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Philosophenlexikon C von http://www.philosophenlexikon.de

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Pierre Jean George Cabanis (1757 - 1808)

Der französische Philosoph Pierre Jean George Cabanis formulierte eine unmittelbare Abhänigkeit der Denkfunktion von den physiologischen Funktionen des Organismus. Er setzte die sich im Gehirn vollziehenden Prozesse in Analogie zum Funktionsablauf des Pankreas und der Leber, die Galle ausscheidet.

 

Caerellia (geb. ca. 45 v. u. Z.)

Über das Leben Caerellia's ist wenig bekannt. Überliefert ist sie als Philosophin und als langjährige Freundin Ciceros, der sie in seinen Briefen an P. Servilius und an Atticus erwähnt. Cicero spricht von ihr als jemand, die die Philosophie liebe und bemerkt, daß er ihr die Kopie seines Textes De Finibus bereits vor der Veröffentlichkeit übergeben habe.

Caerellia gilt als Platonikerin.

 

Andrea Cesalpino (1519 - 1603)

Der italienische Mediziner, Botaniker und Philosoph Andrea Cesalpino (auch: Andreas Caesalpinus) studierte an der Universität Pisa Philosophie und Medizin. Er wurde 1555 in Pisa Professor der Medizin und Direktor des botanischen Gartens.

1592 gibg er als Arzt des Papstes Clemens VIII. und wurde gleichzeitig Professor an der Sapienza in Rom.

Als Philosoph versuchte er, obwohl Anhänger des Aristoteles, einen Ausgleich verschiedener Richtungen seiner Zeit vor allem mit dem platonischen Pantheismus.

Die Philosophie war Grundlage für seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen.

Ausgangspunkt der Erkenntnis sind nach Cesalpino allgemeine Verstandessätze oder induktiv gewonnene Vorstellungen. Die Erkenntnis muß die Angabe der allgemeinen Gattung und des besonderen Unterschiedes enthalten.

Dies erfolgt durch Bestimmung der Materie und der besonderen Formen. Beide besitzen im Begriff der Substanz ihre Einheit.

Die Hierarchie der Substanzen endet mit einer obersten Zweckursache als Prinzip des Lebens.

Der Kosmos ist allbelebt und ein Zwecke realisierender Organismus. Die finalistische Erklärung wird durch die Betrachtung von Mitursachen ergänzt.

 

Edward Caird (gest. 1908)

Edward Caird arbeitete als Professor in Oxford. Er ist ein Vertreter des absoluten Idealismus.

Als Bewußtsein einer den Gegensatz von Subjekt und Objekt überwindenden Einheit ist das Religiöse ein Faktor alles Bewußtseins.

Das Unendliche offenbart sich in den Dingen und ist zugleich der alles Endliche überragende göttliche Geist.

Edward Caird ist Bruder von John Caird.

 

John Caird (1820 - 1898)

John Caird ist ein Vertreter des absoluten Idealismus, Er ist Bruder von Edward Caird.

 

Friedrich van Calker (1790 - 1870)

Friedrich van Calker war Professor in Bonn. Er ist Anhänger von Fries.

Die Philosophie ist nach van Calker Selbsterkenntnis des Geistes, in welchem wir die Urgesetze des Wahren, Guten und Schönen finden.

 

Joachim Camerarius (1500 - 1574)

Der deutsche Universalgelehrte und Dichter Joachim Camerarius (eigentlich Joachim Kammermeister) studierte ab 1513 in Leipzig.

Er erlangte 1514 das Baacalauret und widmete sich in den folgenden Jahren besonders der griechischen Sprache. 1518 setzte er sein Studium in Erfurt fort und gesellte sich dort zum Erfurter Humanistenkreis um C. Mutianus Rufus.

1521 wurde Camerarius Magister und begann, Griechisch zu unterrichten.

Noch 1521 ging er nach Wittenberg und war dort mit Melanchthon befreundet. 1526 übernahm er die Leitung des Gymnasiums in Nürnberg. 1535 folgte er einem Ruf als Gräzist an die Tübinger Universität. Von 1541 bis zu seinem Tode wirkte er als Professor der lateinischen Sprachein Leipzig.

Camerarius editierte Werke von antiken Autoren, wie z. B. Äsop, Herodot, Homer, Quintilian, Sophokles, Theokrit, Theophrast und Thukydides. Zu zahlreichen Schriften Schriften, u. a. Cäsar und Cicero, verfaßte er Kommentare.

Seine Übersetzungen von Demosthenes, Euklid, Herodot, Homer, Xenophon u. a. sind für ihre Originaltreue und sprachliche Gewandtheit bekannt.

Neben Lehrbüchern der antiken Sprache schrieb er historische, theologische, pädagogische, mathematische und astronomische Abhandlungen.

 

Tommaso Campanella (1568 - 1639)

Der italienische Philosoph und Sozialutopist Tommaso Campanella (auch: Thomas Campanella) wurde von der spanischen Herrschaft in großen Teilen Süditaliens beeinflußt. Mit 15 Jahren trat er dem Dominikanerordern bei und studierte Theologie sowie Philosophie.

Den Ausschlag für seine Verurteilung zu lebenslänglischer Haft gab wohl die Anklage wegen seiner führenden Rolle bei der Verschwörung gegen die spanische Fremdherrschaft während des Kalabresischen Aufstandes 1598/1599. Ab 1603 verbrachte Campanella viele Jahre im Kerker. Erst 1634 konnte der inzwischen 60jährige auf Verwendung von dem mit Frankreich gegen Spanien paktierenden Papst Urban VIII. die Freiheit erlangen und ging nach Paris ins Asyl.

Schon in seiner Jugend entstanden Texte, in denen Campanella an die senualistische Erkenntnistheorie von Telesio anknüpfte.

Alles Denken, logische Schließen, Vorstellen und Erinnern ist lediglich variiertes Empfinden. Nur aus der unmittelbaren Erfahrung, aus der Befindlichkeit des Subjektes, bestimmt sich die fundamentale Wahrheit, die Selbstgewißheit.

Camapanella unterscheidet drei Wesenskräfte (Primalitäten) bzw. Verhaltensstrukturen: Können, Wissen und Wollen. Diesen entsprechen Macht, Weisheit und Liebe.

Solange die Primalitäten im Endlichen befangen sind, wird ihr jeweiliges Gegenteil (Ohnmacht, Torheit, Haß) ebenfalls wirksam.

In der gewöhnlich und begrenzt erfahrenen Wirklichkeit wohnt demnach dem Seienden das Nichtseiende bei. Erst bei ihrem Vordringen ins Unendliche schwinden die negativen Seiten von Können, Wissen und Liebe. Der elementare Dualismus wird aufgehoben.

Auf höherer Bestimmungsebene entsprechen den drei Primalitäten die drei Kategorien Kausalität (necessitas), die den Vorgängen in der Welt notwendig zugrunde liegt, das gute Geschick (fatum), das zur Liebe führt, und die gefügte Ordnung (harmonia), die aus der Liebe entsteht.

Den Kausalitäten wird der Zufall (contingentia) gegenübergestellt, dem Geschick der Einzelfall (casus) und der Ordnung der unverdiente Glücksfall (fortuna). All dies sind Einwirkungen des Nichts.

Die unbedingt auf Empfindung gründende Erkenntnis steigt in fünf Stufen auf. Zuerst erfährt der Mensch den mundus situalis, d. h. die Welt in ihren unmittelbaren Situationsbedingungen. Dann erfährt er den mundus temporalis et corporalis, d. h. die Welt in den Koordinaten von Raum und Zeit.

Es folgt der mundus sempiternus, die ewiggütige Welt der Mathematik und Geometrie. Dann folgt der mundus mentalis, die Welt der Kategorien. Und schließlich kommt der mundus archetypus, die Welt der Urbilder, die zugleich die Späre der unendlichen Vielfalt möglicher Welten und der Ursprung der Offenbarung ist.

Symbol für das Ein-und-Alles, für Gott-und-Welt ist die Sonne.

In seinem Werk Civitas solis entwirft Campanella ein Gesellschaftssystem, das Abglanz einer solargöttlichen Ordnung sein soll und Züge einer aktuellen Vorstellung von einer Universalmonarchie nach spanischem Herkunftsmuster trägt.

Campanelas Sonnenstaat ist ein Gemeinwesen ohne Privateigentum. Es gilt die Arbeitspflicht für alle.Das Gemeinwesen soll der vollen Entfaltung menschlicher Fähigkeiten insbesondere zum Zwecke neuer Erfindungen und Anwendungen auf technischem Gebiet dienen. Er will mit der aus Platons Staat entlehnten Weibergemeinschaft ernst machen, die sich gegen die Besitzideologie richtet, Geschlechtsbeziehungen und den Zeitpunkt von Zeugung und Geburt nach astronomischen Berechnungen regelt.

Das Prinzip für alle Vorgänge ist die Ordnung (harmonia). Das Leben wird nach Maßgabe der drei Primalitäten geregelt. Es gibt zahlreiche Einrichtungen zur Vermeidung von Zufall, Ausnahmefall und Glücksfall, um die Anmaßund und die Privilegien abzuwehren.

Die störenden Einflüsse des Nichts sollen im Sonnenstaat keinen Platz mehr haben.

 

Albert Camus (1913 - 1960)

Der französische Schriftsteller und Philosoph Albert Camus starb im Januar 1960 bei einem Verkehrsunfall.

Ihn bewegt die Frage, wie der Mensch handeln soll, wenn er weder an Gott noch an die Macht der Vernunft glaubt.

In Le mythe de Sisyphe (1942) entwickelt Camus die Philosophie des Absurden. Die Situation des Menschen ist absurd, weil die Welt an sich keinen Sinn hat und dem Menschen immer fremd bleibt.

Weil Camus den Begriff des Absurden mit Sartre teilt, wurde er dem Existentialismus zugerechnet. Camus lehnte den Existentialismus jedoch ab, weil er ihn als philosophisches System auffaßte, d. h. als Ausweichen vor der Anerkennung des Absurden.

