkt, da Bewegung eine wesentliche Eigenschaft der Atome. Demokrit kann daher auf Empedokles' Liebe und Haß und auf Anaxagoras' nous verzichten. Aristoteles hat Demokrit kritisiert, da er nicht erkläre woher die Bewegung komme. Demokrit faßte die Bewegung als bloße Ortsveränderung der Atome und übersah, daß Körper im leeren Raum mit gleicher Geschwindigkeit fallen. Fallen sie aberr mit gleicher Geschwindigkeit, dann bleibt ihre Lage zueinander unverändert; dann kann es aber auch zu keinem Aufprall, zu keinem Wirbel, zu keiner Verkettung der Atome kommen. Diese Dilemma hat Epikur gesehen und zu lösen versucht. Bedingung dafür, daß die Atome sich bewegen können, ist für Demokrit der leere Raum. Da unendlich viele Atome sind, müssen sie getrennt, einzeln sein. Die Leere trennt die Atomme. Damit ist die Leere Beedingung für die Bewegung der Atome und für die Vielheit und Einzelheit. Leerer Raum ist das Nichtsein. Für Demokrit bedingen sich wie für Heraklit Sein und Nichtsein, aber sie stehen als unveränderliches nebeneinanderr. Die Verkettung der Atome ändert sich, nicht aber die Atome oder das Leere. In den einzelnen Dingen ist in unterschiedlichem Maße Leer vorhanden. Enthalten sie viel Leere sind sie wiech, sonst fest. Demokrit kennt keinen Zufall. Demokrits Kausalitätsauffassung läßt immer nur das lineare Ursache-Wirkungs-Verhältnis zu und damit keine Möglichkeit. Demokritos interpretiert den Satz vom zureichenden Grunde daher ontologisch: "Nichts geschieht ohne Ursache, sondern alles hat einen zureichenden Grund." Er sagt auch: "Nicht ein Ding entsteht ohne Ursache, sondern alles entsteht aus irgendeinem Grund und mit Notwendigkeit." Demokrits Kosmologie ergibt sich aus seiner Atom-Theorie: Der unendlich Kosmos ist weder entstanden noch kann er vergehen, wohl aber entstehen und vergehen die unendlich vielen Welten in ihm. Daher hätten auch die Welten ein verschiedenes Alter. Die Entstehung der Welten wird aus der Wirbelbewegung abgeleitet: "Es habe sich ein Wirbel mannigfaltiger Gestalten aus dem All abgesondert." [Simplicius zu Aristoteles Physik 327, 14ff. = 68 A 67]. Das Phänomen des Magnetismus, dem die griechischen Naturforscher offensichtlich besondere Beachtung schenkten, erklärt Demokrit in ähnlicher Weise wie Empedokles. Alexandros von Aphrodisias berichtet: "Demokrit nimmt ebenfalls an, daß Ausflüsse (von den Körpern) stattfinden und daß das Gleiche sich zum Gleichen hinbewegt, daß sich aber auch alles in das Leere hineinbewege. Unter diesen Voraussetzungen nimmt er an, daß der Magnet und das Eisen aus gleichen Atomen bestehen, jedoch der Magnet aus feineren, und daß dieser lockerer und reicher an Hohlräumen als jenes sei, und daß sich deswegen seine (des Magneten) Atome, die leichter beweglich wären schneller auf das Eisen bewegten (denn die Bewegung erfolgt in der Richtung auf das Gleiche) und daß sie, indem sie in die Poren des Eisens eindringen, die in diesem enthaltenen Atome in Bewegung setzten, indem sie infolge ihrer Feinheit durch diese hindurchgehen. Die (Atome des Eisens) aber, einmal in Bewegung gesetzt, bewegten sich ausströmend nach außen und auf den Magneten zu, infolge der Gleichheit (seiner Atome?) und weil er mehr Hohlräume enthalte. Indem diesen (seinen) Atomen dann ddas Eisen folge, bewege es sich infolge der auf ein Mal erfolgenden Ausscheidung (der Atome) und ihrer Bewegung auch selber auf den Magneten zu. - Der Magnet bewegt sich aber seinerseits nicht auf das Eisen zu, weil das Eisen nicht ebensoviel Hohlräume hat wie er." [Alexander von Aphrodisias: Physikalische Untersuchungen II 23 = 68 A 165]. Der Mensch heißt es bei Demokrit, sei "ein Kosmos im kleinen" [72 fr. 34]. Auch der Mensch ist ein bestimmte Art der Verkettung von Atomen. Demokrit, der Begründer der Atomlehre, nach der es in Wirklichkeit nur die unteilbaren kleinsten, qualitativ nicht gesonderten, aber nach Gestalt, Lage und Ordnung im Raume, auch nach Größe und Gewicht verschiedenen Atome und den leeren Raum gibt, mußte auch die Seele unter jensten kleinsten Körpern suchen, aus denen sich alle Gebilde der Erscheinungswelt zusammensetzen. Für Demokrit ist die Seele eine Art Feuer und Warmes [Aristoteles, De anima I 2. 403b 31 - 404a 1]. Gleiches ist von Leukippos überliefert: "Leukippos legte fest, die Seele bestehe aus Feuer." [Aetios 4, 3, 7] Aristoteles schreibt: "Einige Philosophen lehrten, die Seele sei Feuer. Denn dies sei das feinteiligste und am wenigsten körperhafte unter den Elementen, dazu dasjenige, das sich primär bewege und anderes in Bewegung versetzt. Demokrit aber hat auch genauer gezeigt, wieso er diese beiden (Funktionen ausübt). Seele und Geist seien nämlich dasselbe. Dieser Stoff gehöre zu den unteilbaren Primärkörpern, beweglich sei er infolge der Kleinheit seiner Teile und seiner Gestalt. Von den Gestalten aber sei am leichtesten beweglich die Kugelform, und kugelförmig seien der Geist und das Feuer." [Aristoteles, De anima I 2. 405a 5ff.]. Die Seele ist also nach Demokrit ein Komplex der runden, glatten, feurigen, also beweglichen Atome. Die Frage, ob Feuer und Seele nach Leukippos und Demokrit identisch sind oder ob sie sich lediglich aus gleichartigen Atomsorten aufbauen, ist in der Forschung umstritten. Demokrit leugnete die Existenz des Geistes also nicht. Die Scheidung von Seele und Geist spielt in der Seelenlehre Aristoteles ein große Rolle. Die Seelenatome des Demokrit vergehen ebenso wie die anderen Atome nicht. Die Seelenatome zerstreuen sich beim Tode. Eine Fortdauer der Seele nach dem Tode, eine Unsterblichkeit, in welchem Sinne man sie auch interpretieren mag, wird hier wohl zum ersten Mal in der griechischen Philosophie ausdrücklich zurückgewiesen. "In der Meinung, daß sich etwas fortbewege, vermöge nicht ein anderes zu bewegen, faßten sie die Seele als ein Bewegtes." [Aristoteles, De anima I 2. 