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italienischer Humanist, Baumeister, Schriftsteller und Kunsttheoretiker. Alberti ist der erste in der Reihe der sogenannten "Universalmenschen" (uomo universale) der Renaissance, darin unmittelbarer Vorläufer Leonardos. Er gehörte der höfischen Kultur an, die den bürgerlichen Humanismus als tragendes und stabilisierendes Element in sich aufgenommen hatte. Alberti stammte aus vornehmer florentiner Familie, die damals aus Florenz verbannt war. Er studierte an der Universität Bologna und erwarb 1428 den Grad eines Doktors der Rechte. Danach reiste Alberti durch Frankreich, Belgien und Deutschland. Seit 1432 stand er in päpstlichen Diensten. Der erste Romaufenthalt 1432-34 regte Alberti an, sich mit dem Studium der Baukunst zu beschäftigen. Er versuchte durch messen der antiken Bauten deren Konstruktion zu erforschen. In den nächsten Jahren war Alberti unter anderem in Florenz (beginnende Freundschaft mit Fillipo Brunelleschi), Bologna, Ferrara, 1443 wieder in Rom. Albertis Tätigkeit als Baumeister (immer nur entwerfend, die Ausführung wurde anderen überlassen) setzte 1446 ein mit dem Auftrag Sigismondo Malatestas, die gotische Kirche San Francesco in Rimini in einen "Renaissancetempel" (Tempio Malatestiano) umzuwandeln. Der Umbau blieb unvollendet. Vor allem der Außenbau gibt über die Baugedanken Albertis Aufschluß. Für die Fassade ist offensichtlich die Gestaltung eines römischen Triumphbogens maßgebend gewesen. An der von Alberti entworfenen Fassade von Santa Maria Novella in Florenz (ältere Teile gehen bis um 1300 zurück) sind seitlich des Giebels große Voluten angebracht, die erste Verwendung dieses antiken Schmuckelements in der Renaissance. Weiter arbeitete Alberti Entwürfe für zwei Kirchen in Mantua aus: 1460ff. San Sebastino, ein Zentralbau über dem Grundriß eines griechischen Kreuzes mit vorgelegtem Portikus und 1470ff. San Andrea, einschiffig mit Tonnengewölbe und Seitenkapellen, Gliederung der Fassade durch riesige Pilaster (sogenannte Kolossalordnung), triumphbogenartige Mitte. Bei dem Umbau der mittelalterlichen Choranlage der Santissima Annuziata in Florenz in einer Rotunde war Alberti ausschlaggebend, 1471 stellte er den Anschluß der Rotunde an das Querhaus her. Ebenso wegweisend wie seine Bauten waren auch seine kunsttheoretischen Schriften u. a. "Drei Bücher über die Malerei" (entstanden 1435, hg. 1540; dt. 1877), Fillipo Brunelleschi gewidmet. "De re aedificatoria libri X" (hg. 1485, dt. 1912 unter dem Titel "Zehn Bücher über die Baukunst") wertet konsequent Vitruv aus und legt den antikisierenden Kanon für die Baukunst der folgenden Jahrhunderte fest. Sein literarisches Werk umfaßt außer einer frühen lateinischen Komödie ( Philodoxeos 1426 ) eine Reihe moralphilosophischer, z. T. polemischer Traktate in Dialogform von denen die vier Bücher über die Institution der Familie ("Über das Hauswesen", entstanden 1437-41; hg. 1844; dt. 1963) am bedeutendsten sind. In ihnen setzt sich Alberti ebenso, wie in dem 1441 in Florenz auf seine Anregung hin veranstalteten Dichterwettstreit, nachdrücklich für eine Literatur in der Volkssprache ein und beeinflußt damit maßgeblich das italienische Schrifttum des 15. Jahrhunderts. Quelle: Meyer's Enzyklopädie Alberti hat das Ideal des vollkommenen Menschen der Renaissance verkörpert. Moralist, Rechtsanwalt, Dichter, Dramatiker, Musiker, Mathematiker, Gelehrter, Maler, Bildhauer, Architekt und ästhetischer Theoretiker, war sein geistiger Horizont ungewöhnlich, sein Wissen Profund. Ihm verdanken wir die Grundidee eines allumfassenden Renaissancestils. In seinen Abhandlungen über die Malerei (1435, veröffentlicht 