Im seinem Werk L'homme révolté (1952) vertritt Camus, die These, daß durch die Revolte gegen das Absurde, durch den Kampf für die Würde des Menschen, das Leben Sinn bekommen kann.

 

Georg Cantor (1845 - 1918)

Der deutsche Mathematiker Georg Cantor gilt als Begründer der Mengenlehre. Er war von 1879 bis 1913 Professor in Halle.

Cantor formulierte wichtige Begriffe der Mengenlehre (Äquivalenz, Mächtigkeit von Mengen), auf die sich die von ihm geschaffene Theorie der Kardinalzahlen stützt.

Cantor bewies, daß die Menge der algebraischen Zahlen abzählbar ist, dagegen die Menge der reellen Zahlen nicht.

Zum Beweis, daß diese Menge überabzählbar ist, verwendete er das heute nach ihm benannte Diagonalverfahren, das inzwischen zu einem wichtigen Beweisprinzip in vielen Gebieten der Mathematik geworden ist.

Eine 1895 von Cantor entdeckte und 1897 von Burali-Forti, veröffentlichte Antinomie, heute Burali-Forti's Antinomie genannt, führte zur axiomatischen Begründung der Mengenlehre.

Seine Theorie bezeichnete Cantor selbst als philosophische, d. h. als eine metaphysische Theorie über aktual unendliche Größen.

 

Geronimo Cardano (1434 - 1517)

Der italienische Mathematikerr, Arzt und Philosoph Geronimo Cardano (lat.: Hieronymus Cardanus) studierte in Pavia und Padua.

Er wirkte zuerst als Arzt, zudem ab 1524 als Mathematiklehrer, von 1543 bis 1560 als Universitätsprofessor für Medizin in Pavia und von 1562 bis 1570 in Bologna.

Berühmt geworden ist er vor allem durch seine Arbeiten zur Algebra.

In der Philosophie vertrat Cardano eine hylozoistische, empedokleische, pythagoreische und pantheistische Position.

Als Determinist wollte er alles kausal begründen.

Die Dinge entstehen aus der passiven und qualitativ unbestimmten Urmaterie (Hyle) durch Hinzutreten der aktiven Weltseele. Die Weltseele ist Prinzip der Bewegtheit und Veränderung.

Durch die Weltseele ist alles belebt und von Sympathie sowie Antipathie durchzogen. Wärme und Licht sind die Erscheinungsformen der Weltseele. Gott hat sein Werk dem Gesetz der Zahlen unterworfen.

Im irdischen Bereicht existieren die Elemente Erde, Wasser und Luft. Das Feuer ist nicht voraussetzungslos, da es nicht ohne Nahrung auskommt.

Die Weltseele läßt die Metalle, Pflanzen und Tiere entstehen. Der Mensch unterscheidet sich von ihnen durch eine unsterbliche Seele, die ihm ermöglicht Gott zu erkennen.

Der Mensch ist zur Gemeinschaft geboren. Alle größeren Gemeinschaft bedürfen des Staates und strenger Gesetze. Staat und Gesetze sind von der Religion zu untermauern.

Da die Staatslehre und die Politik sich aus der Natur des Menschen ableiten lassen, lehnt Cardano Utopien ab.

Dem Volk muß die Wissenschaft vorenthalten werden. Die Wissenschaftler müssen frei forschen und denken dürfen.

 

Thomas Carlyle (1795 - 1881)

Der englische Essayist, Philosoph und Geschichtswissenschaftler Thomas Carlyle verfaßte Studien zu Theologie und Jura. Er übernimmt Kants Unterscheidung zwischen den Erscheinungen (Phänomenen) und dem Ding an sich. Thomas Carlyle verwendet diese Unterscheidung jedoch anders.

Die Wirklichkeit ist an sich von göttlicher Art. Sie zeigt sich aber in der Natur und Geschichte als eine Reihe von Erscheinungen. Die Aufgabe der Philosophie ist es hinter diese Erscheinungen vorzudringen.

Der Mensch ist die höchste Offenbarung und das beste Symbol der göttlichen Wirklichkeit. In Übereinstimmung mit Fichte betont Carlyle die Bedeutung der großen Männer und Helden für die Geschichte als Ausdruck der göttlichen Wirklichkeit.

Carlyle verwirft den klassischen englischen Utilitarismus, indem er leugnet, daß das Nützlichkeitsprinzip und die rationale, kühle Überlegung imstande seien, einen großen und neuen Ausdruck der eigentlichen Wirklichkeit hervorzubringen.

 

Rudolf Carnap (1891 - 1970)

Der Philosoph und Logiker Rudolf Carnap studierte 1910 Mathematik, Physik und Philosophie in Freiburg i. B. und Jena. Dort hörte er Vorlesungen von Frege. Während des 1. Weltkriegs war Carnap Soldat. 1921 promovierte er in Jena mit einer Abhandlung über den Begriff des Raumes.

1926 wurde Carnap auf Betreiben M. Schlicks Dozent für Philosophie an der Universität Wien. Hier nahm er regelmäßig an den Treffen des Wiener Kreises teil und wurde dort schnell zu einer der führenden Figuren.

1931 erhielt Carnap einen Lehrstuhl für Naturphilosophie an der deutschen Universität in Prag.

Bis zu Beginn der 30er Jahre erarbeitete Carnap die Ideen des logischen Empirismus und wendete den Apparat der Logik auf die Begriffsanalyse und die Axiomatisierung einzelner Theorien der konkreten Wissenschaften an.

In den anschließenden Jahren (bis 1936) konstruierte Carnap eine logische Sprache eines erweiterten Prädikatenkalküls. In dieser Zeit stellte er die These auf, die Logik der Wissenschaft sei die Syntax der Sprache der Wissenschaft.

Unter dem Eindruck der politischen Entwicklung in Deutschland nach Hitlers Machtergreifung emigrierte er 1935 in die USA, wo er den Rest seines Lebens verbrachte. 1941 erhielt er die amerikanische Staatsbürger. Er arbeitete als Professor in Chicago (1936-52), später war er Forschungsmitarbeiter in Princeton (1952-54) und Professor in Los Angeles (1954-61).

Carnap untersuchte nun Probleme, die mit der Konstruktion einer Universalsprache zusammenhängen. Er untersuchte die Semantik und beschäftige sich mit der Konstruktion künstlich interpretierter Sprachen.

In den 40er Jahren befaßte sich Carnap mit der Modallogik, der Theorie der Induktion und der Wahrscheinlichkeitstheorie. Für ihn war jedes induktive Schließen ein Schließen auf Grund von Wahrscheinlichkeit und umgekehrt. Die Wahrscheinlichkeit einer Relation ist eine Relation zwischen Aussagen und Sätzen, nämlich der Grad der Bestätigung einer Hypothese auf Basis der gegebenen Prämissen.

Weitere Informationen

 

Friedrich August Carus (1770 - 1807)

Friedrich August Carus, geboren in Bautzen, war Professor in Leipzig.

Er ist ein von Kant und Jacobi beeinflußter Psychologe.

 

Karl Gustav Carus (1789 - 1869)

Karl Gustav Carus, geboren in Leipzig, war Arzt und Professor der Medizin in Dresden.

Carus ist ein von Schelling beeinflußter Pantheist. Er hat vergleichende Psychologie betrieben.

 

Ernst Cassirer (1874 - 1945)

Der deutsche Philosoph und Philosophiehistoriker Ernst Cassirer studierte 1892-99 Jura, Germanistik und Neuere Literaturgeschichte, ab 1896 auch Philosophie und Mathematik.

1899 schrieb er eine Dissertation bei H. Cohen und P. Natorp. 1933 emigrierte er nach England, lebte dann in Schweden und unterrichtete seit 1941 an Universitäten in den USA.

Daß Cassirer aus der Marburger Schule hervorgegangen ist, zeigt u. a. die Wahl der Philosophen seiner ersten philosophiegeschichtlichen Arbeiten: Descartes, Leibniz und Kant.

Nach Cassirer sind in der Philosophie die historische und die systematische Methode aufeinander angewiesen. So versteht er die Philosophiegeschichte nicht als eine bloße Anhäufung historischer Tatsachen, sondern als historische Entwicklung, in deren Verlauf der philosophische Geist zur Klarheit über sich selbst und die philosophischen Probleme kommt.

Cassirer lehnt jedoch auch die Meinung ab, die Philosophie könne ohne Berücksichtigung ihrer Entwicklung systematisch begründet werden, und führt deshalb einen neuen Begriff apriorischer Erkenntnis ein.

Kant hatte die Existenz von Erkenntnisformen behauptet, die jederzeit und überall gelten und unabhängig von aller Erfahrung, d. h. a priori, gewußt werden können, also aller Erfahrung zugrunde liegen. Dieser These stellt Cassirer seinen Begriff des relativen Apriori gegenüber. Jedem theoretischen System liegen einige Begriffe zugrunde, die seinen Charakter bestimmen. Diese Begriffe - bzw. das Wissen darum - sind dann relativ a priori, d. h. a priori in bezug auf das System.

Cassirer eliminierte im Gegensatz zu anderen Neukantianern auch den Begriff Ding an sich aus seiner Philosophie. Er kam zu dem Schluß, daß die Quelle aller für das Bewußtsein notwendigen Daten die Gedanken sind. Die Welt ist das Produkt des Bewußtseins überhaupt.

Er trat für Einsteins Relativitätstheorie ein.

 

F. Castillon (1747 - 1814)

Der deutsche Philosoph und Logiker F. Castillon ist ein Schüler von J. H. Lambert.

Castillon formalisierte den Syllogismus.

Mit dem Zeichen + symbolisierte er die Zusammenfügung von Begriffen und mit dem Zeichen - ihre Zerlegung.