403b 29ff.] Zwischen je zwei andere Atome eingeschaltet ist das Seelenatom, welches diesen seine Bewegung mitteilt, sowohl die körperliche Bewegung als auch die auf Bewegung beruhende Wahrnehmung und das darauf begründete Denken eben dieses Körpers. Für Leukippos ist die Seele kugelförmig, "weil die so beschaffenen Formen am ehesten alles durchdringen und das übrige bewegen können, indem sie selbst bewegt sind ..." [Aristoteles, De anima I 2. 404a 6ff.] "Manche sagen, die Seele bewege den Körper, in dem sie ist, so wie sie selbst sich bewegt. Zu ihnen gehört Demokrit, der die gleiche Ansicht ausspricht wie der Komödiendichter Philippos. Der sagt nämlich, Daidalos habe die hölzerne Aphrodite dadurch in Bewegung gesetzt, daß er ihr Quecksilber eingoß. In gleicher Weise äußert sich auch Demokrit. Er sagt nämlich, wenn die unteilbaren Kügelchen sich bewegen, reißen sie dadurch, daß sie ihrer Natur nach nie zum Stillstand kommen, den ganzen Körper mit sich fort und bringen ihn in Bewegung." [Aristoteles, De anima I 3. 406 b 15ff.] "Demokrit behauptet, der Körper werde von der Seele bewegt ... Wenn nun die Seele in dem ganzen wahrnehmenden Körper verteilt ist, befinden sich in ihm mit Notwendigkeit zwei Körper, sofern nämlich auch die Seele eine Art Körper ist." [Aristoteles, De anima I 5. 409a 32ff.]. Es wird gerade am Beispiel von Demokrit die enge Verwobenheit der Seele als Bewegung und als Körperliches deutlich. Die Atmung ist nach Demokrit bestimmend für das Leben [vgl. Aristoteles, De anima I 2. 404a 10]. Die Einatmung der Weltstoffe als Bedingung des Lebens des Individuums erinnert an Heraklit. Der Zweckbegriff im Sinn teleologischer Welterklärung hat in der Physik der Atomisten keinen Platz. Demgegenüber erhob Aristoteles sie zu einem Grundprinzip seiner Metaphysik: "Demokrit behauptet, daß die Einatmung für die Atmenden eine bestimmte Folge hat. Er sagt nämlich, sie verhindere, daß die Seele (aus dem Leibe) herausgedrängt werde. Davon freilich sagt er kein Wort, daß die Natur das um dieses Zweckes willen so eingerichtet habe. Denn ganz wie die anderen Naturforscher berührt auch er eine solche Ursache in keiner Weise. Er behauptet aber, die Seele und das Warme seien dasselbe, nämlich die Primärformen des Kugelgestaltigen. Wenn nun diese (kugelgestaltigen Formen) von dem (die Seele) umgebenden (Körper), der die hinausdrängen will, zusammengepreßt werden, komme ihnen die Einatmung zu Hilfe. Denn in der Luft befinde sich ein große Zahl solcher Formen, die er Geist und Seele nennt. Wenn man nun einatme und die Luft (in den Leib) eintrete, gelangten diese Formen mit ihr zusammen in den Körper hinein und hinderten, indem sie der Verdrängung entgegenwirkten, die in den Lebewesen befindliche Seele am Entweichen. Daher beruhe auf der Ein- und Ausatmung Leben und Sterben. Denn wenn der (die Seele) umgebende (Körper) beim Zusammendrängen (der Seelenatome) die Übermacht gewinne und die von außen eindringenden Formen nicht mehr die Kraft haben, ihn zu hemmen, weil keine Einatmung mehr möglich ist, dann erfolge der Tod der Lebewesen. Denn der Tod sei das Entweichen solcher Formen aus dem Körper infolge ihrer Herausdrängung durch den (die Seele) umgebenden (Körper). Den Grund aber, weswegen sämtliche Lebewesen einmal sterben müssen - nicht etwa, wenn es sich gerade einmal so trifft, sondern auf natürliche Weise durch das Alter oder auf widernatürliche Weise durch Gewalt -, hat er überhaupt nicht dargelegt." [Aristoteles, De respir. (Über die Atmung) IV. 471b 30ff.] In der Luft schwebende Atome sind es, die als Sonnenstäubchen sichtbar werden, von diesen ein Teil sind die Seelenatome (so kann man jedenfalls De anima I 2. 404a 3ff. verstehen). Eine Modifikation der Meinung der Pythagoreer, daß die Sonnenstäubchen Seelen seien [vgl. De anima I 2. 404a 16ff.]. Auf die Sonnenstäubchen verweist Demokrit wegen ihrer Bewegtheit, durch die sie dem Verhalten speziell der Seelenatome ähneln. "Demokrit erklärt Seele und Geist schlechthin für dasselbe. Das Wahre nämlich sei das, was sich den Sinnen darbietet. Deshalb habe Homer die Worte zu Recht gedichtet: 'Hektor lag da, seinen Geist auf anderes lenkend.' Er verwendet hier das Wort 'Geist' nicht im Sinne des auf die Wahrheit gerichteten (Denk)vermögens, sondern identifizierte Seele und Geist." [Aristoteles, De anima I 2. 404a 27ff.]. Die Lehre der sogenannten orphischen Epos die behauptete, "daß die Seele beim Einatmen aus dem All eindringen von den Winden getragen" [Aristoteles, De anima I 5. 410b 29f.] ist für Aristoteles falsch, da die Pflanzen und einige Tiere nicht atmen [Aristoteles, De anima I 5. 410b 30 - 411a 2]. Demokritos ist einer der Begründer der Induktionslogik, in der die Analogie einen bedeutenden Platz einnimmt. Die Wahrheit, so nahm er an, kann man erkennen, wenn man von der sinnlichen Wahrnehmung und der Beobachtung einzelner Fakten zu Verallgemeinerungen übergeht, die der Verstand aufgrund der Wahrnehmungsdaten bildet. Das Urteil ist nach Demokritos die Verbindung von Subjekt und Prädikat. Bei Demokritos findet sich auch das Honig-Beispiel. Metrodor von Chios gilt als Schüer Demokrits.
Alois Dempf (geb. 1891)Alois Dempf ist ein Vertreter des Neothomismus.