1540) über Architektur (1452, veröffentlicht 1485) und über Bildhauerkunst (um1464-1470, veröffentlicht 1568) entwickelte er eine Theorie der Schönheit auf der Grundlage griechischer und römischer Kunst und dem, was er die "Gesetze der Natur" nannte. Als illegitimer Sohn einer von Florenz exilierten Adelsfamilie erhielt Alberti eine humanistische Bildung und zeigte kurz nach seinem Eintritt in den päpstlichen Staatsdienst in Rom, im Jahre 1431, Interesse für Architektur. Inspiriert vom klassischen Altertum, entwickelte einen Stil, der massiver, plastischer und auch archäologisch korrekter war als der Brunelleschis. Seine Säulen und Pilaster tragen nach klassischem Vorbild stets Architrave und keine Bogen. Die Wand war lediglich als Füllung zwischen den aufragenden Stützen konzipiert, eine Auffassung, die von größtem Einfluß war. Sein Selbstverständnis war das eines reinen Künstlers und Denkers, der lediglich Entwürfe lieferte; an der Ausführung eines Bauwerks beteiligte er sich nicht. Einer der ersten, die Alberti um Entwürfe baten, war Sigismondo Malatesta, der Prototyp eines Renaissancefürsten, der mit 14 Jahren seinem Onkel und seinen Brüdern die Herrschaft von Rimini entriß und bald als kühner Truppenführer, grausamer Herrscher und Mäzen humanistischer Gelehrter und Künstler in Erscheinung trat. 1450 beschloß er, die mittelalterliche Kirche San Francesco zu seinem Ruhm in eine Begräbnisstätte umzugestalten für ihn, seine Mätresse Isotta degli Atti und andere Günstlinge seines Hofes. Daraufhin nannte man die Kirche "tempio Malatestiano". Alberti entwarf eine Marmorschale für die alte Kirche, in der die Fassade frei nach einem römischen Triumphbogen gestaltet ist. Die Seitenwände werden von tiefen, gewölbten Nischen durchbrochen, in die schmucklose Sarkophage eingestellt sind, bestimmt für Dichter und Philosophen (einer einhielt die Gebeine eines Byzantinischen Neuplatonikers, Gemistos Plethon, die man, wie die Reliquien eines Heiligen, von Mistra aus der Peloponnes herbeigeschafft hatte). Hier wurde der frühe Renaissance Stil der Architektur mündig. Es gibt keine Remiszenzen an die Romanik mehr (wie in so vielen Florentiner Gebäuden): Alles ist prachtvoll römisch, jedoch von keinem bestimmten antiken Bauwerk abgeleitet: die fein modellierten Halbsäulen, die wunderbar deutlichen Inschriften und die Lorbeergewinde, die die Fenster umrahmen. Alberti beherrschte die klassische Architektursprache so perfekt, daß er imstande war, mit ihr in der ursprünglichen Vorstellungskraft zu komponieren. Aber wie andere Renaissanceprojekte, bei deren Initiatoren die Ambitionen größer waren, als die vorhandenen Mittel, wurde sie nie vollendet. Die geplante Kuppel fehlt. In seinem unvollendeten Zustand ähnelt der "Tempio" einer Ruine. Quelle: Weltgeschichte der Kunst von Hugh Honour und John Fleming Antike Architekturformen dienen als Katalysatoren beim Entstehen einer neuen Formensprache für zeitgenössische Bauprogramme. Aus dem Studium des einzigen überlieferten - zur Zeit des Augustus entstandenen - antiken Lehrbuches für Architektur des Vitruv entsteht das grundlegende theorethische Werk L. B. Albertis mit dem fast gleichen Titel, die 10 Bücher über die Architektur, zum ersten Mal um 1452 in den Hauptteilen veröffentlicht. Die Wiederbelebung antiker Prinzipien bringt eine gegenüber der Gotik völlig neue Architektur mit klar geformten Baukörpern, Flächenwerten und antikisierenden Gliederungen hervor. Brunelleschis (1377-1446) Verhältnis zur Antike erscheint unbefangen und pragmatisch. Theorien zur neuen Architektur entstehen erst unter den folgenden Generationen (Alberti, Filiarete u. a.) Sie gründen sich auf das Studium