 

Margaret Cavendish (1623 - 1673)

Margaret Lucas wurde 1623 als jüngstes von acht Kindern einer adligen Grundbesitzerfamilie in Essex geboren.

Mit 20 Jahren wurde sie Hofdame bei der englischen Königin Henrietta Maria und floh bei Ausbruch des Bürgerkrieges mit dem Hofstaat ins Exil nach Frankreich.

Dort heiratete sie den 30 Jahre älteren Grafen (später Herzog) von Newcastle, William Cavendish. Durch ihn - Initiator und Förderer des Newcastle-Circle - wurde sie mit den zeitgenössischen Strömungen der englischen und französischen Naturphilosophie vertraut.

In ihrem ersten Büchern Poems and Fancies, Philosophical Fancies und Philosophical and Physical Opinions setzte sich Margaret Cavendish mit der Naturtheorie Epikurs in einer poetisch-phantastischen Weise auseinander, die ihr den Vorwurf des Atheismus einbrachte.

Nach Margaret Cavendish gibt es im Universum nur unvergängliche Materie und leeren Raum. Die Materie besteht aus kleinsten, unteilbaren Einheiten, den Atomen, die sich in diesem Raum bewegen und durch Kontakt zueinander die Gegenstände unserer sinnlich wahrnehmbaren Welt bilden.

Die Entstehung der Welt als einmaliger, endgültiger Schöpfungsvorgang wird aufgelöst in einem ewigen Weltprozeß, einen kosmologischen Tanz, der in seiner Dauer die Ordnung der Welt garantiert: die Bewegung ist die Musik, zu der die Atome tanzen.

Nach der Rückkehr aus dem Exil 1660 lebte Margaret Cavendish mit ihrem Mann auf ihrem Landgut in Welbeck, wo sie ein zurückgezogen wohnte.

Der konsequente Materialismus von Margaret Cavendish wurde nach ihrer Rückkehr aus dem Exil aufgebrochen. In den späteren Werken Philosophical Letters (eine Auseinandersetzung mit Descartes, Hobbes, More und van Helmont) und Ground of Natural Philosophy ist die korpuskulare Materie in einen organischen Bezugsrahmen integriert.

Die Natur wird als geschlossenes System der Zusammenhangslosigkeit einer atomisierten Materie gegenübergestellt und wird so zu einem neuen Ordnungsprinzip, nämlich dem lebendigen Organismus (body of nature).

Aus der hylozoistischen Struktur der Materie leitet sie den Selbstzweckcharakter der Natur ab, der einen normativen Handlungsrahmen begründet.

1673 starb sie nach einem erfolglosen Versuch, sich selbst zu kurieren, in Welbeck.

 

Michel de Certeau (geb. 1925)

Der französische Philosoph, Theologe und Historiker Michel de Certeau studierte in Grenoble und Paris. Von 1968 bis 1978 war er Professor in Paris und danach an der University of California, San Diego.

Michel de Certeau war ab der Gründung 1964 Mitglied in Lacans L'École Freudienne de Paris.

Sein philosophisches Interesse gilt u. a. der Geschichte. Sie wird als Geschichtsschreibung verstanden, d. h. als Diskurs, der eine zusammenhängende Darstellung der Vergangenheit erzeugt.

Die Geschichtsschreibung beruht nach Carlyle auf dem Verhältnis zum anderen, dem Abwesenden. Der Historiker muß die Spuren aufsuchen, die von anderen hinterlassen worden sind und für ein Abwesendes zeugen. Wir verstehen die Vergangenheit nur in ihrer Verschiedenheit von uns, aber zugleich verstehen wir sie nur von uns selbst her.

 

Andrea Cesalpino (1519 - 1603)

Der italienische Mediziner, Botaniker und Philosoph Andrea Cesalpino (auch: Andreas Caesalpinus) studierte an der Universität Pisa Philosophie und Medizin. Er wurde 1555 in Pisa Professor der Medizin und Direktor des botanischen Gartens.

1592 gibg er als Arzt des Papstes Clemens VIII. und wurde gleichzeitig Professor an der Sapienza in Rom.

Als Philosoph versuchte er, obwohl Anhänger des Aristoteles, einen Ausgleich verschiedener Richtungen seiner Zeit vor allem mit dem platonischen Pantheismus.

Die Philosophie war Grundlage für seine naturwissenschaftlichen Untersuchungen.

Ausgangspunkt der Erkenntnis sind nach Cesalpino allgemeine Verstandessätze oder induktiv gewonnene Vorstellungen. Die Erkenntnis muß die Angabe der allgemeinen Gattung und des besonderen Unterschiedes enthalten.

Dies erfolgt durch Bestimmung der Materie und der besonderen Formen. Beide besitzen im Begriff der Substanz ihre Einheit.

Die Hierarchie der Substanzen endet mit einer obersten Zweckursache als Prinzip des Lebens.

Der Kosmos ist allbelebt und ein Zwecke realisierender Organismus. Die finalistische Erklärung wird durch die Betrachtung von Mitursachen ergänzt.

 

Johannes Gerson (Johann Charlier) (1363 - 1420)

Der Mystiker Johannes Gerson (Johann Charlier aus Gerson bei Rheims) ist ein Schüler von Pierre d'Ailly. Er war Kanzler der Universität Paris.

Johannes Gerson wurde von den Grafen von St. Victor und von Bonaventura beeinflußt. Er neigt dem Nominalismus zu. Die mystische Theologie stützt sich auf die innere Erfahrung und Offenbarung. Über der Vernunft (ratio) steht die intelligentia, welche unmittelbar das Wesen der Dinge erfaßt.

 

Pierre Charron (1541 - 1603)

Der französische Geistliche und Philosoph Pierre Charron systematisierte in seinem Werk De la sagesse (1601) den von M. de Monatigne begründeten Skeptizismus.

Charron zweifelte an der Möglichkeit sicheren theoretischen Wissens und metaphysischer Erkenntnis, weil die menschliche Intelligenz dafür nicht ausreiche.

Mit Montaigne ging er von der Selbstbeobachtung und Selbsterkenntnis aus, die dem Menschen zwar seine Schäche und Unkenntnis vorführt, aber auch die nötige Demut lehrt, die für das sittliche Leben ausreichend ist.

In der Urteilsenthaltung wurzelt die Freiheit des Geistes.

Trotz seines Skeptizismus verfaßte Charron die theologische Streitschrift Trois vérités contre tous les athéesm idolâtres, juifs, Mohamétans, hérétiques et schismatiques (1593), in der er behauptete, daß es Gott, einen wahren Glauben, eine wahre Religion (die christlische) und eine wahre Kirche (die katholische) gäbe.

Der Skeptizismus von Charron stützt sich auch auf die Stoiker, Epikureer und die römische Popularphilosophie.

 

François René Chateaubriand (1768 - 1848)

François René Chateaubriand ist ein Philosoph der Romantik. Er ist überzeugter Royalist und Katholik.

 

Gabrielle-Emilie du Châtelet-Lomont (1706 - 1749)

Die französische Mathematikerin und Philosophin wurde 1706 in eine aristokratische Familie hineingeboren.

1733 lernte sie ihren späteren Freund Voltaire kennen, mit dem sie von 1734 bis 1748 auf Schloß Virey in der Champagne zusammenlebte.

Zwischen beiden entwickelte sich in der intellektuellen Atmosphäre von Cirey eine enge Zusammenarbeit in vielen Bereichen, die sich in den dieser Zeit verfaßten Schriften von beiden widerspiegelt.

Sie war maßgeblich an der Ausarbeitung der Elements de la philosophie de Newton Voltaires beteiligt (1738).

Zur Unterstützung dieser Abhandlung schrieb Châtelet-Lomont eine anonyme Rezension Lettre sur les élements de la philosophie de Newton (1738).

Von 1745-1749 übersetzte sie Newton's Hauptwerk Philosophiae naturalis principia mathematica aus dem Lateinischen und ergänzte sie durch zwei längere Kommentare.

In ihren Institutions physiques (1740) favorisiert sie den Leibnizschen Kraftbegriff und proklamiert das Prinzip der mechanischen Energieerhaltung. Dadurch und durch ihre Replik auf Mairans Stellungnahme zu ihrer Position beteiligte sie sich an der sog. vis-viva-Kontroverse.

In ihrer der Wissenschaftstheorie bemüht sie sich, dem Zusammenhang von Theorie und Experiment gerecht zu werden, indem sie die Leibnizschen Erkenntnisprinzipien zur Begründung der Newtonschen und der Leibnizschen Physik heranzieht, aber auch die Rolle der Erfahrung betont.

Nachdem Voltaire und Châtelet-Lomont auseinandergelebt hatten, begann sie 1748 eine Liebesbeziehung zu dem Armeeoffizier Saint-Lambert. Als sie 1749 erneut schwanger wurde, befürchtete sie, die Geburt des Kindes nicht zu überleben. Tatsächlich starb sie im gleichen Jahr am Kindbettfieber.

 

Cheilonis

Cheilonis ist die Tochter des Lakedaimoniers Cheilon. Iamblichos erwähnt Cheilonis in seiner Aufzählung der 17 Pythagoreerinnen. Die Textstelle mit der Aufzählung lautet: " bedeutendsten Pythagoreerinnen: Timycha, die Frau des Myllias von Kroton, Philtys, die Tochter des Theophris von Kroton, Schwester des Byndakos, Okkelo und Ekkelo, die Schwestern der Lukaner Okkelos und Okkilos, Cheilonis, die Tochter des Lakedaimoniers Cheilon, die Lakonerin Kratesikleia, die Frau des Lakedaimoniers Kleanor, Theano, die Frau des Metapontiers Brotinos, Myia, die Frau des Milon von Kroton, Lasthenia aus Arkadien, Habroteleia, die Tochter des Habroteles von Tarent, Echekrateia von Phlius, Tyrsenis aus Sybaris, Peisirrhode aus Tarent, Theadusa aus Lakedaimon, Boio aus Argos, Babelyka aus Argos, Kleaichma, die Schwester des Lakedaimoniers Autocharidas. Insgesamt: 17." (Iamblichos: Pythagoras, 1963, 267)

 

Herbert von Cherbury (1581 - 1648)

Herbert von Cherbury ist als Vertreter des Deismus und insbesondere als Vertreter einer Vernunftreligion bekannt.