Jacques Derrida (geb. 1930)Der französische Philosoph Jacques Derrida, in El Biar (Algerien) geboren, studierte 1952 - 1956 an der École Normale Supérieure in Paris. Von 1960 bis 1964 war er Lehrer für Philosophie an der Sorbonne in Paris und ab 1964 Lehrer für Philosophiegeschichte an der École Normale Supérieure. Seit Ende der 60er Jahre war Derrida häufig Gastprofessor in den USA. An Heidegger anknüpfend, entwirft Derrida ein Programm der Dekonstruktion der abendländischen metaphysischen Tradition seit Platon. Er formuliert das Problem, wie sich etwas von der Tradition Verschiedenes denken läßt, wenn das Denken selbst durch diese Tradition geprägt ist. Ein Angriff auf die Metaphysik von außen macht keinen Sinn, weil es keinen Standpunkt außerhalb geben kann.
René Descartes (1596 - 1650)Der französische Philosoph und Mathematiker René Descartes (lat. Renatus Cartesius) Descart wurde an der Jesuitenschule in La Flèche ausgebildet. Nachdem Descartes einige Jahre mit juristischen und medizinischen Studien verbracht hatte, ging er 1618 auf Reisen und beschäftigte sich mit den Arbeiten Galileis. 1618 trat er in den Militärdienst ein, der ihn auch nach Deutschland führte. Hier faßte er den Entschluß, eine einheitliche Naturwissenschaft auf mathematischer Basis zu errichten. Descartes gab 1621 den Kriegsdienst auf und reiste in den folgenden acht Jahren durch Europa, um Forschungen zu betreiben und mit den verschiedensten Gelehrten zu diskutieren. Er entwickelte seine Philosophie in Konfrontation mit der mittelalterlichen Philosophie. Er forderte die Gelehrten auf, sich von vorgefaßten und überlieferten Ansichten, vom Glauben an die Autorität zu befreien. Der Erkenntnisprozeß muß nach Descartes mit dem Zweifel, mit der kritischen Prüfung des Erreichten beginnen, aber man darf nicht an der Tatsache des Zweifels selbst zweifeln. Cognito, ergo sum (ich denke, also bin ich), sagte Descartes. Der Zweifel ist nach Descartes ein Verfahren zur Ermittlung von unbestreitbaren Wissenselementen. In der aristotelischen Logik sah Descartes viele gute Regeln. Aber an ihnen haftet, so Descartes, Schädliches und Überflüssiges. So erklärt der Syllogismus seiner Ansicht nach eher das, was wir bereits wissen, als das, was wir wissen müßten. Anstelle der großen Anzahl von Regeln der Logik schlug Descartes vier Regeln vor:
Klarheit und Zerlegbarkeit, das sind nach Descartes die Wahrheitskriterien, und zur Wahrheit führen Intuition, Deduktion, Induktion, Komparation und Analogie.
Léger-Marie Deschamps (1716 - 1774)Léger-Marie Deschamps ist Hylozoist, Pantheist und utopischer Kommunist. Nach ihm sind die Dinge Erscheinungen des mit Vernunft begabten Alls sind. Deschamps fordert die Gütergemeinschaft.
Antoine Louis Claude Destutt de Tracy (1754 - 1836)Antoine Louis Claude Destutt de Tracy war Mitglied der Konstituierenden. Er lebte dann auf seinem Gute bei Auteuil, wo sich die Ideologen versammelten. Destutt de Tracy ist u. a. von Locke, Condillac und Cabanis beeinflußt. Er begründete die Ideologie als die Wissenschaft von den Ideen. Von Einfluß auf Maine de Biran u. a. wurde die Betonung der gewollten Bewegung und des empfundenen Widerstandes, den sie erleidet, als Kern des Außenweltbewußtseins. Der Wille in uns ist ein den Empfindungen überlegenes Aktivitätsprinzip. Das Urteil besteht in der Erfassung der Beziehung einer Vorstellung zur andern. Die Sprache ist als Zeichensystem eine Bedingung der Erkenntnis. Die Sittlichkeit beruht auf dem Prinzip des wohlverstandenen Interesses.
John Dewey (1859 - 1952)Der amerikanische Philosoph und Pädagoge John Dewey war u. a. in Chicago (1894 - 1904) und Columbia (1904-29) Professor für Philosophie. Er knüpfte vor allem an A. Huxley, Hegel und W. James an. Dewey wollte den Dualismus zwischen Erkenntnis und Welt aufheben. Er bekämpfte daher die Beobachtertheorie der Erkenntnis, d. h. die Annahme, die Erkenntnis sei ein passives Beschauen einer ewigen und unveränderlichen Welt. Die Wahrheit ist nicht die korrekte Abbildung einer Wirklichkeit, die unabhängig von den Menschen und ihrem Tun existiert, sondern die vorläufige, unsere Handlungsfähigkeit erweiternde Antwort auf Probleme, die sich in einer bestimmten Situation stellen. Aussagen sind Instrumente bei der Lösung von Problemen. Daß ein Urteil wahr ist, bedeutet, daß wir berechtigt sind, es zu behaupten, weil wir die Situation zu ändern und das ursprüngliche Problem dadurch zu lösen vermochten.
Dexippos (ca. 330 u. Z.)Der Neuplatoniker Dexippos war ein Vertreter der pergamenischen Schule.
Dharmakirti (7. Jh.)Der indische Logiker Dharmakirti verfaßte sieben logische Traktate. Das in den Traktaten dargelegte System der Logik umfaßt vier Abschnitte: Der Schluß für andere tritt in zwei Formen auf:
Die Schlüsse werden im Schluß sowohl mittels Analogie als auch mittels Kausalität und Negation verknüpft. oder Bedeutsam sind seine Untersuchungen zu Schlüssen mit negierenden Prämissen.
Dharmottara (8. u. 9. Jh.)Der indische Logiker Dharmottara, ein Vertreter der buddhistischen Logik, ist als Kommentator von Dharmakirti bekannt geworden. Dharmottara leistete wesentliche Beiträge zur Weiterentwicklung der Logik der Nyaya.