der antiken Ruinen, meist aus der römischen Kaiserzeit, und antike Schriftsteller, vor allem auf Vitruv. Seine "10 Bücher über die Architektur" werden mehrfach mit Abbildungen und Kommentaren neu herausgegeben. Unter den nach ihrem Vorbild verfaßten neuen Schriften ragen Albertis "10 Bücher" und Palladios "4Bücher" hervor. Leon Battista Alberti, der erste große Theoretiker der Renaissance-Architektur, wendet bei dem 1446-51 erbauten Palazzo Rucellai zum ersten Mal ein in 3 Geschossen aufgebaute Pilasterordnung zur Gliederung der gesamten Fassade an. Die Wand ist aus glatten Quadern mit wechselnder Schichthöhe aufgebaut. Flach, in den Mauerverband einbezogene Pilaster teilen sie in fast gleiche Felder. Im Erdgeschoß wechselt je 1 Portalfeld mit 2 geschlossenen Feldern mit hochliegenden Lukenfenstern. Die gekuppelten Fenster in den Wandfeldern der Obergeschosse erhalten ihre besondere Note durch den in Kämpferhöhe eingeschobenen Architrav. Die Rustikabögen in den Portalachsen steigen entsprechend der größeren Feldbreite eine Schicht über die Nachbarbögen auf und akzentuieren zusammen mit den Wappenschildern fast unmerklich den Rhythmus der Fassade. Albertis Gliederung erscheint großzügig und neuartig im Vergleich zu den anderen Florentiner Palästen mit der von ihm abgelehnten schweren Rustika-Architektur (Palazzo Medici 1444). Die Anpassung klassischer Elemente an die Wandarchitektur der Renaissance findet vor allem in Rom Nachfolge. Für die Humanisten und Theorethiker der Renaissance besteht ein enger Zusammenhang zwischen einer idealen Gestalt der Städte und dem moralisch einwandfreien und vernünftigen Leben ihrer Einwohner (L. B. Alberti: 10 Bücher über die Architektur, 1485; Thomas Morus: Utopia, 1516) In der Frührenaissance stehen die Rusticafassade und die Pilasterfassade im Wettbewerb. Die Rusticafassade setzt sich von Florenz aus zuerst durch. 1444-64 erbaute Michelozzo für Cosimo Medici den Palazzo Medici. Die Pilasterfassade erhält gleichzeitig, etwa 1446-50, ihre erste monumentale Verwirklichung nach dem Entwurf von Leon Battista Alberti im Palazzo Rucellai. Die von mittelalterlicher Tradition wegführende Gliederung der Rusticaflächen durch antikisierende Pilasterordnungen setzt sich bezeichnenderweise in Florenz nicht durch, obwohl damit eine für die Zukunft entscheidende Neuerung eingeführt. Leon Battista Alberti gibt in seinen "10 Büchern über die Architektur" 1452 ein ausführliches Programm für "Herrenhäuser" hinter dem das antike Vorbild der Villa Plinius des Jüngeren steht. Von den vielen sogenannten Räumen sollen sich die Haupträume: Eingangshalle, Speise- und Aufenthaltsräume auf einen Zentralraum ("Sinus") nach Art des römischen Atriums öffnen "wie auf ein öffentliches Forum die Gebäude". Im Blickfeld soll ein Hausaltar stehen. Das Winterspeisezimmer soll einen Ofen, das Sommerspeisezimmer soll eine Öffnung zum Garten haben. Die Speisezimmer, die geräumig, heiter und festlich sein sollen, haben zugleich die Funktion von Gesellschaftsräumen. Von ihnen gelangt man in die privaten Raumgruppen mit den Schlafzimmern. Die ideale Kirche verkörpert sich in der Frührenaissance im Zentralbau. L. B. Alberti, der um 1450 die erste umfassende Architekturtheorie der Renaissance formuliert, führt ihn historisch auf die Vorbilder der Antike zurück. Wissenschaftlich begründet er ihn mit der Bedeutung des Kreises und verwandter Formen in der Natur, denn die Natur gilt als oberste Lehrmeisterin. Ästhetisch kommt er dem Ideal der Gleichmäßigkeit am nächsten. Bevorzugte Grundformen sind Kreis und Quadrat bzw. Würfel und Kugel. Die Schönheit ist wichtiger als lithurgische Zweckmäßigkeit, denn sie gilt als die