 

Roderick M. Chisholm (geb. 1916)

Chisholm studierte u. a. bei Arthur E. Murphey, Charles A. Baylis, C. J. Ducasse, R. M. Blake, C. I. Lewis, Donald C. Williams und Quine.

Typisch für seine philsophische Arbeit ist es, zentrale Begriffe der Theorie mit möglichst wenigen Grundbegriffen explizit zu definieren. Die Adäquatheit der Definitionen wird durch Widerlegungsversuche anhand intuitiver Gegenbeispiele überprüft.

Chisholm ist Herausgeber von Werken Meinong's und Brentano's.

Alles was existiert, ist nach Chisholm ein Individuum, ein Attribut oder ein Zustand. Mengen, Klassen, Propositionen, mögliche Welten und Sachverhalte definiert Chisholm mit diesen Grundkategorien. Attribute sind notwendige Entitäten.

Chisholm's Begriff der de-re-Notwendigkeit beruht auf dem Gedanken, daß einige Eigenschaften einer Entität x wesentliche Eigenschaften von x sind, d. h. x hat diese Eigenschaften notwendigerweise. So ist es eine wesentliche Eigenschaft einer Person, ein individuelles Ding zu sein.

Nach Chisholm ist es unmöglich, eine überzeugende Ontologie ohne intentionale Grundbegriffe zu entwickeln.

Ein Urteil zu fällen, eine bestimmte Empfindung zu haben und etwas zu beabsichtigen sind nach Chisholm Beispiele für intentionale Eigenschaften. Die Struktur intentionaler Eigenschaften kann nach Chisholm durch Reflexion auf eigene psychische Zustände und auf mentale Akte (d. h. eigene intentionale Eigenschaften) erfaßt werden.

Chisholm vertritt eine personalistische Handlungstheorie. Nur Personen - oder allgemeiner denkende Subjekte können intentionale Eigenschaften haben, nicht aber Strukturen, abstrakte Systeme oder Prozesse. Funktionalistische Theorien des Mentalen lehnt er ab.

Die Vorstellung menschlicher Verantwortung ist weder mit einer deterministischen noch mit einer indeterministischen Grundauffassung des Handelns vereinbar. Eine Handlung muß als durch die handelnde Person und nicht als durch Ereignisse oder Dispositionen verursacht angesehen werden. Chisholm führt daher eine Personenkausalität (person causality) ein, die nicht auf Kausalbeziehungen zwischen Ereignissen (transeunte Verursachung) zurückführbar ist. Der Handelnde verursache - so diese Theorie - immanent bestimmte Ereignisse im Gehirn, die dann Körperbewegungen verursachen. Eine Person ist schon dann frei, den Versuch zu unternehmen, eine Handlung auszuführen oder zu unterlassen, wenn es für beides keine hinreichende Kausalbedingung gibt.

Auf Chisholm geht die Formulierung des Problems des Kriteriums zurück. Chisholm will das Problem lösen, indem er ähnlich wie Moore als ein fundamentales Prinzip annimmt, daß wir zumindest das wissen, von dem wir im common sense denken, daß wir es wissen.

Chisholm wendet sich gegen den epistemischen Holismus und betrachtet apriorisches Wissen als eine Quelle von Gewißheit. A-priori-Wissen beruht auf dem geistigen Erfassen von Eigenschaften. Es gibt Beziehungen zwischen Eigenschaften, die jeder einsieht, der versteht, was es heißt, die betreffende Eigenschaft zu haben. Alles was sich aus solchen Einsichten in notwendige Wahrheiten deduktiv ergibt, ist apriorisches Wissen. Die zweite Quelle von Gewißheit ist die Selbstzuschreibung selbstpräsentierender Eigenschaften.

Ein zentraler Begriff der Erkenntistheorie von Chisholm ist der des epistemisch Besseren. Das epistemische Bessere führt Chisholm auf das intrinsische Bessere zurück.

Nach Chisholm ist die Paradoxie von Chisholm, eine zentrale Paradoxie der deontischen Logik benannt.

Das Problem der objektiven Bezugnahme beantwortet Chisholm seit First Person (1981) unter Verwendung des Begriffes direkte Zuschreibung. Nach Chisholm ist die direkte Zuschreibung die primäre Form des Urteilens, auf die alle anderen Arten von Urteilen zurückzuführen.

Chisholm vertrat die These des Primats des Intentionalen.

 

Noam Avram Chomsky (geb. 1928)

Der amerikanische Linguist und Philosoph wurde 1955 Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

Noam Chomsky entwickelte die Theorie universeller generativer grammatischer Strukturen, die auf die Entwicklung der Linguistik und der Sprachphilosophie größen Einfluß hatten.

Er knüpft an die Forschungen Leibnizens und W. von Humboldt an.

Chomsky kritisierte mit Syntactic Structures (1957) die traditionelle Linguistik, weil sich deren Untersuchungen auf faktisch produzierte Texte beziehen. Diese faktische Seite der Sprache - die Performanz - ist aber nur ein zufälliges Oberflächenphänomen, welches das wesentliche Element einer Sprachbeschreibung verdeckt - die Kompetenz, d. h. die Fähigkeit, Sätze zu generieren.

Dank dieser Fähigkeit ist es möglich, eine unendliche Anzahl neuer, nie zuvor gesagter und gehörter Sätze zu bilden und zu verstehen, die grammatisch korrekt sind. Diese kreative Kompetenz besteht laut Chomsky in einer (unbewußten) Kenntnis einer endlichen Anzahl satzbildender Regeln, die gesamthaft den Begriff eines grammatisch korrekten Satzes der betreffenden Sprache definieren.

Die Aufgabe der Linguistik besteht darin, eine theoretische Rekonstruktion dieser Regeln und damit ein Modell der Kompetenz zu liefern. Nach Chomsky sollen in einer solchen Grammatik zwei Hauptkomponenten berücksichtigt werden; zum einen der Basisteil mit einer Reihe einfacher Kernsätze - Tiefenstrukturen -, die mit Hilfe von Formeln beschrieben werden. Zum anderen die Transformationsregeln, dank denen diese einfachen Strukturen zu ständig komplizierteren Sätzen umgewandelt werden können, so daß sich das sprachliche Endergebnis die Oberflächenstruktur - stark von der Tiefenstruktur unterscheidet.

Den Wortbestand der einzelnen Sätze vermittelt das Lexikon, die Bedeutung der Wörter bestimmt die semantische Komponente, und die Aussprache der Sätze folgt den Regeln der phonologischen Komponente.

Chomskys Standardsystem finden wir in Aspects of the Theory of Syntax (1965). Chomsky hat später selbst einige wesentliche Änderungen vorgeschlagen. Besonders umstritten ist das Verhältnis zwischen Syntax und Semantik. Chomsky vertritt die These, daß alle menschlichen Sprachen im Grunde gleich sind, weil sie über eine gemeinsame, universelle Basis verfügen. Die Unterschiede zwischen den Sprachen ergeben sich durch die Transformationen, die von der Basisstruktur zur Oberflächenstruktur führen.

Chomsky nimmt an, daß die Sprache angeboren ist (the innateness hypothesis). Kinder besitzen von Geburt an Sprachkompetenz und lernen mit ihrer Muttersprache nur noch die Transformationsregeln und die in ihrem sprachlichen Milieu entscheidenden Oberflächenstrukturen.

Diese Sprachauffassung wird u. a. in den Arbeiten Cartesian Linguistics (1961), Language and Mind (1968) und Reflections on Language (1975) dargestellt. In Reflections on Language und Rules and Representation (1980) diskutiert Chomsky ander Sprachtheorien, u. a. die von Skinner, Quine, Wittgenstein und Grice.

 

Chrysippos (276 - 204 v. u. Z.)

Der griechische Philosoph und Logiker, in Soli (Kilikien) geboren und wahrscheinlich in Athen gestorben, ist einer der bedeutendsten Vertreter der Stoa.

Er systematisierte die stoische Lehre in Logik, Ethik und Physik und schuf zusammen mit Zenon von Kition eine Erkenntnistheorie, die von der Wahrnehmung ausgeht.

Begriffe faßte Chrysippos als Verallgemeinerung der in der Wahrnehmung enthaltenen Objekte auf.

In der Logik ging Chrysippos über Aristoteles hinaus, indem er klarer Objekt, Bedeutung und sprachliche Bezeichnung unterschied.

Chrysippos übernahm von Aristoteles nicht die Einteilung der Begriffe in Gattungs- und Artbegriffe. Während Aristoteles den Begriff über die nächsthöhere Gattung und den Artunterschied definierte, reduzierte Chrysippos die Definition auf die Aufzählung von Merkmalen des zu definierenden Gegenstandes.

Als Grundform des Urteil sah Chrysippos das bedingte Urteil an.

Chrsippos betonte besonders die zweckmäßige, auf den Menschen bezogene Einrichtung der Welt durch den Logos.

In der Ethik formulierte Chrysippos als erster das Ideal des stoischen Weisen, der in Freiheit von Affekten (Liebe, Haß, Lust, Furcht) im Einklang mit den zweckmäßen Weltgesetzen lebt.

Von Chrysippos stammt die Lehre von der periodischen Weltverbrennung und Welterneuerung durch die Gottheit.

 

Alonzo Church (geb. 1903)

Der Logiker und Mathematiker Alonzo Church befaßte sich vor allem mit Entscheidungsfragen im Prädikatenkalkül und ist Begründer des l-Kalküls.

Von ihm stammen die nach ihm benannten Sätze über die Nichtentscheidbarkeit der allgemeingültigen Ausdrücke des Prädikatenkalküls der ersten Stufe und die Nichtaxiomatisierbarkeit des Prädikatenkalküls der zweiten Stufe.