Denis Diderot (1713 - 1784)Der französische Philosoph, ist Mitbegründer und Herausgeber der Enzyklpoädie. Von Diderot stammt die Idee, daß die Empfindung möglicherweise eine allgemeine Eigenschaft der Materie ist. Die Atome sind Träger von Empfindungen, aus denen das Denken entsteht. Aus der Berührung der Atome entsteht das für die Menschen und das All einheitliche Bewußtsein. In seiner Erkenntnistheorie antizipierte er die Lehre von den Reflexen. Die Materie wird seiner Ansicht nach auf drei Arten erkannt:
Den Agnostizismus lehnte er entschieden ab und verteidigte die Idee von der Erkennbarkeit der Welt. Nach Diderot bezeichnet Wissen eine zuverlässige und bewiesene Kenntnis. Unkenntnis setzt eine Idee von der Sache voraus, ohne daß ein angemessenes Urteil gebildet werden könnte. Als Logik bezeichnete Diderot die Wissenschaft vom richtigen Denken und der gebührenden Verwendung unserer geistigen Fähigkeiten vermittels Definitionen, Einteilungen und Überlegungen. Die Aufgabe der Logik sah Diderot darin, zu lehren, die Gedanken zur Erlangung der Wahrheit richtig zu verbinden.
Hermann Diels (1848 - 1922)Der klassische Philologe Hermann Diels arbeitete vor allem zur antiken Philosophie (Doxographi Graeci (1879), Die Fragmente der Vorsokratiker (1903, 121966/67)) und Naturwissenschaften und Technik (Antike Technik (1914)).
Dignaga (5. oder 6. Jh. v. u. Z.)Der indische Logiker Dignaga gilt als Schöpfer der buddhistischen Logik. Das Hauptwerk von Dignaga Über die Quellen der Erkenntnis war nicht nur in Indien, sondern auch in China und Japan bekannt. Der Begriff ist bei Dignaga ein Produkt des Denkens. Der Schluß ist eine Verknüpfung von Begriffen, die sich den apriorischen Denkgesetzen unterordnet. Dignaga untersucht die Frage, welchen Forderungen man den logischen Grund unterordnen muß, damit er notwendige und hinreichende Bedingung wird. Dignaga nennt drei Forderungen: Dignaga lehrte zwei Arten des Syllogismus:
Dikaiarchos von Messene (ca. 310 v. u. Z.)Dikaiarchos war Schüler von Aristoteles und Theophrastos. Er schrieb mit Bios tes Hellados eine Kulturgeschichte Griechenlands und verfaßte philosophische, literaturgeschichtliche und biographische Arbeiten. In seiner Schrift Tripolitikon soll er Platons Staatslehre kritisiert haben. Seele ist nach Dikaiarchos nicht eine immaterielle, besondere Substanz, sondern die allen Organismen eigene Fähigkeit des Lebens und Empfindens. Ferner wird berichtet, dass er eine Erdbeschreibung verfasste. Er soll auf Grund von zum Teil eigenen Vermessungen eine Erdkarte angelegt haben und äußerte sich wohl zur Kugelgestalt der Erde und zu derem Umfang.
Wilhelm Dilthey (1833 - 1911)Der deutsche Philosoph und Philosophiehistoriker Wilhelm Dilthey studierte Geschichte und Philosophie in Heidelberg (u. a. bei Kuno Fischer) und in Berlin (bei Böck, Ranke und Trendelenburg). In Berlin habilitation er sich 1864. Ab 1866 war er Professor in Basel, dann Kiel, Breslau und von 1882 bis 1905 in Berlin. Dilthey bemühte sich um die Begründung einer "Erfahrungswissenschaften der geistigen Erscheinungen". Dilthey ging von der Theologie aus, knüpfte bei Schleiermacher und den Romantikern an. Dabei interessiert ihn an Schleiermacher insbesondere die Hermeneutik. Im Bestreben aus den dabei gewonnenen Einsichten eine Kritik der historischen Vernunft zu entwickeln, wurde Dilthey zum Schöpfer der Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften. Die Aufgabe der Philosophie ist nach Dilthey, die philosophischen in ihrer Entstehung zu begreifen und sich im Begreifen über sie zu erheben.
Hugo Dingler (1881 - 1954)Der deutsche Wissenschaftstheoretiker Hugo Dingler studierte in München. Er promoviert 1907 und habilitierte sich 1912. Von 1920 - 1932 war er außerordentlicher Professor und von 1932 - 1934 ordentlicher Professor in Darmstadt. Dinglers Bestrebungen gelten der methodischen und vollständigen Begründung der exakten Wissenschaften auf einer stark an Kant orientierten philosophischen Grundlage. Er gehört zu den Konstruktivisten.
Diodoros Chronos (gest. ca. 370 v. u. Z.)Der griechische Logiker und Philosoph Diodorus Chronos ist Vater von Argia, Theognis, Artemisia, Pantakleia und Menexene. Diodorus Chronos ist der wichtigste Vertreter der Schule der Dialektiker. Er gilt als Lehrer von Philon von Megara. Diodoros Chronos widmete in seinen Arbeiten dem Problem des Realen und des Möglichen viel Aufmerksamkeit. Von ihm stammt der Kyrieuon, ein Beweis der These, dass nichts möglich ist, was nicht ist oder sein wird. Diodoros Chronos bestritt auch die Möglichkeit der Bewegung. Er war ein Kenner der Theorie der Implikation und er war einer der ersten Denker, die bemerkten, daß die Ableitbarkeit des Hintergliedes B einer Implikation aus deren Vorderglied A eine notwendige Bedingung für die Wahrheit eines Satzes der Form "wenn A, so B" ist. Semantisch vertrat er die Ansicht, daß "kein Wort bedeutungslos oder mehrdeutig sein [könne], da jeder, der es gebrauche, etwas ganz Bestimmtes damit bezeichnen wolle, auch wenn ein anderer etwas anderes darunter verstehe."
Diogenes von Apollonia (499/98 - 428/27)Der griechische Diogenes von Apollonia (Phrygien oder Kreta?) ist durch Anaximenes beeinflußt. Nach ihm durchdringt die Luft als Grundstoff alles und erzeugt als Seele Leben, Bewegung und Denken. Sie ist, dem Nus des Anaxagoras verwandt, der ordnende, alles beherrschende, ungewordene, unbegrenzte, vernünftige Wesen. Durch Verdünnung und Verdichtung entstehen die Dinge aus der Luft; aus dem Schlamm gehen Lebewesen hervor. Diogenes von Apollonia nahm eine unendliche Reihe von Welten an. Er genoß auch als Arzt hohes Ansehen, wurde wahrscheinlich als Gottesleugner verfolgt.
