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Der Wissenschaftler Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci war das herausragendste Universalgenie der Renaissance. Neben der Kunst galt seine besondere Leidenschaft der Wissenschaft. Die Neugierde trieb ihn an, die Natur zu beobachten und zu erforschen. Leonardo glaubte, in der Natur einen perfekt ausgeführten wissenschaftlichen Plan zu erkennen.

In den Mailänder Jahren begann der Meister, sich systematisch mit wissenschaft-lichen Studien zu beschäftigen. Am Hof des Herzogs Lodovico "Il Moro" gehörte er einem Kreis von Männern an, der die Wissenschaften pflegte. Hier lernte Leonardo auch den Mathematiker Luca Pacioli kennen, für dessen Buch "Über die göttliche Proportion" er die Illustrationen der regelmäßigen Körper zeichnete. Er verfaßte Traktate über die Malerei, die Baukunst und über die Mechanik. Seine Kenntnisse in der Architektur waren erstaunlich. Er nahm am Wettbewerb für die Erbauung der Kuppel des Mailänder Domes teil.

Von höchster Bedeutung sind seine Studien über die Anatomie des Menschen. Seine erstaunlichen Kenntnisse waren Ergebnis zahlreicher Experimente. Heimlich besuchte Leonardo den Friedhof von Mailand. Er zersägte Knochen und Schädel und häutete die Leichen, um die Nerven und das Muskelsystem zu studieren. Er arbeitete nachts, weil das Sezieren von Leichen als Sakrileg betrachtet und mit Gefängnis bestraft wurde. Er führte 30 Obduktionen durch. Er sezierte Kühe, Bären und Affen. Er war der erste, der die Auswirkungen der Arteriosklerose entdeckte.

Wissenschaftliche Studien füllten auch die Jahre 1500-1507 aus, die Leonardo nach seinem Fortgang aus Mailand in Florenz verbrachte. Er diente vorübergehend dem päpstlichen Condottiere Cesare Borgia und später auch den Florentinern als Festungsinspizient und kriegstechnischer Ratgeber. Aus dieser Zeit stammen die außergewöhnlichen Landkarten der Toskana, Erstleistungen der modernen Kartographie.

Leonardo da Vinci war ein aufmerksamer Beobachter der Natur. Er zeichnete Landschaften, studierte Blumen und Tiere. Seine Methoden, die Bewegung des Wassers zu erforschen, waren einfach. Er streute Samenkörner in die Strömung, oder er färbte einen von zwei sich treffenden Strömen farbig ein, oder er setzte Hindernisse in den Wasserlauf. Er erkannte bald die Ähnlichkeit zwischen den Bewegungen des Wassers und denen des menschlichen Blutkreislaufes. In Amboise widmete er sich der Fortführung, Sichtung und Ordnung seiner wissenschaftlichen Studien, insbesondere der Anatomie. Er entdeckte, daß sich die im menschlichen Organismus wirkenden Kräften und die Gesetze der Natur glichen.

Der Universalgelehrte trug immer ein Notizbuch mit sich. In diesen Büchern hielt er seine Beobachtungen und Gedanken fest. Jede Seite beinhaltet außergewöhnliche Zeichnungen und Notizen zur Geometrie, Astronomie, Botanik, Anatomie, Architektur, usw. Circa 7000 Seiten dieser eindrucksvollen Notizbücher sind erhalten. Durch seine analytischen Fähigkeiten und das Studium der Naturkräfte wurde Leonardo zum Begründer der modernen wissenschaftlichen Illustration.

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