Church formulierte im Jahre 1936 die nach ihm benannte These, daß die partiell rekursiven Funktionen eine adäquate Präzisierung der intuitiven Berechenbarkeit sind.

 

Leon Chwistek (1884 - 1944)

Der polnische Mathematiker und Logiker befaßte sich u. a. mit Untersuchungen über die epistemologischen und logischen Antinomien im Zusammenhang mit der Whitehead- Russellschen Typentheorie und erkannte bereits 1922, daß zur Vermeidung der logischen Antinomien eine unverzweigte Typentheorie ohne Reduzibilitätsaxiom ausreicht, wie sie dann auch 1925 in der zweiten Auflage der Principia Mathematica auf Anregung von Ramsey ausgearbeitet wurde.

Von Chwistek stammen die ersten fundierten Untersuchungen zur mathematischen Semiotik.

 

Marcus Tullius Cicero (106 - 43 v. u. Z.)

Cicero gehört zur Neuen Stoa, weicht aber in einigen Fragen von ihr ab.

Cicero kam frühzeitig nach Rom, wo er eine gute Ausbildung insbesondere in Rhetorik, Philosophie und Rechtswissenschaft.

Zu philosophischen Arbeiten hat Cicero nur in Zeiten erzwungener politischer Muße Zeit gefunden.

Am Anfang (56-51) stehen seine staatsphilosophischen Werk De re publica und De legibus in denen Cicero im Anschluß an Platons philosophischer Hauptwerke das Bild des besten Staates mit der besten Gesetzgebung, verwirklicht in der römischen Verfassung (Mischung von Konsulat, Magistrat, Volksversammlung), zeichnet.

Politisches und persönliches Mißgeschick (Sieg Caesars, frühzeitiger Tod der Tochter Tullia) veranlaßten Cicero, sich noch intensiver als bisher mit philosophischen Studien zu beschäftigen, und ließen in ihm den Plan reifen, die gesamte griechische Philosophie in ihren wichtigsten Teilen in lateinischer Sprache zu behandeln.

Den Plan verwirklichte er in der Jahren 46 bis 44.

Ohne selbständige Forschung zu betreiben, wählte er aus der griechischen Philosophie jeweils diejenigen Lehren aus, die ihm verständlich und nützlich schienen, z. B. die Akademiker Philon von Larissa und Antiochos von Askalon sowie den Stoiker Poseidonios.

In der Geschichte der Logik ist Cicero besonders dadurch bekannt, daß er in dem kleinen Traktat Tropika eine juristisch und rhetorisch adaptierte Version des Werkes von Aristoteles gleichen Namens herausgab.

Cicero leistete einen Beitrag zur Entwicklung der lateinischen logischen Terminologie und in einigen seiner Schriften äußerte er eine Reihe vorwiegend kritischer Bemerkungen über die zu einer Zeit existierenden logischen Schulen und Lehren.

 

Émile Michel Cioran (geb. 1911)

Émile M. Cioran vertritt eine sehr ernste existentielle Skepsis. Als an sich selbst zweifelnder Skeptiker führt er ein Dasein ohne Endergebnis (l`existence sans résultat) [1]. "Die Skepsis, die nicht zur Zerrüttung unserer Gesundheit beiträgt, ist nur ein intellektuelles Exerzitium" [2].

Gegenüber allen philosophischen und religiösen Dogmen und Systemen (und deren Verneinung) sei der skeptische Zweifel im Recht: "Die Skepsis breitet zu spät ihre Segnungen über uns aus, über unsere von Überzeugungen verwüsteten Gesichter" [3].

Die gelebte Skepsis verschafft nach Cioran aber keine Seelenruhe, da "der Skeptizismus ... unsere Instinkte, unsere Reflexe, unsere Gelüste gegen sich" hat [4]. Cioran beschreibt den Skeptizismus als ein "Krankheit, von der ich weder weiß, wie ich von ihr genesen noch wie ich an ihr zugrundegehen soll" [5].

E. M. Cioran hat bestritten, daß die Skepsis zur Seelenruhe führe.

[1] E. M.: Cioran: Précis de décomposition (1949), 188 (dt.: Lehre vom Zerfall, 1978, 164)
[2] E. M.: Cioran: Syllogismes de l`amertume (1952), 87f. (dt.: Syllogismus der Bitterkeit, 1980, 43)
[3] E. M.: Cioran: Syllogismes de l`amertume (1952), 156 (dt.: Syllogismus der Bitterkeit, 1980, 77)
[4] E. M.: Cioran: La chute dans de temps, Paris 1964, 70 (dt.: Der Absturz in die Zeit, 1972, 53)
[5] E. M.: Cioran: La tentation d'exister, 1956, 114 (dt.: Dasein als Versuchung, 1983, 116)

 

Johann Clauberg (1622 - 1665)

Johann Clauberg ist Cartesianer. Er war Professor in Herborn und Duisburg.

Clauberg führt die Wechselwirkung zwischen Leib und Seele auf den Willen Gottes zurück. Damit nähert er sich dem Okkasionalismus. Alle Dinge sind nach Clauberg Schöpfungen des göttlichen Geistes.

Clauberg schreibt: Logica est ars ratione utendi.

Er unterscheidet die potentia, (agendi possibilitas) und die Fähigkeit (facultas).

 

Chr. Aug. Heinr. Clodius (1772 - 1836)

Chr. Aug. Heinr. Clodius, geboren in Altenburg, war Professor in Leipzig. Er starb in Leipzig.

Clodius war erst Anhänger von Kant und dann von Jacobi.

 

Hermann Cohen (1842 - 1918)

Der deutsche Philosoph und Logiker Hermann Cohen ist einer der Gründer der Marburger Schule.

Einziger Sinn der Philosophie ist für Cohen die Untersuchung der transzendentalen Grundlagen des reinen Bewußtseins als eines logischen, sittlichen und ästhetischen Bewußtseins.

Jeder Rückgriff auf vorhandene Wirklichkeit ist in der Philosophie unerlaubt. Eine metaphysische Grundlage der Wirklichkeit gibt es nicht.

Nach Cohen ist die Logik erkenntnistheoretisch und antipsychologisch. Die Logik ist Logik des Urteils. Sie erzeugt formal aus dem Urteil die Kategorien als Voraussetzungen der Wissenschaft. Aufgabe der Logik ist es, der Wissenschaft ihren Weg bewußt zu machen. Die Logik ist Lehre von der Methode. Das Denken der Logik ist das Denken der Wissenschaft. Die Logik ist zugleich die Metaphysik.

Cohen bestimmte die Wahrheit eines Urteils als die Übereinstimmung mit logischen Kategorien und betrachtete das Sein insgesamt als Verflechtung logischer Beziehungen.

Er kritisierte Kant, weil jener die Existenz eines Ding an sich außerhalb und unabhängig vom Bewußtsein zuließ. Das Ding an sich - so Hermann Cohen - ist kein materielles Objekt, sondern eine besondere Idee, die das menschliche Denken lenkt.

Cohen bestimmt die Induktion als Hinführung auf die allgemeinen Gesetze der Kausalität und des Systems.

In seinen letzten Lebensjahren nährte sich die Philosophie von Cohen der jüdischen Religion.

 

Georg Cohn (1887 - 1956)

Der Däne Georg Cohn ist ein Vertreter des Neukantianismus.

Seine neue Denkweise besteht darin, daß er Begriffe, Regeln und Gesetze als Untersuchungsgegenstand der Rechtsphilosophie ablehnt und dafür das an den Augenblick gebundene Recht aus einer Beurteilung der konkreten Gesamtlage allein rechtsdogmatisch begründet.

 

Jonas Cohn (1869 - 1947)

Jonas Cohn, in Görlitz geboren, ist ein Vertreter der Südwestdeutsche Schule des Neukantianismus. Er arbeitete als Professor in Freiburg in Br.

Die Ästhetik ist nach Cohn eine kritische Wertwissenschaft. Die Psychologie ist nur eine Hilfswissenschaft der Ästhetik.

Der ästhetische Wert hat Forderungscharakter. Er will allgemeingültig sein. Das Schöne tritt da auf, wo der Ausdruck sich gänzlich in der Form offenbart.

Logik und Erkenntnistheorie sind nicht auf Psychologie zu basieren. Die Grundsätze des Erkennens sind von Werten und Zielen abhängig.

Der Satz der Immanenz besagt, daß alles, was erkannt werden soll, unter den Bedingungen der Erkenntnisformen stehen muß.

Es handelt sich hier nicht um das psychologische, individuelle Ich, sondern um das reine Erkenntnissubjekt, um ein ideales Ich, welches Norm und Ziel des Erkennens ist. Es will sich auf den Standpunkt des überindividuellen Ich erheben, welches nie bloßes Objekt sein kann, sondern als Einheit der Formen alles zu Erkennenden vorausgesetzt wird.

Ziel des Erkennens ist stets ein Zusammenhang. Reines Erkenntnisziel ist ein Urteilszusammenhang.

 

Samuel Tylor Coleridge (1772 - 1834)

Samuel Tylor Coleridge ist ein Philosoph der Romantik. Seine anfängliche Begeisterung für die Französische Revolution weicht seit der Jakobinerdiktatur einer entschiedenen Ablehnung, die sich auch auf alle Folgeerscheinungen der Revolution erstreckt.

 

Robin George Collingwood (1889 - 1943)

Der englische Philosophie, Archäologe und Geschichtswissenschaftler studierte in Oxford, wo er ab 1927 seine eigene Lehrtätigkeit begann und von 1935 bis 1941 als Professor für Metaphysik wirkte.

In seinen frühen Werken ist Collingwood deutlich von Croce beeinflußt. Er wird daher dem aktualistischen Idealismus zugerechnet. Später löste er sich von dieser Position.