Diogenes von BabylonDas bekannteste Ereignis aus dem Leben des Stoikers Diogenes von Babylon ist sein Auftritt im Jahr 155 in Rom. Athen hatte die attische Küstenstadt Oropos überfallen und geplündert. Die Bürger wandten sich an Rom mit der Bitte um Beistand, und das von Rom zum Schiedsrichter eingesetzte Sikyon (norwestlich von Korinth) verhängte 500 Taler Strafe über Athen. Daraufhin schickten die Athener die drei bekanntesten Philosophen, Karneades, Diogenes von Babylon und Kritolaos, nach Rom. Sie erreichten, daß die Strafe auf 100 Talente herabgesetzt wurde [1]. [1] Pausanias VII 11, Ciceor, De orat. II 155
Diogenes Laërtios (3. Jh. u. Z.)Diogenes Laërtios ist ein griechischer Schriftsteller. Sein 10 Bücher umfassendes Werk Leben und Meinungen berühmter Philosophen ist systematisch nach der Abfolge von Schulhäuptern und Lehrmeinungen der Philosophie angelegt. Es ist eine wichtige, allerdings unkritische philosophiegeschichtlich-doxographische Quelle.
Diogenes von OinoandaDiogenes von Oinoanda war ein Anhänger des Epikur.
Diogenes von Sinope (ca. 412 - 323 v. u. Z.)Der kynische Philosoph Diogenes von Sinope lebte in Korinth. Er ist der bekannteste und populärste Schüler des Antisthenes. Diogenes von Sinope ist in die Geschichte vor allem als Verächter der Kultur eingegangen (Diogenes in der Tonne). Diogenes führte trotz vornehmer Herkunft ein Bettlerdasein (daher erhielt er den verächtlich machenden Beinamen Kyon (griech. "der Hund"). Er wirkte mehr durch seine Lebensweise als durch seine Lehren. Er forderte die Aufhebung der Ehe, befürwortete in Übersteigerung der sokratischen Selbstgenügsamkeit äußerste Bedürfnislosigkeit, verachtete alle Konventionen und bezeichnete sich als Weltbürger. Die Erziehung und Stählung soll diesen Prinzipien entsprechen. Es ist die Anekdote überliefert, daß er Alexander den Großen, als dieser ihn besuchte und versprach ihm ein Bitte zu erfüllen, bat, aus der Sonne zu gehen. Diogenes von Sinope soll auch mittags auf dem Markt von Athen mit der Laterne nach Menschen gesucht haben. Der Satz von der "Umwertung der Werte" geht auf Diogenes von Sinope zurück.
Dion von Prusa (Chrysostomos) (ca. 40 - 120)Der griechische Stoiker Dion von Prusa (Bithynien) wurde Dion Chrysostomos (Goldmund) genannt. Er stammt aus wohlhabendem Hause. Dion Chrysostomos wurde unter Domitianus (82 - 96) aus Bithynien und Italien verbannt. Er führte ein ärmliches Wanderleben. Auch nach seiner Restituierung predigte er die Rückkehr zur Natur und zum einfachen Leben. Neben sozialen Fragen widmete er sich ethischen (Ablehnung des Genußlebens, ehrbare Lebensführung), philosophischen und politischen Themen.
Diotima von Mantinea (ca. 400 v. u. Z.)Der einzige Bericht über Diotima findet sich in Platons Dialog Symposion. Darin erzählt Sokrates, die Priesterin Diotima sei nach Athen gerufen worden, um durch Opferhandlungen die drohende Pest zu bekämpfen. Es sei ihr auch gelungen die Seuche 10 Jahre lang zu verhindern, bis zum Beginn der Peleponnesischen Kriege. Ob Diotima tatsächlich gelebt hat, ist umstritten. Dafür sind folgende Argumente vorgetragen worden:
Im Symposion berichtet Sokrates von einem Gespräch mit Diotima, das die Liebe zum Gegenstand hat. Diotimas Umgang mit Sokrates ist von ihrer Überlegenheit geprägt, sie erklärt ihm seine Fehler und rügt ihn, wenn er etwas nicht versteht. Diotima leitet Sokrates zur Erkenntis des wahren Eros an; sie macht ihm deutlich, daß Eros kein Gott sei, sondern ein Dämon, eion Wesen, das zwischen den Göttern und den Sterblichen steht. Durch ihn können die Götter mit Sterblichen Umgang haben. Diotima erklärt die Herkunft des Eros mit der Sage wie Penia, seine Mutter, ihn empfangen habe. Zum Begleiter der Aphrodite wurde Eros, da die Empfängnis bei einem Fest stattfand, das ihr zu Ehren veranstaltet wurde. Eros ist in Diotimas Konzept der Liebe ein Symbol für das menschliche Streben nach dem Vollkommenen. Nicht nur dem Schönen zugewandt, steht er für das Verlangen nach der Entstehung des Schönen. Ausgehend vom Wesen des Eros, den Diotima als Liebenden beschreibt, erklärt sie den Begriff der Liebe. Sie wird bestimmt als eine Geburt des Schönen, in geistiger und körperlicher Hinsicht. Es sei das Ziel des Menschen, ihre Natur zu reproduzieren, was nur im Schönen möglich ist. Die Geburt des Schönen ist dann eine göttliche Sache, die dem sterblichen Leben etwas Unsterbliches verleiht. Auch die Liebenden streben nach Unsterblichkeit, die sie durch die Schaffung des Schönen erreichen. Das geschieht auf der geistigen Ebene durch die Reproduktion der einen Seele in der anderen. Unsterblichkeit wird erreicht durch die Ideen, Tugenden und die Weisheit der Partner. Damit geht es den Liebenden nicht mehr um Vereinigung mit dem Schönen, sondern um dessen Reproduktion. Das Ziel der Liebe ist die Wiedergeburt der eigenen Seele in dem Anderen durch die Idee des Schönen. Damit vertritt Diotima nicht wie Platon die Meinung, daß die Seele wiedergeboren wird, sondern sie wird unsterblich durch Qualitäten, die die Liebe der Partner hinterläßt. Sie kann also nicht übergehen in ein aderes Wesen, sondern sie hinterläßt durch die Vereinigung in der Liebe eine Spur, die sie unsterblich macht. Der Weg zur Erkenntnis des Schönen führt die Liebenden über mehrere Stufen "Von den schönen Gestalten zu den schönen Sitten und Handlungsweisen, und von den schönen Sitten zu den schönen Kenntnissen, bis man von den Kenntnissen endlich zu jener Kenntnis gelangt, welche von nichts anderem als eben von jenem Schönen selbst die Kenntnis ist." (Platon, Symposion).
Nikolaj Alexandrowitsch Dobroljubow (1836 - 1861)Nikolaj Alexandrowitsch Dobroljubow ist ein Vertreter der revolutionären russischen Demokraten. Seine Position, von Feuerbach beeinflußt, trägt radikal atheistischen Charakter.