Verkörperung göttlicher Gesetze. Sie beruht auf der Harmonie aller Teile, von denen nichts weggenommen und nichts hinzugefügt werden kann, ohne dem Ganzen zu schaden. Schon in den nächsten Generationen wird der neukonstituierte Typ des Longitudinalbaues folgenreich verändert. Mit Sant' Andrea in Mantua entwirft Leon Battista Alberti um 1470 einen neuen Grundtyp, der die weitere Entwicklung entscheidend bestimmt. Über dem Grundriß eines lateinischen Kreuzes durchdringt ein sehr breites, tonnengewölbtes Langhaus ein gleichartiges Querhaus. An die Stelle der leichten Säulenarkaden mit ihrem fast allseitigen Durchblick treten paarweise zu Blöcken zusammengeschlossene Zungenmauern mit Pilastern, die als Großordnung bis zum Hauptgesims aufsteigen. Die Wandnischen zwischen ihnen sind im Erdgeschoß mit Quertonnen überwölbt, darüber durchbrechen einzelne Fenster die Oberwand. Die Vierung trägt eine Kuppel, der Chor mündet in eine breite und hohe Apsis. Die durch die Seitennischen bestimmten Querachsen bestimmen den Rhythmus des Raumes. Alberti knüpft in Konstruktion und Gesamtcharakter an den Massenbau der römischen Kaiserzeit an (Maximus-Basilika) und leitet die Steigerung der Formensprache zur Monumentalität der Hochrenaissance ein. Der von ihm mit St. Andrea geschaffene Prototyp der modernen Wandpfeilerkirche tritt neben die Basilika. Er ist ihr im Querschnitt des Baukörpers ähnlich; die Kapellen zwischen den Wandpfeilern im Erdgeschoß erscheinen außen wie ein Seitenschiff. Die Fassaden, nach italienischer Tradition als Schauwände errichtet, bieten bei beiden Typen die gleichen Probleme. Die Architekten entdeckten bei der Rückwendung zur Antike die Säulenhalle des römischen Podiumtempels und den Triumphbogen als Motive für die Front des "christlichen Tempels". Die Übernahme an die Fassade eines Baukörpers mit gestaffeltem Querschnitt ergibt neue Probleme. Alberti findet auch hier wegweisende Lösungen. Bei der Fassade für die Dominikanerkirche Sta. Maria Novelle in Florenz entsteht, trotz Einbeziehung gotischer Fassassdenteile im Erdgeschoß und Weiterführung des toskanischen Inkrustationsstils ein Prototyp, der in zahlreichen Variationen im europäischen Barock zum Standardtyp wird: Pilasterordnungen in zwei Geschossen und horizontale Gesimse gliedern die Front. Der hohe Mittelteil trägt das Giebeldreieck. Rundbogenportal zwischen Halbsäulen im Erdgeschoß und Kreisfenster im Obergeschoß markieren das Mittelschiff und die Hauptachse. Seitlich vom Mittelgiebel vermitteln große Voluten vor den Pultdächern den Übergang zu den Seitenschiffen. In Sant Andrea in Mantua verbindet Alberti Tempelfront und Triumphbogen-Motiv miteinander durch Gliederung der Fassade mit einer Pilaster-Großordnung. Die folgenden Architekten verfolgen die von ihm gefundenen Lösungen weiter, z. B. Bramante 1480 in Mailand und Peruzzi 1515 in Rom. Der wichtige Entwurf von Michelangelo für S. Lorenzo in Florenz wird nicht verwirklicht. Die Erscheinung eines Bauwerkes beruht nach Alberti
Wie im Mittelalter bilden geometrische Figuren und ihre Proportionalteilungen die Grundlagen der Entwürfe. In der Gotik bleiben sie zumeist in der Struktur verborgen. In der Renaissance werden sie im Baukörper insgesamt und in seien Teilflächen sichtbar. Ihre Beziehungen durch die aufgelegten Gliederungen deutlich akzentuiert. Ausgewogene Proportionen, Schönheit der Einzelformen, Symmetrie und Harmonie aller Teile und des Ganzen sollen die göttliche Wahrheit der Geometrie und ihre moralische Kraft verkörpern. Dieser hohe Anspruch bringt sehr schöne Bauwerke hervor, führt aber zu einer prinzipiell formalistischen Auffassung der Architektur. Quelle: dtv-Atlas zur Baukunst |