In An Essay on Metaphysics (1940) bestimmt Collingwood die Metaphysik als eine geschichtliche Untersuchung unserer absoluten Voraussetzungen.

In den Wissenschaften stellen und beantworten wir eine Reihe von Fragen, und unsere Antworten können wahr oder falsch sein. Die wissenschaftliche Problemformulierung und die wissenschaftlichen Antworten beruhen auf einer Reihe von Voraussetzungen, die entscheiden, was überhaupt sinnvoll diskutiert werden kann. Da diese Voraussetzungen nicht selbst in Frage gestellt und diskutiert werden können, sind sie nach Collingwood weder wahr noch falsch. Es ist die Aufgabe der Metaphysik, durch eine geschichtliche Studie die absoluten, weil indiskutablen Voraussetzungen freizulegen, die die verschiedenen Gesellschaften und wissenschaftlichen Traditionen festgesetzt haben.

Innerhalb der Geschichtswissenschaft ist Collingwood vor allem wegen seiner Theorie über das re-enactment bekannt geworden.

 

John Anthony Collins (1676 - 1729)

Der Engländer John Anthony Collins ist als Vertreter des Deismus bekannt.

 

Anna Comnena (1083 - 1148)

Die byzantinische Gelehrte Anna Comnena wurde am 1. Dezember 1083 geboren und war die Lieblingstochter des Kaisers Alexius I.

Bereits mit jungen Jahren wurde sie mit Constantine Doukas verlobt, der jedoch vor der Heirat starb. Sie heiratete dann den Adligen Nicephorus Bryennius.

Einige Zeit nahm sie intensiv an den Intrigen des byzantinischen Hofes teil, den sie aber später verließ, um sich der Literatur und der Philosophie zu widmen.

Nach dem Tod ihres Mannes 1137 zog sie sich in ein Kloster zurück. Anna Comnena's Hauptwerk ist die in griechischer Sprache geschriebene Alexiade, eine aus 15 Büchern bestehende Geschichte der Regierung ihres Vaters mit dem Titel Annae Comnenae Alexiadis Libri.

Die Alexiade enthält neben historischen Darstellungen auch Informationen zu zeitgenössischen Philosophen.

So beschreibt sie im 5. Buch Johannes Italos, Schüler von Michael Psellos, der über Platon, Porphyrios, Iamblichos und Psellos schrieb, und Kommentare zu den Topics und De Interpretione von Aristoteles verfaßte.

Ein Mitglied des Kreises um Anna Comnena war der neuplatonische Kommentator der Nikomachischen Ethik, Euratius aus Nicea, den sie in der Alexiade erwähnt, weil er Alexis mit seinen Argumenten gegen die Manchiäer aus Philoppopolis unterstützt haben soll.

Andere Mitglieder des Kreises waren Michael aus Italien, George und Demetrio Tornikes, Johannes von Venedig, und Irene und ihr Mann Bryennius. Eines der wichtigsten Mitglieder war Michael von Ephesus, ein Schüer des Psellos. Durch ihn wurden zwei aristotelische Werke, Bewegung und Progression der Tiere, im Abendland bekannt.

Anna Comnena hatte auch religiöse Interessen und unterstützte den christlichen Aristotelismus, der auch neuplatonische Züge hatte.

Sie forschte außerdem im Bereich der Medizin, leitete ein Krankenhaus in Konstantinople und schrieb ein Traktat über die Gicht.

 

Auguste Comte (1798 - 1857)

Der französische Philosoph und Soziologe Auguste Comte wurde 1816 von der Pariser École Polytechnique verwiesen, wo er einen Studentenaufruhr angeführt hatte.

Von 1817 bis 1824 war Comte Sekretär von Saint-Simon. In seiner Geschichts- und Sozialtheorie ist er von diesem beeinflußt.

Comte unterrichtete an der École Polytechnique in einer untergeordneten Position. Er verlor diese Stelle nach einem Streit mit der Schulleitung.

Seine Forschungen wurden durch private Unterstützungsbeiträge finanziert, vermittelt u. a. von J. S. Mill. Von 1829 bis 1846 hielt Comte öffentliche Vorlesungen, die von namhaften Wissenschaftlern besucht wurden. Diese Vorlesungen bilden den Inhalt seines Werkes Cours de philosophie positive (6 Bde., 1830 - 1842).

Nach Comte müssen sich Erkenntnis und Wissenschaft auf das Positive beschränken. Sie müssen aus dem Beschreiben und Ordnen erfahrungsgegebener Tatsachen hervorgehen.

Jeder Versuch, die Verhältnisse in Natur und Gesellschaft durch verborgene Ursachen zu erklären - z. B. durch den Willen Gottes oder ein metaphysisches Wesen -, ist als fruchtlos aufzugeben.

Von Comte stammt das Dreistadiengesetz.

Die menschliche Erkenntnis und die Gesellschaft durchlaufen nach Comte drei Entwicklungsstadien.

Im theologischen Stadium werden die Erscheinungen der Natur aus dem Eingreifen von Göttern erklärt; Autoritätsgläubigkeit, königliche Macht und Militarismus prägen die Gesellschaft.

Im metaphysischen Stadium werden die Phänomene auf abstrakte Ideen und Kräfte zurückgeführt; in der Gesellschaft herrschen Unruhe und Egoismus, der juristische Machtapparat löst den militärischen ab und die Herrschaft des Volkes jene des Königs.

Im positiven Stadium wird neben der Erfahrungswelt keine höhere Wirklichkeit mehr anerkannt. Die beobachtbaren Phänomene werden aus sich selbst erklärt, d. h. aus den Gesetzen über die konstanten Zusammenhänge der Erscheinungen. Diese Gesetze lassen sich durch Registrieren und Ordnen der erfahrungsgegebenen Daten zweifelsfrei bestimmen.

Die positiven Wissenschaften ermöglichen Voraussagen und damit eine Kontrolle der natürlichen und sozialen Erscheinungen; dank ihren Erkenntnissen kann ein wohlgeordnetes, rationales Gesellschaftsleben entstehen, u. a. auf der Basis technologisch-industrieller Produktion.

Auch die positiven Wissenschaften mußten sich erst aus dem theologischen und dem metaphysischen Stadium herausentwickeln. Als erste Wissenschaft erreichte die Mathematik das positive Stadium. Danach folgten Astronomie, Physik, Chemie und Biologie (damit auch die Psychologie).

Die letzte positive Wissenschaft ist laut Comte erst im Entstehen begriffen: die Soziologie, die mittels der Statistik die sozialen Entwicklungstendenzen beschreiben soll. Der Name und das erste System der Soziologie stammt von Comte. Das praktische Ziel der Soziologie soll eine Organisation der menschlichen Gesellschaft sein.

Ursprünglich forderte Comte die Wertfreiheit der Wissenschaft. Später aber vertrat er die Auffassung, daß die Wissenschaft die Moral nicht ersetzen kann, da die Moral die Wertgrundlage darstelle, die die Richtung und den Umfang jedes Forschungsprozesses bestimmt.

Um den Fortschritt zu beschleunigen, bedarf es der Aktivierung der Gefühle durch eine allgemeine Menschheitsreligion, deren höchster Gegenstand die Menschheit selbst ist. Die Anliegen dieser Religion sind: Liebe als Prinzip, Ordnung als Grundlage, Fortschritt als Ziel.

 

Etienne Bonnot de Condillac (1715 - 1780)

Der französische Philosoph, Logiker, Geistliche und Enzyklopädist ging von John Locke aus und entwickelt in seinen Arbeiten eine sensualistische Erkenntnistheorie.

In Traitée des systèmes (1749) unterscheidet Condillac Zeichen, die mit dem Gegenstand zufällig zusammenhängen, natürliche Zeichen und künstliche oder bedingte Zeichen (Sprache und Schrift).

Das Geheimnis der Erkenntnis besteht in der richtigen Anwendung dieser Zeichen.

Durch die Zerlegung komplizierter Begriffe in ihre einfachsten Elemente vermeidet man Irrtümer.

In Traité des sensations (1754) fügrt Condillac alle Funktionen der Seele (Gefühle, Wünsche, Willensakte) auf die ihnen zugrunde liegenden Empfindungen zurück. Die Empfindung selbst und die psychische Erfahrung wurden von ihm intellektualisiert. Der Verstand sieht mehr als das Auge, schreibt Condillac.

In den Arbeiten La logique ou les premiers dévelopments de l'art de penser (1780) und La langue des calculs (1798) geht Condillac von der These der Unteilbarkeit von Denken und Sprache aus und erklärt die Sprachentwicklung aus Handlungen. Durch Zergliederung er Handlung zum Zwecke der Mitteilung - und damit durch Zergliederung der Ideen, deren Zeichen diese Handlungen sind, wird die Sprache der Handlung zur analytischen Methode.

Wissen wird bei Condillac in seiner Logik als sicherer Schluß aus Vernunftgründen interpretiert, der mehr als nur Wahrscheinlichkeit hat.

Gabriel Bonnot de Mably ist Bruder von Condillac.

 

Marie Jean Antoine de Condorcet (1743 - 1762)

Marie Jean Antoine de Condorcet war ab 1762 in Paris wissenschaftlich tätig. Während der Revolution wurde er ins Gefängnis geworfen und starb dort durch Gift.

Nach Condorcet ist der menschliche Fortschritt festen (psychologischen) Gesetzen unterworfen. Die Vervollkommnungsfähigkeit des Menschen ist unbegrenzt.

In der französischen Revolution erblickt Condorcet die Realisierung der Idee einer Herrschaft der Vernunft. Er fordert eine sittliche Volksbildung, die Egoismus und Altruismus in das rechte Verhältnis setzt.

 

Hedwig Conrad-Martius (1888 - 1966)

Die deutsche Phänomenologin wurde als Kind einer Medizinerrfamilie in Berlin geboren.