Jan F. Drewnowski (1896 - 1978)Jan F. Drewnowski studierte Physik, Mathematik und Technikwissenschaften und dann auch Philosophie und Logik unter Führung von Lesniewski, Lukasiewicz und Kotarbinski. Er arbeitete mit Salamucha auf dem Gebiet der Metaphilosophie. Gemeinsam mit Bochenski bemühte er sich um die Modernisierung der traditionellen Logik. Er arbeitete ein eigenes logisch-symbolisches System aus, das jedoch während des 2. Weltkrieges verloren ging. Jan Drewnowski gehörte sowohl zur Lwow-Warschau-Schule als auch zum Krakower Kreis.
Hans Driesch (1867 - 1941)Hans Driesch wurde am 28.10.1867 in Bad Kreuznach geboren und starb am 16.4.1941 in Leipzig. Dreisch besuchte 1877-1886 ein humanistisches Gymnasium, die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Er studierte in Freiburg, München und Jena Zoologie. 1889 promovierte er in Jena bei Haeckel mit einer Arbeit unter dem Titel 'Tektonische Studien an Hydroidpolypen', die sich mit der Struktur von Polypenstöcken beschäftigte. Da seiner Ansicht nach die Stammbaum-Methodik nicht ausreichte, um dynamische Probleme der Biologie zu bewältigen, beschäftigte er sich nach einer Forschungsreise in die Tropen 1890 mit biologischen Werken die von Gegnern Haeckels geschrieben worden waren. Die aufgrund dieser Überlegungen entstandene Arbeit über 'Die mathematisch-mechanische Betrachtung morphologischer Probleme der Biologie' (1891) führte zum äußeren Bruch mit Haeckel. Experimentelle
entwicklungsgeschichtliche Arbeiten begründeten seinen Ruhm als
Entwicklungsphysiologe. Über seinen philosophischen Bildungsweg
schreibt Driesch in einer Selbstdarstellung: "Als Student habe ich
einmal, in Freiburg bei Riehl, ein
einstündiges philosophisches Kolleg über Willensfreiheit
gehört. In Jena verbot jedoch der 'gute Ton' den jungen Naturforschern
damals den Besuch philosophischer Vorlesungen, und so blieb jenes
Freiburger Kolleg das einzige. Nun fiel mir aber, als ich eben promoviert
hatte, Liebmanns 'Analysis der Wirklichkeit' in die Hände.
Dieses Werk hat einen sehr starken Einfluß auf mich gehabt und
mich zunächst einmal zum Studium der Originalwerke Kants
und Schopenhauers, dann weiter Descartes', Lockes
und Humes geführt. So war bald eine gewisse philosophische
Grundlage da, vervollkommnet durch Riehls 'Kritizismus', und
auf ihr gestalteten sich nun meine nächsten, von den Experimenten
her beeinflußten, biotheoretischen Schriften." (H.
Driesch: Mein System und sein Werdegang, 51). Die Überwindung dieses Teleologie-Begriffes führte Driesch zum Vitalismus. Die 1899 erschienene Schrift 'Die Lokalisation morphogenetischer Vorgänge, ein Beweis vitalistischen Geschehens', bezeichnet Driesch als seine erste vitalistische bzw. dynamisch-teleologische Schrift. (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 52). Zentraler Begriff dieser Arbeit ist das harmonisch-äquipotentielle System. Driesch schreibt: "Harmonisch-äquipotentielle Systeme nenne ich solche in der Embryologie oder bei der Wiederherstellung der gestörten Organisation (Restitution) auftretenden Zellgesamtheiten, für deren organisatorische Leistung es nichts ausmacht, ob man ihnen beliebige Teile nimmt oder ihre Teile beliebig verlagert." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 52). Ab 1902 machten experimentelle Arbeiten nicht mehr das Zentrum seiner Tätigkeit aus. Der Schwerpunkt verlagerte sich auf philosophische Probleme. Zunächst bemühte er sich die Überlegungen vom morphogenetischen Gebiet auf die gesamte Biologie zu übertragen. Die Ergebnisse dieser Arbeit veröffentlichte er in den Schriften 'Die organischen Regulationen' (1901) und 'Die 'Seele' als elementarer Naturfaktor' (1903). Über sein nächstes Werk schreibt H. Driesch: "In der Schrift Naturbegriffe und Natururteile (1904) faßte ich zusammen, was ich über die Beziehungen zwischen Organischem und Anorganischem zu sagen hatte. Dieses Buch enthält als Hauptsache eine eingehende Kritik der Energetik und, als deren Wesentlichstes, den Nachweis, daß der sogenannte 'zweite Hauptsatz' aus zwei logisch ganz heterogenen Teilen besteht; zum anderen bringt es zum ersten Male im engeren Sinne philosophische Fundierungen und Kritisches über den Kausalitätsbegriff; endlich denkt es natürlich die Hauptfrage zu lösen, wie Entelechie zu Materie und Energie in Beziehung stehe." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 53). 1905 schrieb Driesch eine kurze Geschichte des Vitalismus und stellte zudem sein eigenes 'biotheoretisches' System dar. Die entsprechende Arbeit heißt 'Der Vitalismus als Geschichte und als Lehre'. In das Jahr 1905 fällt auch das Studium von Werken von Sigwart, Lotze, Wundt, Windelband und Überweg-Heintze, sowie eigene Studien zur reinen Logik und Kategorientheorie, die ihn später zur Ordnungslehre führten. Die schottische Universität Aberdeen wählte Driesch 1907/8 zum Gifford Lecturer. Zehn große Vorträge waren in jedem dieser beiden Jahre zu halten; sie mußten in Buchform erscheinen. Als Thema wählte Driesch 'The Science and Philosophy of the Organism'. Driesch
schreibt über die nächsten Jahre: "Die Jahre 1907/08 hatten
mich, freilich im Ausland und nur auf kurze Zeit zum ersten Male zum
Universitätslehrer gemacht. Ich hatte Gefallen daran gefunden,
und so hatten denn einige Kollegen in Heidelberg es nicht schwer,
mich zur Habilitation für 'Naturphilosophie' zu überreden.
Von allen üblichen Formalitäten wurde dabei abgesehen. So
war ich denn also (1909) Provatdozent, zunächst in der naturwissenschaftlich-mathematischen
Fakultät, wurde 1911 Extraordinarius und trat Anfang 1912 in
die philologische Fakultät über." (H.