An der Universität München besuchte sie Seminare von Moritz Geiger und wurde so in den Kreis der Schüer von Theodor Lipps eingeführt. Dieser Kreis war unter dem Eindruck von Edmund Husserls Logischen Untersuchungen geschlossen zur Phänomenologie übergetreten.

1910 wechselte sie nach Göttingen. Dort hatte Husserls Lehrtätigkeit einen stetigen Zustrom von Studierenden herorgerufen, die sich als Philosophische Gesellschaft organisierten und zu informellen Zusammenkünften und Diskussionen trafen.

Hedwig Conrad-Martius wurde bald nach ihrem Eintreffen Vorsitzende dieser Gesellschaft.

1912 wurde ihre Arbeit Über die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus von der Philosophischen Fakultät Göttingen preisgekrönt und von Alexander Pfänder in München als Dissertation angenommen.

Im selben Jahr heiratete sie ihren Studienkollegen Theodor Conrad.

1920 lernte sie ihre Kollegin Edith Stein kennen, mit der sie fortan eine tiefe Freundschaft verband.

Ihre Obstplantage in Bergzabern war inzwischen ein Phänomenologen-Treffpunkt mit einer gut ausgestatteten Bibliothek geworden. So hielt sich Edith Stein mehrere Monate auf diees Plantage auf.

Aus wirtschaftlichen Gründen konnte sie erst ab 1930 wieder kontinuierlich philosophisch arbeiten. Ihr Versuch zur Habilitation schlug jedoch aufgrund eines jüdischen Großelternteils fehl.

1949 wurde sie Dozentin für Naturphilosophie an der Universität München. 1955 erhielt sie eine Honorarprofessur für Philosophie. Im Zentrum ihres Denkens stand das Realitätsproblem. Schon in ihren Arbeiten Die erkenntnistheoretischen Grundlagen des Positivismus (1912) und Zur Ontologie und Erscheinungslehre der realen Außenwelt (1916) leiten in die Problematik einm die in ihren Arbeiten Realontologie (1923) und Das Sein (1932) weitgeführt wird.

Sowohl die von Hedwig Conrad-Martius als transzendental-idealistisch bezeichnete Phänomenologie Husserls als auch der in ihren Augen existentialistische Zugriff Heidegger werden nach ihrer Ansicht dem Phänomen des Realen nicht gerecht.

Conrad-Martius entwickelt daher eine eigene Theorie phänomenologischer Forschung, die sie als ontologische oder realistische Phänomenologie verstand.

Husserls transzendentale Reduktion ist in ihren Augen zwar als methodisches Hilfsmittel, um den Zugang zu einer zweifelsfreien Region reinen Bewußtseins zu gewinnen, erkenntnistheoretisch sinnvoll und legitim, ontologisch jedoch unfruchtbarer Standort.

Wird transzendentale Reduktion als einzige Zugang zum Sein überhaupt verstanden, so wird Sein zu einseitig vom Sein des Bewußtseins her bestimmt.

Anstatt in der transzendentalen Reduktion die im Bewußtsein liegende Wirklichkeitsbejahung einzuklammern, fordert sie den umgekehrten Weg zu gehen: das wirkliche Sein der Welt soll nicht hypothetische eingeklammert, sondern hypothetische als wirklich gesetzt werden.

Ein in bezug auf seine Wirklichkeitsbejahung untersuchtes reines Bewußtsein weist, nach Conrad-Martius, von sich selbst aus über sich hinaus und eröffnet die Erkenntnisa, daß Bewußtsein nicht als Maß alles Seienden und allen Seins dienen kann.

Nach ihrer Ansicht haben Gegenstände der realen Welt, einschließlich der Naturgegenstände, in zweifacher Weise am Sein teil: Zum einen besitzen sie kategoriales Sein, welches sich durch ihre Zugehörigkeit zum endlichen Sein in Raum und Zeit ergibt, und auch der allgemeinen phänomenologischen Einstellung zugänglich ist. Zum anderen sind Naturgegenstände in einer Weise in sich selbst hineingesetzt und gewurzelt, die keine Analogie mehr mit den Existenz- und Seinsweisen idealer und kategorial-realer Gegebenheiten besitzt.

Auf der Grundlage ihrer Ontologie entwickelte sie ihre Naturphilosophie.

Für die Natur werden immanente transphysische Potenzgrundlagen ausgewiesen. Diese sind auch die reale Begründung der neuen z. T. paradox erscheinenden Ergebnisse der Naturwissenschaften.

 

Anthony Ashley-Cooper of Shaftesbury (1671 - 1713)

Der englische Schriftsteller und Philosoph Anthony Ashley-Cooper of Shaftesbury wurde u. a. von Locke unterrichtet. Er verteidigt er die Freiheit des Denkens und der Meinungsäußerung und behauptet, daß die Moral unabhängig von der Religion ist, weil die Menschen von Natur aus moralisch sind.

Shaftesbury kritisiert die Rolle des Egoismus bei Hobbes und hält dagegen, der Mensch besitze ein natürliches, soziales Gefühl, das unser Zusammenleben ermögliche.

Wir finden das Glück, so Shaftesbury, indem wir nach gemeinsamen Zielen streben. Die soziale Harmonie ist ein Reflex der individuellen Harmonie.

Shaftesbury war maßgeblich an der Ausarbeitung der Theorie des moral sense beteiligt und ist daher dem Empirismus zuzurechnen.

 

Dirck Volkertsen Coornhert (1522 - 1590)

Der niederländische Schriftsteller, Übersetzer, Graveur und Philosoph Dirck Volkertsen Coornhert ist Sohn eines Tuchhändlers.

Cornhert schrieb gegen den Dogmatismus und die Herrschsucht der Kirche. Er kämpfte gegen Intoleranz und religiösen Autoritätsglauben.

Sein Werk Zedekunst, dat is wellevenskunste (1586) ist eine untheologische Ethik, die die menschliche Vernunft zur Richtschnur sittlichen Handelns macht.

Coornhert ist damit ein Vertreter des Deismus und insbesondere der Vernunftreligion.

Er geriet wegen seiner humanistischen Ansichten mit der spanischen Inquisition, später auch mit dem Kalvinismus in Konflikt mußte daher mehrmals nach Deutschland fliehen.

1572 wurde er Staatssekretär von Holland, 1577/1578 Notar in Haarlem. Später lebte er in Den Haag, Delft und Gouda.

 

Géraud de Cordemoy (gest. 1684)

Der Cartesianer Géraud de Cordemoy vertritt schon den Okkasionalismus, wonach die Wechselbeziehungen zwischen Seele und Leib durch Gott vermittelt sind, so daß z. B. bei Gelegenheit bestimmter Willensimpulse bestimmte Körperbewegungen auftreten und umgekehrt.

 

Agrippa von Nettesheim (1486 - 1535)

Der deutsche Wundarzt, Jurist, Theologe, Philosoph und Magier Agrippa von Nettesheim (eigentlich Heinrich Cornelius) verband den Neuplatonismus, die Kabbelistik, die lullische Kunst, die Magie und den Okkultismus zu seiner geheimen Philosophie (De occulta philosophia, 1510, gedruckt 1531).

Er postuliert eine allgemeine Belebtheit der Welt als Grundlage einer universellen Wechselwirkung. Die Dinge sind einander freundlich oder feindlich.

Die Erkenntnis dieses inneren Beziehungsgefüges gibt die Grundlage für die wahre Magie.

In seinem Werk Declamatio de incertitudine et vanitate scientiarum et artium (1527) grieff er die falsche Magie, die Astrologie, die Wissenschaften sowie Mißstände in Staat und Kirche an.

 

Victor Cousin (1792 - 1867)

Victor Cousin wurde 1814 Professor an der Sorbonne. Cousin ist ein Eklektiker. Er kämpft entschieden gegen Empirismus, Sensualismus und Materialismus und vertritt eine Form von Spiritualismus und Idealismus. Die Begriffe Idee und Vernunft spielen in seinen Lehren eine Hauptrolle.

Beeinflußt ist er u. a. durch Platon, die Schottische Schule, Kant, Schelling, Hegel, Maine de Biran. Er selbst beeinflußte u. a. Jouffroy, Garnier, Bouillier, Tissot und Ravaisson-Mollieu.

Cousin kämpfte für einen von der Kirche unabhängigen philosophischen Unterricht.

 

Louis Couturat (1868 - 1914)

Der französische Philosoph und Logiker ist ein Schüler von Russell.

Couturat ist einer der Begründer der modernen Logik. Er findet Anfänge des Logikkalküls in unveröffentlichten Schriften von Leibniz. Couturat gab Schriften von Leibniz heraus.

 

Caesar Cremonius (1550 - 1631)

Der italienische Philosoph und Naturforscher Caesar Cremonius ist der letzte Vertreter der Paduaner Schule. Er ist Nachfolger von Zabarella. Da er mit Galilei befreundet war, kam er zeitweise in Konflikt mit der Inquisition.

Cremonius war 1573 bis 1590 Professor für Philosophie in Ferrara und dann Professor für Philosophie und Medizin in Padua.

Im Mittelpunkt seiner Naturphilosophie stand die Betonung der Selbständigkeit der Physik als Wissenschaft im aristotelischen Sinne.

Da Gott nicht als bewegende Ursache der Welt begriffen wird, bedarf die Erforschung der Welt auch keine Gotteserkenntnis.

Für den Bereich der unerschaffenen Welt behielt er das finalistische Bewegungskonzept bei.

 

Benedetto Croce (1866 - 1952)

Der italienische Philosoph und Politiker Benedetto Croce stammt aus wohlhabender Gutsherrenfamilie. Er war zeitlebens ökonomisch unabhängig.

Croce studierte ohne Abschluß an der Universität Rom und beschäftigte sich u. a. mit Herbart und Marx. Ab 1886 lebte Croce in Neapel.

Seine 1898 begonnene Freundschaft mit Gentile wurde von ihm wegen dessen Zugehörigkeit zum Faschismus 1925 aufgekündigt.

1943 war Croce Neubegründer und Vorsitzender der liberalen Partei, 1944 Minister.

Croce ist ein Vertreter des aktualistischen Idealismus.

Der Geist verwirklicht sich nach Croce dialektisch in vier Stufen, von denen die beiden ersten theoretischer, die beiden letzten praktischer Art sind. Diese Stufen sind

  1. die ästhetische Stufe (Intuition),
  2. die logische Stufe (Synthese von Allgemeinem und Individuellem),
  3. die ökonomische Stufe (Nützlichkeitsstandpunkt, Wollen des einzelnen),
  4. die ethische Stufe (Wollen des Allgemeinen).

Auch in seiner Ästhetik unterscheidet Croce vier Stufen.

Leitender Gesichtspunkt für Croces Geschichtsauffassung ist, daß nur den Manifestationen des Geistes Wirklichkeit zukommt. Croce unterscheidet zwischen bloßer Sammlung historischer Fakten und eigentlicher Geschichte. Eigentliche Geschichte wird das Historische, wenn es uns in der Gegenwart betrifft. Allein durch ein Interesse an der Gegenwart gibt es wirkliche Tatsachen der Vergangenheit.

Croce bestreitet die Möglichkeit einer Universalgeschichte. Aber das Interesse, das sich auf den einzelnen Gegenstand der Geschichte richtet, ist Ausdruck des universellen allgemein menschlichen Geistes. Wirkliche Geschichte besteht somit im individuellen Gegenstand der Vergangenheit, insofern er durch den ewig gegenwärtigen allumfassenden Geist gedeutet wird.

Da die Darstellung des Geistes Aufgabe der Philosophie ist, sind Geschichte und Philosophie untrennbar miteinander verbunden. Diese Verbundenheit steht zu allen Versuchen, ein geschlossenes philosophisches System zu schaffen, im Widerspruch. Daher lehnt Croce diese Versuche ab.

 

Jean Pierre de Crousaz (1663 - 1748)

Der Philosoph Jean Pierre de Crousaz, Erzieher des Prinzen Friedrich von Hessen-Kassel, war Professor in Lausanne und Gröningen.

Als Gegner der Popularphilosophie bekämpft er die Monadologie und die Lehre von der prästabilierten Harmonie.

In der Ästhetik betont de Crousaz die Einheit in der Mannigfaltigkeit.

Nach de Crousaz gibt es keine unbewußten Vorstellungen.

 

Christian August Crusius (1712 - 1775)

Christian August Crusius, geboren in Leuna, war Professor in Leipzig.

Er ist vor allem von Rüdiger beeinflußt und ein Gegner der Leibniz-Wolffschen Philosophie.

In seinem Bemühen, Wissen und Glauben sowie Philosophie und Theologie zu vereinbaren, hat er Kant beeinflußt.

Crusius bekämpft des Satzes vom zureichenden Grunde in der üblichen Formulierung. Es folgen nicht alle Wirkungen notwendig aus ihren Ursachen.

Die Denkgesetze sind nach Crusius: der Satz des Widerspruchs, der Satz des nicht zu Trennenden und der Satz des nicht zu Verbindenden.

Wahrheitskriterium ist die Denkbarkeit. Wahr ist, was sich nicht anders denken läßt.

Die Metaphysik hat es mit absoluten Vernunftwahrheiten zu tun. Alles Endliche ist in Raum und Zeit. Raum und Zeit sind Abstraktionen.

Crusius bekämpft die Lehre von der prästabilierten Harmonie, den Satz von der Erhaltung der bewegenden Kraft, den Determinismus und den strengen Mechanismus.

Er bekämpft auch den Optimismus. Die Welt ist relativ gut, aber nicht die beste der möglichen.

Die Seelen streben ewigen Zielen zu und sind unsterblich.

Der Wille ist frei, motiviert, aber nicht determiniert.

Die Sittlichkeit ist objektiv zu begründen, sie besteht in der Befolgung des göttlichen Willens.

 

Edward Csató

Edward Csató ist ein Vertreter der Lwow-Warschau-Schule.

 

Damaris Cudworth Masham (1659 - 1708)

Die englische Philosophin wurde am 18. Januar 1659 in Cambridge geboren. Sei war die Tochter von Ralph Cudworth. 1682 lernte sie John Locke kennen, mit dem sie nach einer kurzen Zeit der Verliebtheit, aus der noch Liebesbriefe erhalten sind, eine langjährige Freundschaft verband.

1685 heiratete sie Sir Francis Masham. Sie hatten einen Sohn bei dem sie das von Locke entwickelte Erziehungssystem anwandte.

Ihr Kontakt zu Locke blieb bis zu dessen Tod sehr eng. Er lebte ab 1691 in ihrem Haus in Essex, wo er 1704 starb.

Durch den Aufenthalt Lockes machte sie auch die Bekanntschaft von Newton, van Helmont und Anne Finch Conway.

Ihr Werk umfaßt neben der Korrespondenz mit Locke und einem Briefwechsel mit Leibniz auch die Werke A Discourse Concerning the Love of God (1696) und Occasional Thoughts in Reference to a Virtuous or Christian Life (1705).

Mit Leibniz korrespondiert sie vor allem über philosophische Themen, schickte ihm aber auch das unvollendete Werk ihres Vaters The True Intellectual System if the Universe zur Begutachtung.

In Occasional Thoughts stellt sie die Verbindung von Vernunft und Glauben her, Sie argumentiert gegen die Ansicht, das Christentum sei Fanatismus oder Skeptizismus und definiert Religion als Unterstützung für die Tugend auf einer göttlichen Grundlage. Religion ist das Wissen, Gott zu gefallen. Die christlichen Gebote subd moralische Normen, die von der Vernunft bestimmt werden und Menschen helfen sollen, sich nicht von ihren Leidenschaften überwältigen zu lassen.

Ihr Buch A Discourse Concerning the Love of God ist in erster Linie eine Erwiderung auf John Norris Practical Discourse, der wiederum auf den Principles von Malebranche basiert.

Sie kritisiert die These von John Norris, man müsse nicht alle Kreaturen lieben, da dies nicht mit der Liebe zu Gott zu vereinbaren wäre und sieht genau umgekehrt in der Liebe zu den Kreaturen die Voraussetzung für die Liebe zu Gott. Er solle nicht nur als Schöpfer geliebt werden, sondern als das Gute schlechthin und als Quelle menschlicher Glückseligkeit.

Damaris Cudworth Masham starb am 20. April 1708.

 

Ralph Cudworth (1617 - 1688)

Ralph Cudworth, der Vater von Damaris Cudworth Masham, war ein bekanntes Mitglied der Cambridge Platonist School.

Cudworth vertrat einen christianisierenden Platonismus. Er leitet die Sittlichkeit aus angeborenen, absolut gültigen sittlichen Ideen her.

Nach Ralph Cudworth steht hinter jeder Erscheinung der Körperwelt eine bildende Natur geistiger Art.

 

Haskell B. Curry (geb. 1900)

Der amerikanische Mathematiker und Logiker ist der Begründer der kombinatorischen Logik, die auf Ideen von Schönfinkel beruht. Daneben arbeitete er zu zahlreichen anderen logischen Problemen.

 

Nikolaus Krebs von Kues (1401 - 1464)

Der deutsche Theologe und Philosoph Nikolaus Krebs von Kues (auch: Nikolaus von Kues, Nicolaus Cusanus, Nikolaus Chrypfs von Kues) wurde 1448 Kardinal.

Cusanus faßte das Verhältnis von Gott und Welt als das Verhältnis von Urbildlichem und Abbildlichem. Gott geht über alles Endliche als Vollendung hinaus, wie die Kugel das unendliche Vielecke, die Gerade das minimal Ungerade ist.

Die These, daß daß zwischen Endlichem und Unendlichem, Gott und Welt kein in endlichen Stufen zu denkendes Verhätnis bestehe, führt Cusanus auf das Prinzip universeller Relativität alles Endlichen und entband die Erkennntis von theologischen Voraussetzungen.

Nach Cusanus gelangen wir zur Erkenntnis eines Gegenstands a durch Vergleiche, in denen festgestellt wird, daß a etwas anderes ist als b, c usw. (oder kompliziertere Beziehungen zu b, c usw. hat). Arithmetische Proportionen stellen ein gutes Modell für das Erkennbare dar: Wir können ein Netzwerk von Beziehungen erkennen, nicht aber das Wesen der Dinge. Das Ziel unseres Strebens nach Wissen muß daher eine erweiterte Erkenntnis dessen sein, was die Dinge nicht sind, eine aufgeklärte Unwissenheit (De docta ignorantia, 1440).

Die Unbegrenztheit Gottes macht es uns unmöglich, ein a zu finden, das sich von einem b unterscheidet, und Vergleiche anzustellen: In Gott fallen die Gegensätze zusammen (coincidentia oppositorum), und der Satz vom Widerspruch verliert seine Geltung.

Cusanus unterschied vier Stufen der Erkentnis:

  • sinnliche Wahnehmung (sensus), die das nichtk klar widerspiegelt, was auf der Oberfläche der Dinge liegt;
  • Verstand (ratio), der Gegensätzliches gegenüberstellt,
  • Vernunft (intellectus) die Gegensätzliches vereint,
  • Intuition (animus) durch die eine völlige Einheit des Gegensätzlichen erreicht wird.
  • Cusanus ist für seine geometrischen Darstellungen dieser Verbindung der Gegensätze bekannt. Meistens stützen sie sich auf die Idee einer Geraden als Grenzfall einer ständig flacheren Kurve oder eines ständig stumpferen Winkels sowie auf das Prinzip, daß jedes unendliche, unbegrenzte Ding mit jedem anderen identisch ist.

     

    Tadeusz Czezowski (1889 - 1981)

    Der polnische Philosoph war in Lwow Doktorand bei Kazimierz Twardowski und gehört zur Lwow-Warschau-Schule.

     

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    Was kann an Hintergründen so spannend sein ???

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