Driesch: Mein System und sein Werdegang, 55). "Von diesen drei Teilen ist aber die erste keine eigentliche 'Lehre', sondern kommt vor aller Lehre; er besteht in der schlichten selbstbesinnlichen Feststellung, daß es einen von allen anderen Sachverhalten unterschiedlichen Ursachverhalt gibt, welcher allein über jeden Zweifel erhaben und auch allein zum Ausgang der Lehre vom Wissen geeignet ist." (H. Driesch: Mein System und sein Werdegang, 58). Der Ursachverhalt besteht nach Driesch aus drei Bestandteilen: (1) 'Ich, der um sein Wissen Wissende' (2) 'habe bewußt' (3) 'Etwas'. Im Sommer 1909 begann Driesch mit der Ausarbeitung seine logischen Systems, das 1912 unter dem Titel 'Ordnungslehre' erschien. Die Absicht, welche ursprünglich zu ihrem Entwurf geführt hatte, war die logische Rechtfertigung des Vitalismus gewesen. Driesch untersucht weiter die Fragen: Was sind Kategorien? Wie komme ich zu Kategorien? Was heißt Denken? Wovon hat das Denken auszugehen? Die Ordnungslehre wurde von Driesch bewußt 'methodisch-solipsistisch' gestaltet. 1903 entwarf Driesch seine 'Wirklichkeitslehre', in der er zeigen will, daß Metaphysik als Lehre vom 'Wirklichen', vom 'An sich' hypothetisch und als induktive Wissenschaft möglich ist. In seiner 1916 erschienen Schrift 'Leib und Seele' (2. Aufl. 1920) bemüht sich Driesch den psychomechanischen Parallelismus durch den Vergleich der 'Mannigfaltigkeitsgrade' des Physischen und Psychischen zu widerlegen. Im Frühjar 1920 siedelte Driesch als Ordinarius nach Köln über. Im Herbst 1921 wurde er als Nachfolger Volkelts nach Leipzig berufen, wo er bis zu seiner vorzeitigen Emeritierung wirkte. In Leipzig schrieb Driesch vor allem Arbeiten, die seine bisherigen Überlegungen präszisierten. Die Grundidee der Ethik von Driesch geht auf das Ganzheitsprinzip zurück: Die ganzheitliche unsterbliche Seele des Menschen sei in materielle Ketten geschlagen. Das Urbefinden des Menschen sei das Leiden. Die Aufgabe der Menschheit besteht darin, das Leiden zu lindern, zu bekämpfen. Ethik müsse auf politischem Gebiet fruchtbar werden. Deshalb wandte Driesch sich mit seinen sittlichen Hauptforderungen (Beseitigung der Kriege, des Nationalismus, des Rassismus, des Antisemitismus und Kolonialismus) vor allem an die Staatsmänner und Lehrer. Er empfahl Pazifismus als Grundhaltung und sah in passiver Existenz und Boykottmaßnahmen die einzigen Mittel im Friedenskampf. Eine Revolution zum Sturz eines Diktators war für ihn ein extremes und ethisch nicht wünschenswertes Mittel. Driesch zeichnete das Bild einer künftigen geistigen Gemeinschaft der Menschheit, die auf den durch alle Völker erarbeiteten kulturellen Traditionen aufbaue und über den Völkerbund zum Menschheitsstaat entwickelt werden müsse. Driesch war führend in der 'Liga für Menschenrechte' tätig, die die Ideale der Völkerverständigung propagierte. Er argumentierte öffentlich gegen die den Faschismus vorbereitende Liaison von Junkertum, Militarismus und Reaktion. Driesch verurteilte öffentlich faschistische und antisemitische Kampagnen und Ausschreitungen, so z. B. die gegen Theodor Lessing, der 1933 ermordet wurde. In einem Rundfunkvortrag anläßlich des 12. Jahrestages der Novemberrevolution warnte er das deutsche Volk vor der drohenden Diktatur. Nach seiner durch die faschistischen Machthaber veranlaßten vorzeitigen Emeritierung 1933 traten parapsychologische Probleme in den Vordergrund seiner Arbeit. Ausgewählte Werke: (1) Philosophie des Organischen, 2 Bde, Leipzig 1909 (2) Ordnungslehre. Ein System des nichtmetaphysischen Teiles der Philosophie. Jena 1912 (3) Wirklichkeitslehre. Ein metaphysischer Versuch. Leipzig 1917 (4) H. Driesch: Mein System und sein Werdegang. In: Die Philosophie der Gegenwart in Selbstdarstellungen. (2. Aufl.) Leipzig 1923, 49-78). (5) Die sittliche Tat. Ein moralphilosophischer Versuch. Leipzig 1927 (6) Der Mensch und die Welt. Leipzig 1928
Moritz Wilhelm Drobisch (1802 - 1896)Der Mathematiker, Philosoph, Psychologe und Logiker Moritz Wilhelm Drobisch, geboren in Leipzig, war in Leipzig Professor. Drobisch ist stark von Herbart beeinflußt. Er nähert sich vom empirisch-formalistischen Standpunkt aus der metaphysischen Richtung der Identifizierung von Sein und Denken. Später nimmt er eine vermittelnde Position zwischen beiden Standpunkten ein. Aufgabe der Logik ist die Feststellung der Normalgesetze des Denkens. Die Logik ist eine formale Wissenschaft und von der Psychologie unabhängig. Die Logik ist nach Drobisch eine normative Wissenschaft. Voraussetzung der Logik ist das konkrete, mit dem Erkennen verschmolzene Denken, aus welchem sie ihre Grundformen durch Abstraktion gewinnt. Das Denken ist, seiner Funktion nach, ein Zusammenfassen eines Mannigfaltigen in einer Einheit. Das Allgemeine und Notwendige ist nach Drobisch kein Ergebnis der Erfahrung, sondern ein Ergebnis des Denkens. Nicht die Begriffe selbst sind von der Erfahrung unabhängig, sondern die Verknüpfung ist erfahrungsunabhängig. Die logischen Begriffe entstehen im Denken, im Urteil. Es gibt nur notwendige Urteile und Schlüsse, aber keine notwendigen Begriffe. Die Axiome der Mathematik haben unmittelbare Evidenz als Tatsachen der Anschauung von assertorischer Geltung. Assoziation und Reproduktion sind die psychischen Grundprozesse. Drobisch schlug ein Verfahren zur Algebraisierung der Syllogistik vor. Mit diesem Verfahren werden einfache Formen des Urteils algebraisch rekonstruiert und darauf eine Behandlung der Schlüsse aufgebaut.
W. E. B. Du Bois (1868 - 1963)Der amerikanische Historiker und Soziologe untersuchte in The Souls of Black Folk (1903) die Ursprünge, Praxis und Folgen der Rassendiskriminierung in den USA. Du Bois nahm an den Bemühungen um die sozialen Reformen teil, gründete 1910 die National Association fot the Advancement of Colored People und gab die Zeitschriften Crisis und Phylon heraus.
Emil Du Bois-Reymond (1818 - 1896)Emil Du Bois-Reymond gehört zum physiologischen Neukantianismus. Er arbeitete in Berlin als Professor der Physiologie. Du Bois-Reymond ist durch sein Ignorabimus bekannt geworden. Von den sieben Welträtseln sind der Ursprung des Lebens, die Zweckmäßigkeit der Organismen und die Ausbildung der Vernunft und Sprache im Prinzip lösbar. Hingegen bleiben vier Probleme unlüsbar: Wesen von Kraft und Materie, Ursprung der Bewegung, Entstehung von Empfindung und Bewußtsein und Willensfreiheit. Wenn man auch noch so genau den Bau des Gehirns und das mechanische Zusammenwirken der Moleküle und Atome kennen wird, kann man daraus doch nicht im geringsten das Psychische als solches begreifen und ableiten. Dies gilt selbst für einen unendlichen (Laplaceschen) Geist, der aus der Kenntnis der Lage und Bewegungen der Atome zu einer bestimmten Zeit alles Zukünftige, soweit es mechanisch abläuft, vorauszusehen vermag. Trotz ihrer Mängel und Schwierigkeiten ist die mechanistische Naturerklärung die einzig mögliche.
Walter Dubislav (1895 - 1937)Walter Dubislav ist ein Vertreter der Berliner Gruppe.
Pierre Duhem (1861 - 1916)Der franz. Physiker, Wissenschaftshistoriker und Philosoph Pierre Duhem studierte in Paris. Er war ab 1894 Physikprofessor in Bordeaux. Er hat wichtige Arbeiten zur Wissenschaftstheorie geliefert. Die Duhem-Quine-These ist nach ihm und Quine benannt.
Karl Eugen Dühring (1833 - 1921)Der deutsche Philosoph, Volkswirtschaftler und Wissenschaftshistoriker Karl Eugen Dühring geht in seiner positivistischen Erkenntnistheorie vom Gesetz der bestimmten Anzahl aus, demzufolge jede gedachte Anzahl endlich sein muß. Daraus schließt er, daß die Welt in Zeit und Raum begrenzt sein müsse und die Materie nicht unbegrenzt teilbar sein könne. In seiner Gesellschaftsphilosophie vertritt Dühring einen ethischen und sozialphilosophischen Optimismus. Er hofft auf eine ständige Weiterentwicklung der sympathetischen Instinkte im Menschen. Dieses Vertrauen in eine menschliche Gesinnungsänderung setzt er Darwin's Lehre vom Kampf ums Dasein wie auch der Marxschen Theorie entgegen. Nach Dühring ist die Logik die Lehre von den Bestandteilen und den Verbindungsarten eines wissenschaftlichen Zusammenhanges.
Michael Anthony Eardley Dummett (geb. 1925)Der englische Philosoph und Logiker Michael Anthony Eardley Dummett arbeitete an den Universitäten Birmingham (1950 - 1951), Berkeley in Kalifornien (1955 - 1956) und Oxford (ab 1962). In seinem Werk Frege: Philosophy of Language (1973) interpretiert er die Grundgedanken von Freges philosophischer Semantik. Er schreibt u. a. Frege die These zu, daß eine Bedeutungstheorie für eine Sprache eine Verstehenstheorie sein muß, d.h. eine theoretische Darstellung des Wissens, das der Benutzer der Sprache hat, wenn er die Sprache versteht. Dummett wendet sich gegen Freges realistische Bedeutungstheorie, wonach das Verstehen eines Satzes in der Kenntnis seiner Wahrheitsbedingungen liegt. Nach Dummett ist die Zustimmung zum Prinzip der Zweiwertigkeit charakteristisch für den bedeutungstheoretischen Realisten. Dummett vertritt eine anti-realistische Bedeutungstheorie, die das Satzverständnis als Kenntnis von Geltungsbedingungen interpretiert. Er betrachtet den von Wittgenstein angeregten Anti-Realismus als eine Verallgemeinerung des intuitionistischen Standpunkts innerhalb der Philosophie der Mathematik.
Johannes Duns Scotus (1266 - 1308)Der schottische Franziskaner, Philosoph, Logiker und Theologe John Duns Scotus ist ein Vertreter des Nominalismus und der Lehre von der doppelten Wahrheit. Nach Duns Scotus existieren nur einzelne Dinge. Sie bestehen aus Form und Materie. Materiell sind sogar die Seele und die Engel, nur Gott ist als absolute Freiheit reine Form. Dunc Scotus nimmt an, daß eine direkte Erkenntnis der Dinge in ihrer individuellen Existenz möglich ist und nicht nur eine abstraktive Erkenntnis. Duns Scotus verfaßte mehrere Kommentare zu den Werken von Aristoteles über die Logik. Die Logik bezeichnet er als exakte Wissenschaftund teilte sie in zwei Abschnitte, den theoretischen und den angewandten. Im Universalienstreit vertrat er folgende Position: Die Universalien existieren vor den Dingen, als Formen der göttlichen Vernunft, danach in den einzelnen Dingen, als Formen in der göttlichen Vernunft, danach in den einzelnen Dingen als ihr Wesen und dann als Begriffe im menschlichen Denken durch Abstrahieren. Er antizipierte den Prädikatenkalkül. Außerdem entdeckte er das logische Gesetz p É (~p É ~q).
Marie Dupré (17. Jh.)Marie Dupré war die Nichte des Humanisten Roland Desmarets. Während ihrer Studien wuchs ihr Interesse am Werk Descartes' und sie gehörte zu den Cartesienne, denen auch Anne de Lavigne, Louise-Anastasia Serment und Elisabeth von der Pfalz zugerechnet werden. Sie verteidigte das Werk von Descartes leidenschaftlich gegen jede Kritik. Marie Dupré verfaßte auch eigene poetische Werke unter dem Pseudonym Isis. Überliefert sind die Werke Responses d'Isis à Climène und Recueil des vers choisis. Außerdem stand sie im Briefwechsel mit Madeleine de Scudéry.
Émile Durkheim (1858 - 1917)Der französische Philosoph und Soziologe Émile Durkheim war Professor in Bordeaux und Paris. Durkheim betonte, daß die Gesellschaft mehr ist als die Summe der Individuen, die zu ihr gehören. Er stellte fest, daß die Gesellschaft nicht mit biologischen oder psychologischen Begriffe erklärt werden kann. Die Arbeitsteilung stellt den Menschen in ein von ihm nicht beherrschbares Geflecht von Ursachen und Wirkungen. Durkheim entwickelte eine soziologische Methode, die soziale Phänomene als selbständige Größen betrachtet, die sich nicht auf psychologische Phänomene reduzieren lassen.
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